Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1861)
- Date
- 1861-09-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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stände ausgegarigen, und mit Unrecht hat man Herrn Stein als den alleiniger» Störenfried verschrieen, „das Odium auf ihn allein gewälzt, ihn hingestellt als dis Ursache der Spaltung." Wahr ist es, man gab Herrn Stein keine Gelegenheit, sich zu vertheidigen,! „das ihm angethane schwere Unrecht in seiner gan-! Zen wahren Gestalt zu zeigen." Ganz natürlich. Für seine Sünden brauchte der Vorstand einen Blitzableiter, und dazu war Herr Rabbiner Stein ihm eben bequem genug. Wer weiß auch, was Alles an den Tag gekommen wäre, wenn man Herrn Stein hätte sprechen lassen; sagt er doch selbst (S. 24) „die Macht der Verhältnisse gebieten einem Gemeindevorstand, die Gemeinde in officieller Unkunde über ihre Angelegenheiten zu lassen!! Jedes eintretende Mitglied werde auf ein streng zu bewahrendes AmtSgeheimniß verpflichtet, um das Bekanntwerden der Verhandlungen zu verhüten!" Wie glücklich sind dagegen die Mitglieder der Religionsgesellschaft, denen den Vorstand Rechenschaft über alle Nmtsverrichtungen geben muß, und wie Recht hatten diese Männer, als sie sich dem Drucke dieses ^Vorstandes durch die Trennung entzogen. Das hätte auch Herr Stein thun müssen, wenn er einen eben so festen Charakter hatte, wie er einen guten hat. Herrn Stein fehlte die Selbstständigkeit, darum „sagte er in schwachen Stunden nach, was er von klugen Leuten sich vörsagcn hörte," stellte sich unter Vormundschaft, ließ sich, wie wir es in seinen Bekenntnissen lesen, von seinen Freunden lenken, sie dictirten ihm den Stoff zu seiner bekannten Predigt bei der Synagogenweihe. — Aber auch sonst läßt sich Herrn Stein's Amtswirksamkeit nicht rein Und frei sprechen. Vieles Unrecht, daS in Frankfurt geschehen ist, ist durch ihn geschehen, gleichviel, ob im Austrage seiner Behörde oder freiwillig aus ihm selbst. Er war es, der ein neues Gebetbuch verfaßt und alle Neuerungen in der Synagoge ausgeführt; und als der Vorstand beschloß, vom Druck eines hebräischen Gebetbuches vorläufig zu abstrahiren, (S. 46) remonstrirte er kräftig dagegen Dieser Kampf dauerte vom 6. Juni bis zum I. Oktober (S. 47), wo man ihm endlich nach gab. Ein ehrenhafter Mann, hat er sich gleichwohl als Werkzeug gehalten, berufen die heiligen, ewigen Formen der erhabensten göttlichsten Seislesblüthen umzugestalten, in neue, verbesserte zu verwandeln, und hat sich selbst eine Machtvollkommenheit beigekegt, die mit der Bescheidenheit eines Mischen Priesters eben nicht in Einklang zu bringen ist. Derselbe Dämon, welcher ihn ankieb, bet i seinem Amtsantritt in der Synagoge aus de« Platz! des (damals noch lebenden) greisen Rabbknen sich zu stellen; welcher ihm hieß, die alten Gebete zu zerstückeln, neue zu fabriziren, die Orgel in-Gotteshaus zu bringen und andere Reformen einznrichten; welcher ihn mit unwiderstehlicher Gewalt drängte, unsere feste altehrwürdige Synagoge freventlich niederznreißen, um ein, nach seiner Meinung, für die Reformen passendes und durch seinen Glanz ein größeres Publikum anziehendes Prachtgebäude aufrichten zu lassen: derselbe Dämon reizte ihn auch, unbeschnittenr Kinder als Juden einzufegnen, und so de« großen geistigen Bau zu unterwühle», für den er auS Holz und Stein sein Haus gezimmert! Vergebens ist die Reue für die vollbrachte That; zu spät die nun hingeworfene Versicherung, daß die Rabbinen keine Geistlichkeit bilden (S. 4), daß ei» Priester- und Laienthum unter uns verhütet werden müsse; — Hier strafen die Thaten die Worte Lügen. Aber leichtsinnige Thaten und Worte räche« sich selbst. Führen sie auch nicht immer ei» solches Ende herbei, wie in Frankfurt a. M., so liegt dar theils in den Verhältnissen der Gemeinde, theiks in den Persönlichkeiten. Denn nicht jeder Reformer besitzt soviel Ehrgefühl, wie Herr Stein. Aber stets kommt, der Erfahrung gemäß, die Strafe, wen» auch langsam, doch sicher nach. Noch werde» viele solcher Erfahrungen nöthrg sein, bis die Gemeinden und die Religionsverbefferer zu dieser Erkenntmß kommen werden. Hat diese Ucberzeugung aber erst einmal Raum gewonnen, dann wird das wahre Judenthum seine herrlichsten Triumphe erleben, feine Wahrheiten werden starke Wurzeln treiben, und Früchte bringen seinen Treuen; ne werden über alle Theile der Judenheit verbreitet werden, und in geistiger Frische in ihr fortleLen — ewig — unvergänglich! — Preuße». Königsberg, 22. August. Ueber das Paßwesen mit polnisch-russischen Juden in Preußen