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Der Israelit · 1861-10-23 · Heft 43 (23.10.1861) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 43 (23.10.1861)
Date
1861-10-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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5i4 sandelt in ihm die Wiedererstehung der Orthodoxie, und je nach ihrem religiösen Standpunkt begrüßten oder befeindeten sie ihn; manche hingegen, die nicht gleich mit dem Gefühle obenauf sind, sondernj hinter die Coulisfen einen Blick wagen, erblickten in ihm. was in demselben zu erblicken war: Opposition mir der Opposition willen. '!? Man wird sich erinnern, daß wir hei dem Meserircn über die Einweihung des neuen Betlokals dieses Vereins i „Israelit" Nr. 36, Corresp. Berlin), uns wohl günstig über die wohlthätige Tendenz des 8^llocl>oro tol, auswrachen, zugleich aber rügend der Worte eines Vorstehers, gesprochen nach der Einweihung-) Rede, cuvährtteir. Ter Verein wurde in dünn Worten als richt „oppositionell" geschildert, er wolle nicht dem Rabbinat entgegentreten, sondern vielmehr d nnelben helfend zur Seite stehen. Das Mbbinat könne nur universell wirken, der Verein wolle aber das specielle Iudenlhum wahren, denn nicht ein Iota des Altherkömmlichen sei im Judenrlmiil zu streichen, daher sei ein solcher Verein, der Alles bis ins Einzelne wahre, eine Nothwendigkeit. lieber diese Redensarten sagten wir damals, daß sie sehr schön seien, daß sie aber unter den Umständen, unter welchen sic gesprochen wurden, füglich hätten wcgblciben können. Manchen, der in die hiesigen Verhältnisse nicht eingeweiht ist, mochte wohl unser Nrthcil befremdet haben; man hat gewiß erwartet, daß wir ob solcher Morte, in Berlin gesprochen, uns in Lobeserhebungen ergehen, daß wir in einen unendlichen Beifallssturm auSbrechen würden. Mau hat vielleicht erwartet, daß wir ausrnsen würden "278 8b 78^.2", daß die Orthodoxie nicht untergehe, daß sie sich am entscheidenden Wendepunkte kräftig ermanne, daß sie in der als nicht „orthodox" bekannten Stadt Berlin sich wieder ver» jungt erhebe, gleich dem Phönix aus seiner Asche. Wir aber triumphirten nicht, wir waren nicht entzückt über diese Erhebung, denn wir ließen uns nicht durch das schöne Gotteshaus, nicht durch die schönen auf geduldiges Papier niedergeschriebenen Vereins Statuten täuschen, wir blickten nicht auf die Schale, sondern suchten den Kern und fanden diesen — wurmstichig. Wir freuen unL jeder Erhebung der Orthodone, wir -begrüßen jedes frische Lebenszeichen derselben, wenn diele Erhebung, wenn dieses Leben getragen wird von dem ernsten, sittlichen Kern der Wahrheit, wenn der Beweggrund der Bewegung, wenn die Innerlichkeit der äußeren Erscheinung gleicht. 'Nicht immer ist das» Orthodoxie, was sich mit dem Nimbus derselben bekleidet, nicht immer das konservatives Iudenthum, dass diejenigen jüdischen Seiten aufgrerft, die im Vergleich zu den großen jüdischen Wahrheiten als kleine Erscheinen; diese kleinen Seiten haben dann erst im Iüdenthum ihre Giltigkeit und ihren Werth, wenn man den Werth und die Bedeutung der großen, wichtigen Lebensorgane desselben anerkennt und diese zu schützen und zu erhalten sucht: wenn das Herz verletzt ist, io nützt nichts der Heilversuch an der durchschnittenen Pulsader. — Diese Gedanken waren. eI aber, die uns bei dem Nicderschreiben jener tadelnden 'Worte über die Schlußrede deS Vorstehers leiteten. Wir glaubten damals nicht, daß wir sobald Gelegenheit haben würden, dieselben näher zu erklären, wir mußten die Erklärung derselben für die Nichteingeweihten der Geschichte anheimstellen: die Geschichte hat sie aber gegeben, jedoch schneller als wir erwarteten. Am verflossenen Versöhnungstage, als einer der Herren Prediger, Herr vr. Friedländer in seiner Rede manche der vielen Mangel, an denen der Verein leidet, rügte, als er hervorhob, daß die Statuten nicht so beachtet werden, wie sie beachtet werden sollten, daß man nämlich das Princip dieses Vereins, die Wohlthängkeit, nicht so streng befolge, wie es befolgt werden müsse: da gaben mitten in der Predigt einige der Herren Vorsteher, wahrscheinlich weil sie sich zn sehr getrosten suhlten, das Signal zn einem Tumulte, der wahrlich nicht der Würde des Ortes und deS Tages angemessen war. Dieses Factum hat die ebrani'iuo i>c-.-rin1alE0 Berlins um ein Großes bereichert. In Folge dieser skandalösen Austritte ist nun von eurem Anonymus eine Broschüre erschienen: „Beiträge zur Beleuchtung des Vereins hervorgerufen durch die Vorfälle in der Vereins-Synagoge am verflossenen Versöhnungstage." Eigentlich Neues enthält diese Broschüre nicht, aber sie hat das Verdienst, dasjenige einmal deutlich ausgesprochen zu haben, was Manche nur gedacht, und somit durch PloslegungdeS Ucdels den ersten Weg zur gründlichen Heilung, sollte eine solche Statt haben, angebahnt zu haben. '5- - - (Schluß folgt.)- -: '

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