Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1861)
- Date
- 1861-11-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2446984-2447031--01043-2456266- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
SSO MstüttrationSperkodej zu welcher wir füglich gleich übergehen können und von da werter. Glücklicherweise lebte noch immer jener „kühne* Freigeist, jener Vater des Sendschreibens und seiner Phraseologie. Dav. Fricdiänder Me noch lange-wir finden ihn unmittelbar nach der Restauration mit demMä-, cm der Destruktion, Israel Iacobsohnj einenPrivat- Lempel in Berlin gründen/ und dieser war nun wieder ein Musterbilds aller späteren, ähnlichen Exemplars i Da gerade seit dieser Zeit die Lüge immer mehr um sich griff/ sdaß jüdischer, öffentlicher Cultus und jüdische Religion kongruent seien, daß der Jude Nichts weiter zu thun habe, als sich periodenwcise in der Synagoge zu „erbauen,* eine Maxime, welche auf den Inhalt und das Wesen des Religionsgebäudes, daher auch des NeligionsbucheS vom größten Einflüsse war, so muffen wir uns noch einen Augenblick hier i aushalten. Dieser Privattempel kümmerte, sich blutwenig um religiöse Erhebung; erster und letzter Zweck war demselben eben nur Beförderung des Lstheti-j scheu Sinnes; von Christen verfaßte und von Christen gesungene Choralgrsänge sollten jüdischen Empfindungen einen Ausdruck geben. Es muß unS nuri die Frage gestattet sein, wie sich solche „Kleinigkeiten" zu der unbändigen Freisinmgkeit des Sendschreibens verhlaten. Wir wissen darauf eine Antwort: Die Ziele sind ganz dieselben, nur hatte sich die Zeit geändert, die Consequenzen der Voltaire'schen Anschauung hatten sich furchtbar gerächt und überlebt, Deismus im wässerigen Style galt nicht mehr für Bilj düng, also warum denselben zur Schau tragen? Man machte es lieber anders; man hielt cä nicht der Mühe werth, von dem eigentlich ceremoniellen Judenthume zu reden, für jüdische Speisegesetze, jüdische Art der FcsiagSseier :c. einzustehen; rcducirte die ganze Religion aus wenige Andachtsminuten, und ließ sie in der Oeffentlichkeit des Cultus ganz ausgehen; was lm Grunde ganz dasselbe ist. — Hier nun haben wir den Schlüffe! zu allen derartigen Destruk- Li-msbeftrebungen der neuern Zeit, und man kann uns wohl füglich nicht mehr des Vorurteiles und des Fanatismus zeihen, wenn wir auf Grund dieser. Nachweisungen entschieden behaupten, daß alle NeligiMSanschauungen, welche den . Mittelpunkt der jüdischen Religion in den öffentlichen Cultus verlegen, und die Bedeutung der Privatreligiösität in öffentlichen.Vorträgen und eigenem Beispiele ganz außer Acht lassen, ganz auf dem Boden des Sendschreibens stehen, nur nicht dessen Aufrichtigkeit Heilen. So wie nun die Religion, so auch die Religionsbücher. Wie in den praktischen Ncligionsanschauuugen, so ist. es auch in den Neligiosbüchern Mode geworden, nur solche Dinge auszunehmen, welche allenfalls auch aus dem Stakdtpunkte des Sendschreibens ihre Stelle finden könnten; die Eigenschaften Gottes, welche zn den unschuldigsten und durchaus nicht genirenderj Dingen gehören, und die 13 Glaubensartikel Letztere nun sind allerdings Nicht kosmopolitischer Natur, es sind sogar 5 sehr „anstößigen" Charakters daher nämlich Nro. 6, 7, 8, S, 12, auch glauben sehr selten Rabbinen und Lehrer, die sich zum „Sendschreiben" bekennen, so ganz .treu und aufrichtig" an Nro. 6, 7, 8, 9, 12. Das genirt aber gar nicht. Propheten brauchen ja nur ganz im Allgemeinen enthusiastische Menschen, die im „Ganzen und Großen" die Wahrheit besitzen, Moses ein besonders begabter Enthusiast, die Thora kann ja die des Moses fein, zu deren „Anfertigung" er den „höhern Auftrag" (s. h. Berus) hatte; ebenso kann ja dieses Gesetz immer so bleiben, eine ehrwürdige Antiquität, die aber große Geister durchaus nicht zu geniren braucht. Und der Messias? Muß denn d:r persönlich sein, es kann ja überhaupt ein Mesfiasreich sein, und wenn man noch mehr Concessionen machen und gar hyperorthodox sein will; so kann es ja doch einfach ein „freiwillig von allen Völkern gewählter unparteiischer Schiedsrichter für internationale Verhältnisse" (Nabb. Or. S.Hirsch NeUgionSphilos. S. 883) sein. Nichts leichter als dieses. —.Etwas skrupulöser schon ist die Pflichtenlehre; doch auch darüber kann man sich leicht Hinweghelsen; man braucht sich ja nur allgemein auSzudrüäen: „Wir müssen Gott gehorchen." Punktum. Worin besteht aber der Gehorsam gegen Gott im Ei nze ln en? Ja das ist der casus eririeus. — Der Standpunkt des Sendschreibens, d. h. des consequenten modernen NeligionsbucheS (während allerdings auch manche ReligionsschreEer durch etwas „Klugheit" auch die Pflichtgetreuen durch einige Brocken zu ködern für angemessen halten), kann unmöglich die Pflicht kennen. Sind wir Alles durch uns, haben wir das Recht „behufs der Theilhastigkeit an dem froheren Genüsse des Lebens," zn machen, was wir (Hierbei eine Beilage.)