Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1861-12-25 · Heft 52 (25.12.1861) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 52 (25.12.1861)
Date
1861-12-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2446984-2447035--01089-2456316
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

achten, sowol^ im Interesse der Wahrheit, als auch Kehren wir jetzt zu unser« eigentlichen Thema «amentlich deshalb» weil eine^Zeit lammen kann, in zurück. — welcher man aus demselben gegen alle unsre Glaubensgenossen Waffen zu Schmieden vermöchte; unser Stillsckweigen würde dann als Zustimmung genommen werden, und daher hatten wir es sür angemessen, im Namen unsrer heiligen Religion gegen das von PH. für Judenthum Ausgegebme Protest kinzulege». —! Wir haben schon mehrfach daraus aufmerksam gemacht, daß PH. stets geneigt ist) mit dem Strome zu s6):vimmen) und der jedesmaligen Zeitströmung in allen seinen Anschauungen Rechnung zu tragen, sowohl in religiöser wie in politischer Bezichung; diese letztere ginge uns nun eigentlich Nichts Kn; da aber Herr PH. seine jedesmalige politische Richtung in den Mantel der Religion hüllt!u»d in seiner bekannten Sucht, als Vertreter und Sprecher der Judenheit Änd des Judenthums zu erscheinen, seine jedesmalige Ansicht für „Judenkhum" ausgibt, so müssen wir namentlich den Nichtjuden gegenüber der aus Pb.'s Gebühren sich ergebenden falschen Ansicht entgegentreten, wie wenn das Judenthum ein so wandelbares Ding wäre, dessen Wesen heute Absolutismus und morgen die Demokratie sein könnte. — Das Judenthum ist die ewige, unwandelbare Wahrheit; es hat keine politische Parteistellung, wohl aber Gesetze über unser Verhalten dem Vaterlands gegenüber, nM dieses ein absoluter, constitutioneller oder demolrcMcher Staat sein. Lebt der Jude in einer Autokratie, so muß er ein guter Uuterhan, lebt er iu einer Republik, so muß er ein guter Bürger sein; geboten ist ihm die Treue gegen die bestehende Obrigkeit und verboten ist ihm. unter allen Umständen verboten, die Revolution. Es soll jedoch hiemit nicht gesagt sein, daß dem Juden jede selbstständige und unabhängige politische Überzeugung, jedes Streben sür die ein: oder die andere Form der Staatsverfassung, je nachdem er sie für die bessere oder beste hält, untersagt sei; aber dieses Streben darf nur streng gesetzliche Mittel anwendcn; sobald es revolutionär würde, wäre eS dem Judeuthnm zuwiderlaulend. Wir werden das Gesagte im Lause dieser Arbeit noch näher begründen. ES ist bekannt, daß seit dem Regierungsantritte des jetzigen Königs von Preußen eine Systemänderung in der Handhabung des Regiments sowohl in Preußen wie in vielen andern Ändern eingetreten ist. Während vorher in Preußen ein Scheinconstitutionalismus die Herrschaft der Absolutsten nur wenig verdeckte, ist seitdem ein kiberal-constitutionelles Ministerium vom Könige berufen worden, in Folge dessen sich im ganzen Lande eine freisinnige Stimmung kundgibt. König Wilhelm ist jedoch nicht gewillt, die Praerogative seiner Krone vollständig auszugeben und seinerseits ein Scheinmonarch zn werden; es sind gewisse Punkte, an denen er mit Energie festhält, und zu diesen gehört das Königthum „von Gottes Gnaden.* Es handelt sich nämlich darum, von welchem Gesichtspunkte ans das Wesen des KönigthumS betrachtet werden soll. Stammt die Macht des Königunmittelbar von Gott, ist eS Gott, der den König zum Herrscher eingesetzt und ihn mit der Mrchtfülke bekleidet hat, so habe, sagt man, kein Mensch das Recht, diese Macht zu beschränken, zu nehmen oder zn übertragen. Ist aber der Ursprung des Königthums der, daß da- Volk seinem Monarchen die Macht übertragen hat, so stammt diese Macht vom Volke und dieses sei der höchste Souverän, welcher jene Macht zn beschranken, znrückzunehmen oder zu übertragen berechtigt sei. — .Bei der jüngst erfolgten Krönung des Königs zu Königsberg hat derselbe wiederholt das Königthnm von Gottes Gnaden mit Nachdruck betont, was ihm von der liberalen Presse vielfach verübelt ward. Man hat nun diese Vorstellung als jüdischen Ursprungs bezeichnet, und das thut Herrn vr. PH., der natürlich bei der heutigen Zeitsirömung recht sehr liberal ist, wehe; er protestier dagegen im Namen des Judenthums; das mosaische Gesetz sei der monarchischen Staatsversassung nicht allzusehr geneigt gewesen; aus Gegensatz (!) zu Aegypten habe Moses (!) eine republikanische Verfassung eingesetzt ik) und habe die Monarchie nur als eine Eventualität, welche die Israeliten nach dem Beispiele der umwohnenden Volker annehmen konnten, zugegeben; Samuel habe die Institution des Königs als solche mißbilligt; nur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.