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Der Israelit · 1862-02-05 · Heft 6 (5.2.1862) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
3 (1862)
Issue
Heft 6 (5.2.1862)
Date
1862-02-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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45 das Blatt herum und sagt: „Aber unsere Bauern find für solche NechtSgedanken noch nicht reif." Gut denn, so drehen auch wir daL Blatt herum und sagen: „Setzt nun besagte Bäuerlein, welche sich in den neuen Rechtsstaat nicht finden mögen, so lange in den früheren gesetzlichen Zustand der Juden, bis auch sie das Wort begreifen, das ein hochgestellter Geistlicher in der bayerischen Kammer zur Geltung brachte: „Was du nicht willst rc." Wollte man aber mit jedem Gesetze warten, bis es in allen Winkeln des Landes Anklang findet, so müßte man auf jede fortschreitende Gesetzgebung überhaupt und namentlich auf eine vernünftige Gewerbe-Ordnung, so lange verzichten, bis des letzten Zunftzopfes letztes Haar ausgefallen ist! Daß unsere städtische Bevölkerung anders denkt, hat bei der jüngsten Saison Mannheim, und bei der jetzigen Karlsruhe bewiesen. Wir zweifeln z'war nicht daran, daß die volle Gleichstellung der Juden, ohne Clauseln und Vorbehalte, bei den drei gesetzgebenden Factoren diesmal durchgehen wird; aber wir möchten auch nicht, daß dieses unter heftigen Debatten und mit nur schwacher Majorität geschehe, damit unsere beiden Kammern, auf die Deutschland mit Stolz hinweist, auch in dieser Hinsicht als Muster dastehen! (F- I ) Karlsruhe, 26. Januar. Der Gesetzentwurf über die völlige bürgerliche Gleichstellung der Israeliten hat, so vernimmt man, bisher in den Abtheilungen der zweiten Ka mer eins sehr günstige Aufnahme gefunden. Doch hat sich schon die Ansicht geltend gemacht, das bezüglich des Eintritts in den Allmendgenuß und der Verschmelzung der Armenfonds in Aussicht genommene Provisorium von fünf Jahren, in ein zehnjähriges zn vergrößern. — (F. I.) Karlsruhe, 25. Jan. Die Presse'beobachtet ein fast auffälliges Schweigen über den vorgelegten Entwurf eines Gewerbe-, eines Niederlassungs- und eines Gleichstellungsgesetzes für die jüdischen Staatsbürger. Bezüglich des Letztem insbesondere darf daraus nicht ein Nichtvorhandeusein entgegengesetzter Anschauungen gefolgert werden. Dieselben werden ganz sicher auck in der Kammer ihre Vertretung finden, ohne jrdoch'voraussichtlich den Bestand des Gesetzes ernstlich zu gefährden. Preußen.-^ : n-. Posen, 19. Jan, In unserer Stadt find die zahlreichen Juden in großer Bewegung. Die Kollegien des Magistrats und der Stadtverordnete», in denen viele Juden sitzen, haben nämlich einen sehr befähigten Schulamtskandidaten zum Lehrer au der hiesigen städtischen Realschule berufen, der Unterrichtsminister aber hat seine Bestätigung versagt, «eil der Lehrer ein Jude ist, trotzdem, daß der Artikel 12.der Verfassung sagt: „Der Genuß der bürgerlichen.und staatsbürgerlichen Rechte ist unabhängig vow religiösen Bekenntniß/ Die städtischen Behörden habe» deshalb eine Beschwerde an das Abgeordnetenhaus beschlossen. n - Oesterreichischer Kaiserstaat. ... Wien, 17. Jan. Unter den drei aus Ungarn nach Wien versetzten Advokaten befindet sich ein Israelit, vr H Knepler (aus Kaschau), welcher nach den gegenwärtig in Ungarn geltenden Gesetzen wegen seines Glaubensbekenntnisses als unfähig zur Ausübung der Advokatur in Ungarn betrachtet wurde. Wien, 19. Jan. In Prag hat scho» wieder eine Judenhetze stattgefunden, welche zwar nicht die Ausdehnung wie jene am 2. August gewann, aber doch erst nach einem energischen Einschreiten der Sicherheitsbehörde beseitigt werden konnte und jedenfalls wieder einen panischen Schrecken unter allen israel. Einwohnern der Stadt verbreitete. Ein czechischer Müllergeselle machte sich das Vergnügen, seine weiß gepuderte Gestalt im Judenviertel an den draußen hängenden dunkeln Nöcken, der Kleiderhändler zu reiben. Als einer dieser Letzteren ihn abwehren wollte, schritt das den Müllergeüllen umgebende Poll sofort ein und stürzte sich unter dem Rufe: „Schlagt die Juden nieder!' auf die Israeliten. Da die Menschenmenge immer mehr anschwoü, schloffen die Juden ihre Läden und ergriffen schreiend die Flucht. Den Mißhandlungen, die dabei verfielen, machte die Polizei rasch ein Ende. (Spenersch. Ztg.) Wien, 21. Jan. In Triest hat die Jsraeliteusrage einen großen Wirrwarr in der Stellung der Parteien und Nationalitäten angerichtet. . Nicht nur das alte Casino hat mit einer Mehrheit von 63

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