Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 39-40 (2.10.1861)
- Date
- 1861-10-02
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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486 hundert hatte Frankfurt höchst bedeutende Männer als Nabbinen besessen und jene dumpfe Judengasse in F., noch heute ein trauriges Denkmal G.L. uberstandenen Druckes, barg einen Schatz von Gelehrsamkeit, welcher der großen nichtjüdischen Mitwelt verborgen war. Im Jahre 5523, an einem Rüsttage des Sabbats, nahe dem Eingänge desselben, erblickte daselbst R. Mosche Soser das Licht der Welt. Es war so nahe zum Sabbat, daß in der GeburtSstunde mit dem Beginne des Abendgebetes gewartet werden mußte und unbewußt sprach die Hebamme die fast prophetischen Worte: Die Welt wartet aus den Knaben. l Mit drei Jahren bereits geistig und körperlich kräftig entwickelt, kam er in das Cheder, wo er bis zu fünf Jahren nebst den gewöhnlichen Elementargegenständen die fünf Bücher Moses sich vollständig aneignete "und hiebei! eine besondere Ferttgkeit in der Erlernung von mm entwickelte. Wie wenig aber der Unterricht im Cheder den bedeutenden Zähigkeiten des Kindes angemessen war, dessen mußte sein Vater, ein tüchtiger Talmudgelehrtcr, nur zu bald inne werden. Er nahm ihn daher aus dem Cheder, und lehrte ihn selbst einige Traktate des Talmud, die der fähige Knabe dann auch schnell genug aufs Genaueste erlernte. Durch eisernen Fleiß und regen Eifer wie durch sein großes Talent machte er riesenhafte Fortschritte im Tälmudstudium, so daß sein Vater, der doch um ihn und Zeuge seiner ungewöhnlich raschen Entwicklung und Befähigung war, nicht wenig davon überrascht und in Erstaunen gesetzt wurde. Beispielsweise war es ihm nach Beendigung des Traktates Bezah gelungen , die letzte Stelle dieses Talmud-Traktates mit dck Ansangsstelle desselben sehr geistreich zu verbinden, welche gelungene Combination er späterhin seiner Jeschibah zuPreßdurtz wiederholte und damit großen Beifall und reichliches Wohlgefallen einerntete. Sein Vater, der sein außergewöhnliches Talent verdientermaßen zu würdigen wußte, ließ sich es angelegen sein, daß er, erst 7 Jahre alt, LehufS seiner ferneren Ausbildung in die Jeschibah des weltberühmten Talmudiste» Räbbi.Nathan Adler, n'M mü.vr MM ausgenommen wmde, wo seinen ungewöhnlichen geistigen Anlagen entsprechender Spielramn zur Entwicklung geboten war, so daß er sehr bald die Aufmerksamkeit seines großes Lehrers ans sich zog, der für die h'erorragende Capacität, für die rasche Äuffassungskraft und Wiedergabe des Knabe« ein scharfes Auge! hatte und große Stücke auf ihn hielt.! .7 ..V Zum Beleg für das Ebenangeführte möge de« geehrten Leser folgende Thatsache dienen. : . Als der rühmlichst bekannte, in Ansehen und Gelehrsamkeit hochstehende pn nrnQ v'z pron 2vr -"rr nach Franksnrt kam, um dort über eines seiner Werke, bevor er selbes dem Drucke übergab, Nachstudien zu halten, ersuchte er seinen Collegen prrn, ihm einen seiner besten Schüler an die Hand zu geben, um über sein Werk mit ihm nochmals gründlich zu contraversiren. Letzterer willfahrte natürlich seinem Wunsche und sandte ihm zu diesem Zwecke den unansehnlichen achtjährige« Knaben Mosche Sofer. Ueberrascht und entrüstet über eine derartige Geringschätzung, sandte der große Schristgelehrte den Knaben mit einer ablehnende« Antwort zurück, wurde jedoch von seinem College« vertröstet, er möge es nur auf einen Versuch ankommen lassen. Und siehe da, welch ein ^erfreuliches Resultat hatte dieser Versuch für ihn, wie erstaunte er über die ungewöhnlich großen Kenntnisse deS kaum dem KindesaUer entwachsenen Talmudjüngers, welcher dkie gewagtesten Hypothesen äufstellte, die Ansichten des großen Gelehrten mit kaustischer Scharfe bekämpfte, oder oft mit Recht gänzlich verwarf, und die schwierigsten Talmudstellen mit überzeugender Kraft und aufs Ueberraschendsts zu lösen verstand. Der Umgang mit dem ebengenannten gekehrte« Verfasser ließ auch, daun den vortheilhaktesten Eindruck auf den Knaben zurück, in Folge dessen er das überaus schwierige, spezielle Fach rrrun .-wMs, obwohl schon früher gut darin bewandert, sich vollständig aneignete, und die umfassendsten Kenntnisse darin erlangte. — . - . , (Fortsetzung fotzt.) . . .-ij r- 7 -l.'r 7. i?/? r >. -I --