Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1861)
- Date
- 1861-12-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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5en, welche, ohne ckwa irgendwie Neigung für das Kriegshandwerk zü haben, während ihrer NegierungSz?it alle Aufmerksamkeit dem Militärwesen zuwandten und mit besonderer Sorgfalt und Vorliebe für die kleinsten 'Bedürfnisse und Einrichtungen der Armee sorgten; deren höchste Fpeude und größter Stolz es war, wenn die Pickelhauben blitzten und wenn nur die große Parade recht glänzend aussiel. So gibt eS! 10 Kreisen desselben, in Leri eigenen Gemeinde sW M! 560 schöne Predigten und Nedenj gehalten, aber noch immer keine Schule gestiftet zu haben — daS ist! in unfern Augen eine beklagenswcrlhe Berirrrrngk— Darum möge nach erfolgtem Wechsel des Vorstandes derselbe diese wichtigste aller Angelegenheiten j selbst in die Hand nehmen; gerndach sind wir überzeugt, wird Herr Adler dann die seinige dazu bieten. in unfern Tagen Rabbiner , und Seelsorger, von denen mqn sagen muß, daß all ihr Streben, „aüihr Sehnen, all ihr Deuten" nur darauf gerichtet ist, brillante Cotteshauser, und in diesen einen brillanten Gottesdienst herzustellen. —Aber so wenig jene Für-z sten durch das kindische Soldatenspiel das wahre Glück ihrer Völker gegründet haben, ebenso wenig sorgen solche Nabbinen. durch das armselige Synagogenspiezl für die wirkliche Wohlfahrt ihrer Gemeinden. Es ist dies ja eine oft gesagte Wahrheit; aber man kann sie den Gemeinden nicht eindringlich genug vorstellen, und immer und immer muß sie wiederholt werden, so lange noch ein Rabbiner da ist, welcher dagegen sündigt. Ein Rabbiner, der, wie der nnsnge, aufrichtig für das Veste seiner Gemeinde bedacht ist, der kann nichts Nothwendigeres und Sicheres thun, als eine Schule gründen. In unfern Tagen zumal., wo eines religiösen Rabbiners rechtschaffenster Wille durch die Ungunst der Zeit paralisirt wird; — in unseren Tagen, wo in religiösen Dingen sich Jeder ein Gelehrter dünkt, und sein eigener Pabst ist; wo jeder Vanquier und jeder Schuster ein Unheil über Judcnthum und sein Gesetz sich anmaßt, weil er diese und jene Zeitschrift einmal gelesen, die er für das unfehlbare Orakel eines unfehlbaren Priesters hielt; — in unfern Tagen ist es ncch immer das sicherste, ja vielleicht das einzige Mittel, durch die Kinder aus die Eltern zu wirken, und trotz der trostlosen Gegenwart die Zukunft zu retten. Und gerade hierin liegt ein Hauptfehler, den man unserm geehrten Herrn Nabbinen zur Last legen muß. Für unsere Jugend hat er nicht dasjenige gethan, was jeder andere Rabbiner orthodxer Richtung als höchste unabweisbare Pflicht gehalten hatte. Z:hn Jahre an einem Orte gewirkt zu haben, Land-3raböimr eines nicht unbedeutenden deutschen Staates zu sein, Oberschirlinspeltor aller Lehranstalten in i Aber freilich, der nerv ns re rum! Erst unlängst ist von Privaten der Versuch gemacht würden, eine Mädchenschule zu gründen, die ein dringendes Bedürsniß unseres Ortes ist, und der Plan scheiterte, an der Unzulänglichkeit der Mittet, da das mäßige Schulgeld sämmtlicher schulpflichtigen Mädchen zur Hälfte nicht aus reicht, nur die Kosten einer Schule zn decken. Wie sollte das er st bei einer Knabenschule ermöglicht werdr», bei welcher größere Ansprüche zu befriedigen sind, und die vielleicht einen doppelten Kostenaufwand erforderlich macht? Aber vertrauensvoll appelttre ich an den hochherzigen Sinn nreiner Glaubensgenossen. Wohl weiß rch, welche schwere Lasten aus unserer Gemeinde ruhen; aber es gibt Tausende von Gemeinden, bei welchen daß Derhaltniß sich noch ungünstiger herausstellt, und die gleichwohl für die gute Sache ein Opfer zn bringen bereit sind. Die Kasseler Gemeinde zählt Gott Lob noch wohlhabende Familien genug, um ein derartiges Unternehmen;r: Stande zu bringen. Der Sinn dazu würde nicht s.hlen, wenn Belehrung und Änregung von gehöriger Stelle nicht fehlen. — Schön ist es, wer wollte es leugnen? — einem entdeckten Talente unsere Unterstützung zuzuwenden, und zu dem irdischen Glück einer Familie beigetragen zu haben. Aber so dringend nothwendig sind die Anstrengungen dafür nicht, selbst auf die Gefahr hin, daß ein anderer würdiger Beruf weniger öffentliche Bewunderung und Anerkennung einbrächke! — Groß ist auch der Gedanke — und wer wollte cs leugnen? — ein Asyl für verwaiste Kinder herzurichten, würdig dessen, der ihn ausführte, würdig dessen, der den ersten Impuls dazu gegeben zn haben, sich rühmen dürste: Unter jüdischen Gemeinden jedoch haben die Waisen noch nie gedarbtj und selbst ihre Erziehung war immer ihren Verhältnissen entsprechend. Aber in Kassel müssen sogar die Kinder unserer Reichen geistig darben, trotz (Hierbei eine Beilage.)