Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 3 (1862)
- Issue
- Heft 6 (5.2.1862)
- Date
- 1862-02-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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17 Schienennetz der reformistischen Pest ganz nahe gerückt, haben die neologischeu Bestrebungen hier noch wenig Platz gegriffen. Man findet hier npch ein kräftiges, urwüchsige- Judenthum, das von seinem alten Typus noch nichts aufgeben. Eresi, Adony, Nlmas, Duna-Pentele, kleineren Gemeinde, die verschiedenen Rabbinaten zugetheilt find. Jede dieser Gemeinden ist im Besitze einer Volksschule von höherem oder minderem Werthe, doch ist das religiöse Leben hier ziemlich lax. Der Grund hievon liegt unstreitig in dem unliÄsamen Umstande, daß diese Gemeinden in Ermangelung eines Nabbinen das ganze Jahr hindurch des belebenden Gotteswortes entbehren — ein Uebel, dem leider in minder großen Communen nicht leicht abzuhelfen. Duna Földvar, eine jugendliche, kräftige Gemeinde. Der verdienstvolle Rabbiner ' Fischer, ein tüchtiger Talmudist und gewandter Kanzelredner, erfreut sich der ungetheilten Liebe und Achtung seiner Gemeinde in hohem Grade. Die unter seiner Leitung bestehende dreiklasfiae Volkesschule ist in stetem Aufblühen begriffen. Herr Lehrer Herzog handhabt den hebräischen Unterricht mit lobenswerthem Eifer. Nicht unerwähnt dürfen wir lassen, daß hier auch dem Talmudunterrichte besondere Pflege und Sorgfalt gewidmet wird. Tolnau, Szekscard, namhafte Gemeinden, deren gemeinsamer Fehler darin besteht, daß sie keinen Nabbinen haben. Mit den religiösen Institutionen besteht's hier wie überall, wo das geistliche Oberhaupt fehlt. Gyonk, eine 50—60 Familie zählende Gemeinde, die einen nur gepachteten Tempel hat. Dafür besitzt sie in dem Abr Glaser, Schwiegersohn des gottseligen .Ehrenfeld aus Preßburg, dessen Nekrolog diese Blätter vor einigen Wochen brachten, einen sehr sroinmcn, fähigen und würdigen Seelsorger. Die Schule ist vor etwa einem Jahre in Folge klein sicher Eifersüchteleien ausgelassen werden, wgS überaus bebaue rnswerth. Höggäß, eine alte, lebensmüde Gemeinde. Der wackere Rabbiner, Herr Goitein, kann für die Reorganisation der Schule wenig thun. Die Renitenz ist hier nachhaltiger und bedrohlicher als in anderen Gemeinden, weil der Rabbiner, noch jung und aus ^demselben Orte gebürtig, enicht vermag, drrschulfeindlichen Partei gehörig zu imponiren. Bonyhad, eine zahlreiche, doch wenig Leb nssähigkeit bekundende Gemeinde. Die dortige Kanzel ist bereits seit dem Rücktritte des Rabbi Mofe- PereleS s. A., der nebenbei gesagt, nicht spontan stattgefunden, gänzlich verwaist Die wiederholten Versuche zur Wiederbesetzung des RabLluatt bleiben stets erfolglos. Als ich diesmal daselbst durchgereist, fehlte es an tumultuarischen Bewegungen nicht. Ein Herr Hirsch selb, Rabbiner zu Fünfkirchen, hielt daselbst vor einigen Woche» eine» Probevortrag, der allgemein gefiel. Doch erhoben sich alsbald Bedenken gegen seine religiöse Anschauung, in Folge dessen die orthodoxe Partei in dessen Berufung nicht willigen wollte. Diese will edurchauS nicht zugeben, daß die heilige Statte, wo ein R. Wolf BoSkowitz, R. Heller und R. Moses Pereles das seuersprühende GotteSwort begeistert und begeisternd verkündet — von einem ganz gewöhnlichen phrasengewandten Neologe» betreten würde! Wir unterdrücken hierüber gerne unsere individuelle Ansicht; doch find wir der Meinung, Herr Hirschfeld handelte klug^fo er von seiner diesfällige» Bewerbung zurücktreten würden Die erste unabläßliche Bedingung für einen Man», der den Bonyhad er Rabbinerstuhl einnehme» und in Ehren behaupten will, ist — gründliche Kenntniß von Der Flitterglanz einer Gastpredigt würde seine Zauberkraft für nur äußerst kurze Zeit bewähre». Fünfkirchen, eine neue Gemeinde, llrie dem sogenannten ,Fortschritte* huldigt. Die hier bestehende isr. k. k. Musterhauptschule leistet trotzdem Tüchtiges im Hebräischen, was um so rühmlicher,^ als die an derselben wirkenden Lehrer von der Ge-" meinde vollständig unabhängig sind. Siklss, eine Gemeinde ou mimaluro, die trotzdem einen tüchtigen Nabbinen und eine treffliche zweiklassige Schule besitzt. Essegg, eine etwa 100 Familien zählende, sehr bemittelte Gemeinde, der man ein vollkommen günstiges Prognosiikon stellen kann. Der dortige Rabbiner Herr Spitzer, ist ein tüchtiger, eifervoller Schulmann, upter dessen umsichtiger Leitung die