Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1861)
- Date
- 1861-10-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Herrn Rabbiner geschmeichelt und ihn veranlaßt zu haben, sich'nmimehr auch wirklich „bekannt" zu machen. Nicht allein, daß uns derselbe mit einer von feinem „Verstände" zeugenden Zuschrift beehrt hat, wir begegnen seitdem seinen Einsendungen in verschiedenen Zeitschriften, die ein Interesse daran haben, uns verleumdet zu ichen. Diese Eilsendungen haben einen so liebenswürdigen Ebaracter, sind in ihren Verglei-' chen so zart und sinnig (Thiere, die sich nur in Morasten und Sümpfen wohl fühlen! und dgt. mehr), daß sie ganz dev Blätter würdig sind, denen sie einverleibt wurden. Aber, was ist's denn eigentlich, was Herrn Ben Israel so zärtlich gegen uns stimmt^ daß er seine über strömende Liebe in alle Welt hinausposaunt?. Er behauptet, unsere Mittheilung, er sei bekannt durch Einführung w., sei nicht der Wahrheit gemäß. O, über den bescheidenen Mann, der ein Befannlscin in so lielvrismürdiger Demiuh ablehnt, o, über uns, daß wir diesen ehrenden Ausdruck nicht vermieden haben! Freilich die weite Welt kennt Herrn B. I. nicht und wir vergaßen, daß Eoblcnz nicht zu entfernt von Mainz ist, und daß sein 'Ruf höchstens sieben Meilen weit gedrungen. Doch genug des Scherzes; Herr Ben Israel fühlt sich ernstlich dadurch beleidigt, daß wir gejagt haben, er habe anstatt des Schofar Musik eingeführt. Hätte nun Herr B. I. in würdiger Weise das ausgesprochen, wir hätten uns ernstlich damit g. freut, wir halten gesprochen: „sieh', es ist dock so schlimm nicht, wie das Gerücht es darstcllt;" aus der Schmähsucht des genannten Herrn und aus der Art und Weise seines Auftretens müssen wir jedoch leiser erkennen, daß die Fama ihm nicht so fturccht gethau hat, er ist noch schlimmer als sein Ruf. Durch die erwähnten Einsendungen aufmerksam gemacht, ließen wir uns eine von B. I. in die Welt gesetzte Broschüre kommen, auf welches gelehrte (!) Elaborat mir hier nicht näher eingehen wollen. Wir haben nur daraus ersehen, daß Herr Rabbiner (daß Gott erbarm'.) Ven Israel in Coblenz durch sein Aclcidigtscin über unsere beiläufige Mittheilung eine so cnsetzliche Unwissenheit bekundet, daß wir wirklich uns des innigen Mitleids nicht erwehren können, daß ihn ein ungünstiges Geschick nicht eher zu allem Anderen: als zum Rabbiner gemacht hat. DaS Vorwort zu diesem Schriftcheu beginnt gleich mit der Darlegung, daß her Verfasser sich mit der Schrift des Herrn Or. Geiger zu BreSkan „Roth- Wendigkeit und Maß einer Reform re." vollkommen einverstanden erklärt. „Vieles wird darin erörtert, sagt Herr Ben Israel, welches bereits seit Jahren in meiner Gemeinde eine glückliche Lösung gefunden hat, und es ist mir erfreulich, in diesem Schristchen Anschauungen zu begegnen, welche den von mir realisirten Umgestaltungen zu Grunde liegen und die auch ich nach reiflicher Erwägung als die für die Gegenwart allein zu berücksichtigenden erkannt habe :c." Nun sagt Herr Geiger in der angezogenen Schrift: „Offenbar würde eine ernste, würdige Musik da- Sckofar sehr gut ersetzen.* Gesetzt nun, um're Mittheilung beruhte auf )rrthuni (was aber, wie wir später Nachweisen werden, doch nicht so ganz der Fall ist) wo läge da „die niederträchtige Verläumdung," der Herr B. I. uns zu beschuldigen so gütig ist? Hort, hört, das ist die Conscgnenz der Reformer, sie erschrecken vor den eigenen Gespenstern! — Wir haben versprochen, die entsetzliche Unwissen heit des Herrn V. I., die er in feinem Auftreten gegen uns bekundet, nachzuweisen. Mau höre: Im Anfänge seiner inhaltsreichen Broschüre (sie enthält nichts als die Auszählungen der Reformen in der Synagoge in Coblenz und Abdrücke aus Nesormzeitschristen) stellt Herr B. I. den Grundsatz auf, der ihn zu Reformen berechtigen soll; er sagt: „Der jüdische öffentliche Gottesdienst ist aber in seiner gegenwärtigen Gestalt als Geöetcnltus nicht durch das geoffenbarte Wort Gottes sestgcstellt, sondern ein schon in seinen ersten kleinen Anfängen vonMenschen ungeordneter und von Menschen dis zu dieser uns überkommenen Form festgestellter". Herr B. I. unterscheidet also zwischen dem von Menschen Ungeordnetem und dem vom Worte Gottes Festgcstelltem; halten wir das mit der von ihm grundsätzlich ausgesprochenen Uebereiustimmung zwischen ihm und Geiger zusammen, so hält er nicht blos das für von Menschen angeordnet, was unsere Nabbinen v"r eingerichtet haben, sondern auch das, was sie aus dem Schristworte heransinterpretirt und was nicht deutlich in der Schrift zu. lesen