Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1861)
- Date
- 1861-10-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Zeitungsnachrichten und Cs Deutschland. AuÄ dem Badischen, im October. Obgleich die dermalige Landesverfassung der meisten deutschen Staaten allen Staatsangehörigen, ohne Unterschied der Religion, Gleichheit der Rechte vor dem Gesetze gewahren, kommt doch noch immer der Fall vor. daß einzelne Beamte in öffentlichen Bekanntmachungen, welche Bürger israelitischer Religion betreffen, die Religionseigenschaft derselben besonders bezeichnen und Hervorbeben. So lasen wir unlängst ein amtliches Ausschreibe» , das folgendermaßen rubrizirt ist: „In Sachen mehrerer Gläubiger gegen den Handelsjude» B. V. von A. Forderung und Vorzugsrecht betreffend." -- Wenn wir auch zugeben, daß für den Jude» in der Erinnerung an seine Religionseigenschaft nichts Kränkendes enthalten sein kann, so ist doch nicht zu »erkennen, daß in einer so heroorhebenden Bezeichnung der Religion Ln Nechtsangelegenheiten und bei Gegenständen, bei denen eS auf das Bekenntniß gar nicht ankommt, eine auffallende, anstößige und daher verletzende Abweichung von dem liegt, was bei ähnliche» Bekanntmachungen, welche christliche Bürger betreffen, beobachtet wird. Weit auffallender noch lautet ein vor Kurzem veröffentlichtes Fahndungs-Ausschreiben, das, den christlichen Verbrecher näher bezeichnend, zur Erkennung des Damnificanden anführt: „Derselbe hirbe die Haltung eines Israeliten? Es wäre interessant zu erfahren , was der Herr Beamte, der die erwähnte FahNdMg ,auMndigte, unter der „Haltung eines JSraelitenf begreift und begreiflich machen will, und ob er wohl bei Ieinem Durchmärsche oder einer Parade badischer oder preußischer Truppen, unter denen auch viele unserer Glaubensgenossen zu dienen die Ehre haben, an der Haltung eines jeden einzelnen Soldaten die ReligionSkigenschaft desselben z«! beurtheilen im Stande wäre. Eine nähere Erklärung darüber wäre auch in wissenschaftlicher Beziehung von Interesse. Denn während der berühmte Laoäter in seinen „Phy- ' siognomischen Fragmenten" durch, eine Menge Beobachtungeu zu beweisen sucht, daß sich von den' äußern Gesichtszügen doS Menschen auf sein Innere-, auf das Geistige schließen laste; während Dr. Gall das menschliche Gehirn.;' die neuern Phrenologen, den menschlichen Schädel, zum Gegenstände ihrer Untersuchung machten und aus den eigenthümlichen Formen des Kopfes aus die eigenthümlichen Artungen der Seele der einzelnen Individuen schließen: würden wir jetzt von dem fraglichen Beamten die neue Kunst erfahren, auS der äußern Haltung emeSMenschen seine NeligionSeigenschast kennen zu lernen. — Wir erlauben uns, die Aufmerksamkeit der Leser dieses geschätzten Blatteaus diesen Mißstand mit der Bitte hinzulenken, vorkommenden Falles geeignete Schritte Zu thun, daß derartige, für eine große Zahl rechtlicher Bürger kränkende und verletzende Bezeichnungen in der Folge unterlassen bleiben nnd bemerken nur noch schließlich, daß dieselben im Großherzogthume Baden durch ausdrückliche Ministeriäl - Verfügung strengstens untersagt sind. .1 Aus dem Badischen, Ende September. Geehrter Herr Nedacteur! Durch Zufall kam mir dieser Tage die No. 34 der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" zu Gesicht, worin die Prioatmittheilung aus Baden enthalten ist, daß dort, gegen- : wärtig an der Gründung eines jüdischen Schul-! lehrer-SeminarS und an der Umgestaltung des isräel. Oberraths gearbeitet werde. WaS nun den ersten Punkt betrifft, so wurde derselbe bereits in No. 39u. 40 des „Israeliten^ ausführlich zur Keuntniß Ihrer Leser gebracht; aber auch bezüglich des zweiten Gegenstandes hat Sie Ihr Correspoudent aus dem Badischen nicht ohne ausführliche Mittheilung gelaffen, und ist die Ver-! offentlichung derselben , nur aus schonender Rücksicht gegen den Anstifter jener Umtriebe gegen.dm isr. Oberrath unterblieben, der zu ^jener Zeit tödtlich erkrankte. Obgleich nun diese Rücksicht, die wir auch dem Gegner niemals versagen, noch immer obwaltet, können wir doch einstweilen so viel veröffentlichen, daß eine ganz kleine, destruktive Partei mit dem „Entwürfe" eines Edicts zur Reorganisation der jüdischen Kirche und der Verhältnisse ihrer Bekenne