Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1861)
- Date
- 1861-12-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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631 jedoch nur durch ein-n Fachmann geschehen kann.) Was nun die Laien betrifft, so könnten diese allenfalls großartige weltliche Zwecke zum Heile der Iudeicheit des Lander verfolgen, z. B. Handwerks¬ und Wohlrhätigkitsvereine gründen, Stipendien für lalmndbefliffcne Jünglinge iu'S Leben rufen u. s. w. Vorzüglich wäre für solche aotlb.geisterte Laien ein für ihre Thätigkeit 'ehr würdiges Feld die Verhütung, das; Kinder armer Eltern nicht gezwungen werden, die Sabbate und Feiertage auf Geheiß ihres Brodhcrcn zu entweihen. Tenn leider wird diese Sabbatcrrtwrihung den armen Kindern, die in der Stadt als Lehrlinge oder Commis ausgenommen werden wollen, als Bedingung i-ino g,rn m.n gestellt; und was von ihnen vorerst aus Zwang gethan wird, das Ihnen sic später ans Gewohnheit — freiwillig. Ist cs aber nicht diese Bedingung und ihre bösen Folgen, die dem Judemhume Gefahr drohen? Und — ach, Schande unseres Jahrhunderts! — selbst die HandwcrkSvereine zu Wien und Pesth, die von Mücken N-abbinen und Predigern gegründet sind, stellen dieie Bedingungen, wenn auch nur stillschweigend, ihren auszunchmeuden Lehrlingen. Welch eine jüd. Heldenthal wäre es also, irgend einen Verein zu gründen, wodurch die arme Jugend den Verlockungen zur Sünde widerstehen könnte! Unlängst schrieb mir hierüber der sehr würdige Herr Rabb. Pollak aus Trebitsch, und meinte, daß man einen Verein nach dem Muster des unlängst eben zu dielem Zwecke zu Hamburg gegründeten Vereines auch hier zu Staude bringen könnte. Ich ersuche die lob!. Redaktion über diesen Hamburger Verein uns Näheres mitzuthAlen.*) Eine dritte Version endlich will das ganze Institut des Landesrabbinats au'lösen. Sollte diese Meinung Anhänger finden, so wäre es tief zu beklagen. —! Holla u-, Wtr erhalten folgende Zuschrift: z " - Ärnsterdain, den 11. Dezör. Vor einigen Monaten wurde durch unfern Ober- *1 Wir bat,,« wobt von der Uii'tknz jrnks L/rrins und niä-t rm nnMrs Wort Tir R»d. cantor, Herrn Jsaac Heymann, in den hiesige» beiden Hauptsynagogen der Choral Gottesdienst, uw ter Leitung des Herrn Musikdirektors A. Berlyn, bestehend aus einem Männerchor, nnirr allgc:ueinen Beifall und unter stch-barer Theilnahme eingoiührl. Wir verdanken diese Einrichtung unserem odcnbcnarinlem Herrn Obercantor, der mit Fleiß und Aufopferung sich diese Zache angelegen'sein ließ. Namentlich sind es besten wahrhaft ergreifende, melodienreichc Compositionen, welche derselbe in Begleitung des Chores mit seiner vortrefflichen Stimmt vorträgt, die einen ungetheiiten Bcifall unter unserer jüdischen Bevölkerung finden. Es fft dieses dri Grund, weßhalb die Synagoge, in welcher zur Zeil der Choral-Gottesdienst abgehalten wird, jedesmal überfüllt ist. —" ' Unsere Leser werden sich noch jener tnmnltm ni'chen Conflicte im Sommer 00 erinnern, bei wcl chen ein gewisser Chronik, der sich zun Resormatsi Hollands auswcrsen wollte, eine w traurige Rolli spielte. Damals erbot sich der Gemeinde-Borstanl zu Amsterdam den Reformern gegenüber zu einigen Zugeständnissen, und die obenermähnte Einführung eines ChoralgesangeS in den beiden Hauptsynagogen . (nicht regelmäßig, sondern abwechselnd, den einen Sabbat in dieser und den nächsten in der andern Synagoge) ist die Folge davon. Ob die iSr. Gemeind« - zu Amsterdam damit das Gespenst der Reform ge-! bannt haben wird? noch mehr, wird damit Etwas gethan sei», der überhandnehmenden Religionslosigkeit Schranken zu sehen? wird, weil die Menge dem ' neuen Ohren.chmanse zusirömt, dadurch der religiös« Charakter der Gemeinde erhalten bleiben? — Wir knüpfen sehr geringe Hoffnung daran. Was Amsterdam Roth lhnt, ist vor Allem ein Rabbi» r, gelehrt, charaktervoll, thatkcästig, und durch denselben Gründung von tüchtigen Schulen für p'x Dp .iim, für jüdisches und profanes Wissen. Diese Angelegenheit hat noch eine andere Seite. Bekanntlich ' herrscht leider unter der jüdischen Bevölkerung Amsterdams ein Pauperismus wie in keiner andern europäischen nno vieäei.ht auch außereuropäische!! Stadt. ^Tüchtige Schulen würden denselben bald verbannen und dem Wohlstände den Boden gewinnen, welcher eine Folge der allgemeinen Biloung ist. Warum zögert Amsterdam nun schon so lange, mit