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Der Israelit · 1861-10-30 · Heft 44 (30.10.1861) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 44 (30.10.1861)
Date
1861-10-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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ö2S Wir erlauben uns, Ihnen, geehrter Herr Doktor,! hiervon Kenntniß zu geben, l ,! ' Berlin, den 13. September 1861.! ' .' Der Vorstand des WohlthätigkettS - Veförherungs-! Vereins Schocharei Hatow: j ' gez. vr. M. Bernhardt, gez. vr. H. Grünseld, Vorsitzender.! Schriftführer. Anden ' Predigtamts-Eandidaten Herrn Vr. Friedländer.! Wohlgeboren. Geehrter Herr! Sie, Herr Doktor, scheinen es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, die Kanzel zu selbstsüchtigen oderParteizweckenzu benutzen, wie das aus Ihrem am Versöhnungsfkste gehaltenen Vortrage mit Evidenz hervorgcht, da derselbe die Gemüther nicht gesühnt, sondern aufgeregt hat. Der Vorstand erkennt aber hierin eine Entweihung der Kanzel, und versagt Ihnen hiermit das fernere Betreten derselben, die zu Ihrer Ausbildung, nicht aber zu ihrer Entwürdigung Ihnen eingeraumt war. Berlin, den 18. September 1?61. Der Vorstand des Wohlthätigkeits-Beförderungs- Vereins Schocharei Hatow: gez. vr.M. Bernhardt, gcz.Vr.H. Grünfeld, Vorsitzender. Schriftführer. Eines großen Commentars bedürfen diese beiden Schriftstücke nicht; sie zeigen deutlich, von welchen Intentionen der Vorstand dieses Vereins getragen wird. Man ist cL wohl gewöhnt, daß ein resormsüchtiger Vorstand sich den Rabbiner unterznordnen sucht, ihn bevormunden will und ihn als gefügiges Werkzeug in seiner Hand betrachtet: aber ein Vorstand, der sich rühmt, das specielle Judenthum zu wahren, auch der verbietet seinen Predigern das Einmischen in CultuS- . Angelegenheiten! Schon dieser eine Zug wäre hinreichend um uns die Motive, die diesen so viel scheinenden und so viel versprechenden Verein ins Leben gerufen, als so kleinlich darznlegen, daß wir den- ') Nnmnl^'.z. Dkr rrsit Thtil des Briefes (van »die LetaueeNLrn Vorgänge" bis »untersagt Warden") ist dem Wortlaute nach dem Varizen gan) ztrich. selben nur achselzuckend anblicke» können. — Eitelkeit und Selbstliebe scheinen hier eine leider nurzn große Rolle gespielt zu. haben., Wehe dem, der diese Eitelkeit antastet, wehe dem, unzart das schöne Gewand ausdeckt und die Fehler und Mängel zu zeigen sich erkühnt, wehe dem, der kn scharf markirten Porten dem Volke hie Sünden > Md dem Hanse Jakob die Verbrechen Vorhalt. Aber drei Mal wehe dem, der es wagt, „über die religiöse Mündigkeit und Befähigung eines Vorstandsmitgliedes* ein Urtheil zü fallen und sich erkühnt, dem einen Borsteher die Zustimmung zum Vorbeten des Kol-Nidre „wegen mangelnder religiöser Qualifikation'* zn versagen, (Vgl. d. Brosch. S. 12.) Der solches thut, der wird beschimpft, es wird ihm Entwürdigung der Kanzel vorgeworsen und das Predigen wird ihm verboten. ' Der Verfasser der Broschüre glaubt, das Uebel dieses Vereins liege darin, daß man die Synagoge m den Vordergrund gestellt und die Wohlthätigkeits Tendenz zurückgedrängt habe: dies ist aber nicht.der Fall, dies ist erst das sekundäre Uebel oder die Folge des GrnndübelS. Das Grundübel aber in diesem Verein ist die Zusammensetzung des Vorstandes. Wenn erst die Vorsteher, die sich religiös nicht qnalisiciren zum Kol-Nidre Borbeten, aus dem Vorstands geschieden und an deren Stelle Leute getreten sein werden, die wahrhafte Juden sind, also Leute deren Leben nicht im Widerspruch mit der Wiedereinführung der Pijutimgebete steht, Leute die eine Reorganisation des Gottesdienstes ans voller Seele, aus reiner Liebe zu der Sache, nicht aus Eitelkeit, Herrschergelüste, eitler Opposition, anstreben: dann erst kann diesem Vereine geholfen werden. — . ' Nachbemerkung der Redaktion. Wir waren also wieder um eine traurige Erfahrung reicher: die echte, ernste jüdische Orthodoxie hat eS nicht verstanden, in Berlin festen Boden zu gewinnen, um darauf ihre Institutionen zu bauen. Erwägen wir ruhig die oben dargcstellten Verhältnisse. Unter der Form eines Wohlthätigkeitsvereins hat sich in Berlin eine Gesellschaft conftituirt, deren ausgesprochcm Tendenz es ist, den Gottesdienst in althergebrachter Weise zu erhalten. Mit der Gründung zugleich aber hat man dem Vereine den Todesstoß

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