Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1861)
- Date
- 1861-08-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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vor den Häusern in voller, rastloser Arbeit, die fast immer dieselbe bleibt. Es liegen hier aufgethürmt ganze Haufen alten Trödels, zerrissene abgetragene Kleider, Flicken und Lappen von jeder Art und Größe,—sie werden durchgewühlt und sortirt, — die Frauen und Tochter sind berühmt durch ihr kunstreiches Sticken, Flicken, Stopfen, mit welcher Arbeit sie vom frühen Morgen bis zum späten Abend beschäftigt sind; ein fast widerlicher Anblick, diese braungelben Gesichter aus starrem, «irren Haare hervorlugend, schmutzige, verkommene Gestalten in schmutzige, zerrissene Lumpen gehüllt, kaum zu unterscheiden von dem Plunder, den sie vor und neben sich aufgehäust haben. Das ist aber nur in der Fiumara, wie die unterste Gaffe heißt, in dem Azzimello und den andern Winkelgaffen so. Glücklicher, wenn man eS so nennen darf, sind die Juden, welche den öderen Theil des Ghetto bewohnen, namentlich die Bia Rua. Diese Straße ist" nicht so unfreundlich, wie die übrigen, und trifft man da ziemlich gute Wohnhäuser an; hier findet man auch alle mögliche, selbst kostbare Waare; eS ist das Viertel der Reichen, doch drängt eS diese, das Ghetto zu verlassen, um das Erworbene in Ruhe zu genießen; sie ziehen meistens nach Toskana. In! diesen höher gelegenen Theil des Ghetto kommt man, wie wir bereits mittheilten, pon der Stadt her durch die Straßen Savelli. Unter den großartigen und erhabenen Denkmälern der ewigen Stadt sind wenige, welche ein größeres Interesse erregen, als her Triumphbogen des Titus aus dem Forum; seine Bedeutung wird uns am deutlichsten und ergreift den sinnigen Beschauer so ungemein, weil die Geschichte der Juden uyd ihrer Stadt Jerusalem etwas Vaterländisches ist Und das Gemüth vorzugsweise anspricht. / Man eilt vorbei an den Palästen/ wo hie Kunst thront, vorbei an den Ruinen der Vergangenheit, die aus den Gräbern menschlicher Größe stehen, vorbei an den Schlachtfeldern, auf denen ein Jahrhundert wahrender Kamps ausgekämpft wurde, auf denen da- Alterthum und das Mittelalter mit einander rangen und bleibt an diesem bedeutungsvollen Derckmale stehen. Aus dem FrieS dieses BogenS erblickt mim noch den Triumph-Opserzug, indem inan den heiligen Strom Jordan in der Gestalt eines alten Mannes auf einer Bahre einher trägt, und im Durchgangsbogen erkennt man die im SiegeSznge des Titus aufgesührten Tempelgeräthe von Jerusalem, den goldene» Tisch, de» siebenarmigen Leuchter, die Lade, in welcher das Gesetz verschlossen lag, und die Wernen Trompeten für das Jubeljahr.! DaS war ein Triumphzug, wie ihn Rom weder früher noch später sah. Es ist unmöglich, erzählt Flavins JosephuS, der jüdische Geschichtsschreiber, welcher den Zug mit ansah, die Mannigfaltigkeit dieses Schauspiels und die Pracht in jeder Hinsicht, sei es in Bezug auf die Kunst der Werke, oder auf Reichthum und Seltenheiten zn beschreiben. Alles, was je Menschen einzeln besaßen, und was nur selten und kostbar ist, schien am jenem Tage vereinigt, um die Größe des römische» Reiches zu zeige». Schmuck von Gold, Silber und Elfenbein sah man hier in allen Gestalten, nicht blos etwa als einzelne Prunkstücke des Festzuges, sondern wie in einem Strome daherstießend. Gewänder, theils mit dem feinsten Purpur getränkt, theils mit babylonischer Kunst aufs sorgfaltWe gestickt, schimmernde Edelsteine in goldene Kronen gefügt, oder in ander» Fassungen, wurden in solcher Anzahl vorbeigetragen, daß man es für Jrrthum anfah, solche Dinge noch für selten zn halten. Es folgten Götterbilder, a» Größe außerordentlich und an Kunst unnachahmlich — Alles aus den kostbarsten Stoffen. Auch Thiere verschiedener Art, und in den seltenste» eigenthüm« lichen Verzierungen wurden vorbeigeführt. Sämmtliche Träger dieser Kostbarkeiten erschiene» in purpurner und vergoldeter Kleidung. Besonders herrlich waren die Soldaten geschmückt, welche an der Ehre des Triumphes Theil nehmen durften. Selbst die Schaar der Gefangene» zog die Aufmerksamkeit auf sich. Ihre bunte Kleidung entzog de» Augen der Zuschauer den widerlichen Ausdruck dieser ausgemergelte» Ge» stallen. Das größte Erstaunen erregte» die prachtvollen Baldachine. Man mußte unwillkürlich für die Kräfte der Träger fürchten. Einige hatte» drei und vier Wölbungen über einander, und die Kunst der Ausführung war eben so erstaunlich, als angenehm. Viele waren noch mit goldgestickten Teppiche» Überhängen, a» allen funkelten kunstreiche Arbeite» aus Gold und Elfenbein. . /Fortsetzung fokgt.^