Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 51 (18.12.1861)
- Date
- 1861-12-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Auf welche Art er zür Ausführung! solcher LieöeSlhat gelangt, kümmert ihn weniger, aber darf die Religion der-Liebe es gut heißen,, wenn man um zum Ziele Zu gelangen, dem kindlichen Gemüthe den bittersten Haß gegen Eltern, Geschwister und Verwandte einflößt und den Geist des Opfers so lange überreizt und überspannt, - bis Wahnsinn sich dessen ben bemächtigt? Wir haben das leider erfahren bei der Geschichte mit der Blüth'schen Familie, und auch die jetzige hätte denselben Ausgang gehabt,-wenn nicht die Justiz alle mögliche Mittel angewandt hqtte, km die frommen Herrn und Dämchen zu entlarven. Auch bei dem gegenwärtigen Prozesse handelt es sich um ein minderjähriges jüdisches Mädchen, Sara Mayer, welches, da seine Eltern m unglücklichen Verhältnissen lebten,' aus Mitleid von den jüdischen Eheleuten Estener zu Clamons sgroßgezogen wurde und das . man nach dem Tode dieser Leute der rechtmäßigen Gewalt des Vaters, der sein Kind zmückv erlangte, Jahre lang entzog, uni es zum christ-! lichen Glauben heranzubilden.' Schon unter den Äugender Pflegeeltern versuchte eine Freundin der Dame Estener, Mad: Collat, die mit ihrem . Gemahl ost ins HauS derselben kam, dem kaum 12jährigeu Kinde christliche Gebete beizubringen und es anzuweisen, jedem katholischen Priester, dem es begegne, fußfällig um die Gnade der Taufe zu bitten. Als aber nach dem Tode der Pflegeeltern der Vater sein Kind zu sich nehmen wollte, das inzwischen der Familie Collat anvertraut wcir, da war es verschwunden; man hatte nämlich das Gemüth des Mädchens, das au und für sich schon sehr reizbarer Natur zu sein scheint, durch die widrigsten Vorstellungen mit dem größte» Hasse gegen Eltern, Verwandte und Glaubensgenossen erfüllt,' so daß eS sich zu Allem bereitwillig fand, um'nur nicht zu seinem Vater zurüäkehren zu müssen. Der Vater suchte, bot Alles aus, um die Spuren des verlornen Kindes zu entdecken. Vergebene Whe! Man schickte es von Kloster zu Kloster,, verllüdsts es, ließ von den verschiedensten Orten, Um 'die Spur abznlenken, Briefe abgehen und erst nach dem das Justizministerium, an das sich endlich der 2aUr Mayer Sinnewiel direct wandte, die Sache in die Hände nahm und keine Mittel scheute, um dieselbe cm'S Licht zu bringen, da fand sich plötzlich das Mädchen wieder, dem man 6 Jahre vergebens nachgespürt hatte und das volle L Jahre der ehrwürklgeHetr RatiSbonne irr seinem Kloster (Masorr äs 3ioa) eisgesperrt hielt. - Herr Ratiäbonne behauptet zwar, « habe Nicht gewußt, daß daS Mädchen von den Eltmbr zurückoerlangt würde, sondern habe im Gegentheil brieflich und mündlich erfahren, daß daS Kind von seinen Eltern verlassen worden sei, schickte es aber dessen ungeachtet wegL als die Geschichte mit der Familie Vluth verhandelt und der Priester MaLrt beruriheilt wurde. Warum wohl, wenn Herr Mtisbonne sich so unschuldig fühlte? Doch hören'wir, was' Herr RatiSbonne zu seiner Verteidigung sagt? Pertheidkgung? o, daran denkt der Herr AbbSmcht. Äer Herr AM versteht nur zu schimpfen. Nun gntk schimpfen Sie nur ruhig gegen Juden und Judenthum, werfen Sie um sich mit den gemeinsten Ausdrücken, das sind aus Ihrem Munde Ehrentitel für uns, aber merken Sie sich ein wenig, was JhnHr der Präsident des Gerichtshofes gerade nicht in dt« freundlichsten Ausbrücken mittheiüe. Die Haupkangeklagten H. und Fr. Collat und Mlle. Legay sind zwar von den Geschworenen für „nicht schuldig" erklärt worden, wurden aber von dem 'Gerichtshöfe zu den Kosten und 3000 FrcS. Entschädigung für die Familie verurteilt. — Frl. Mayer fühlt sich' ihrer Aussage nach jetzt glücklich in dem Kreise ihrer. Familie — Wir aber hoffen, daß dieser Prozeß dör letzte der Art sei und daß solche traurige Erfahrungen dazu beitragen werden, der jüdischen Wett W zeigen, daß vor solchen Vorfällen nur ein Mittel am sichersten bewährt: nämlich jüdische Er- Ziehung in HauS und Schule. - ' - " (Fortsetzung folgt.) '! Rußland.! Warschau, 26. Noo. Schon glaubte man ein Ende der Verhaftungen erreicht zu habe», als vorgestern NachiS wieder der Secretär deS jüdischen Gemeindebureaus, Herr Rothwand, und noch einige junge Leute jüdischen Glaubens verhaftet wurden. Herr Rothwand functionirt bereits seit einer Reihe von Jahren bei der hiesigen jüdischen Gemeinde und ist ein allgemein beliebter und geachteter Mann. Schon vor einigen Wochen war bei! ihm eine Haussuchung, die aber kein Resultat ' brachte. (Rat. Z.) U