Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1861)
- Date
- 1861-08-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2446984-2447018--00862-2456072- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
412 «ummrtrum nichts weiter ist als eine großartige j Schimpferei und Schmähung, in dem sich Ausdrücke! wie „jesuitische Gegner," „Wie ist denn Religion - und Genreinheit identisch," „roh und niedrig" finden,! der soll sich über Schimpfen und Schmähen beklagen? Dies aber auch noch zugegeben, mag Herr W.! meinen, man dürfe Schimpfen mit Schimpfen beantwarten, so fragen wir, wo hat denn der „Israelit"! schon geschimpft und geschmäht? Es finden sich zu-! weilen wohl harte Ausdrücke in demselben, sind! diese aber nicht erst durch das niedrigste Schimpfen unserer Gegner erpreßt? Hat der „Israelit" sich! schon ein Mal unterstanden, hochgestellte Personen mit entehrenden und beschimpfenden Anekdötchen an-; zugreifen, wie die Iudenthumszeitung vor Kurzem in i den „Pariser Briefen" einen bedeutenden Mann! herabzuwürdigcn versuchte? womit antwortet die! Idthsztg. anders, als mit einem losen Witz? Es ist? unS noch ganz gut im Gedächtnis, daß Herr Philipp- , son, als die große Principienfrage der Bibelüder-! setzung das jüdische Deutschland bewegte, nur > Schmähungen zur Beantwortung hatte; eine Anek-; dote von „Nebb. Mathes," das witzig sein sollende ,Rebb. Chone" und die Karrikirnng einer halachischen Diskussion des Rabb. Ettkinger. Herr Philippson hakte kein ernstes Wort dafür, dazu mußten sich erst andere Leute finden.! Wer auch nur einen Jahrgang der Idthsztg. flüchtig dnrchgelesen, wird eingestehen müssen, daß dieses „allgemeine" Organ tüchtig zu schimpfen versieht. Es tbut uns leid, solches nochmals zu berühre», wir hätten lieber gesehen, wenn ei» derartiger Streit für immer wäre beseitigt gewesen: wenn aber eine solche Anschwärzung ohne alle Ursache plötzlich in der Idthsztg. wieder austaucht, so wäre Schweigen Sünde. Wirklich tief verletzend ist der zweite Pnnkt, ein Herr Wagener hätte nicht besser verleumden köninn. Also auch wir haben im Judenthume selbst unsere W.'s, die sich nicht scheuen cs frei herausAsagen, die Juden, die sich die „Orthodoxen" nennen, wollen leine Emancipation, ja sie wollen sogar „die? Juden in das alte feindliche Verhältnis zurückbringen!" Wissen Sie, Herr W., was eine Meßira ist? Wenn Sie es nicht wissen, so lesen sie Ihren Artikel in No. 31 der Zeitg. d. Jdth., und Sie haben e!üe Meßira, wie sie sich der erste Judenfeind nicht bester' zurechtschnitzen kan». Wo hat denn schon ein Mal der „Israelit* gegen die Emancipation gesprochen, etwa in dem Leitartikel „Emancipation" No. 1 d. I., wo mit Entschiedenheit der Meinung entgegengetreten wird, als wolle der orthodoxe Jude die Emancipation nicht? Wo mit Wärme darauf hkngewiesen wird, daß der Jude die Emancipation mit Freuden begrüßen müsse, und sie als gütiges Geschenk Gottes anzufehen habe? Aber Herr W. spricht davon, daß der »Israelit" „den Juden aus jeder Höflichkeit, die sie de» Christen bezeugen, ein Vergehen, aus jeder Annäherung ein religiöses Verbrechen mache." Bei der „Höflichkeit" hat Herr W. wahrscheinlich an eine Correspondenz aus Aschaffenburg gedacht (No. 24 d. I.), wo den Juden die allzugroße Humanität, oder vielmehr Schwäche, einer christlichen Procession Teppiche zu legen und Blumen zu streuen, als Tadel angerechnet wird. And bei der »Annäherung" hatte Herr W. vielleicht jenen Leitartikel „Susa und Pesch" (No. 5 d. I.) im Auge, in welchem eine Verbrüderung aus Kosten der jüdischen Religion getadelt wird! Ja freilich, wenn Sie, Herr W., derartigen Tadel mißbilligen, dann gehen unsere Meinungen weit auseinander; wenn Sie der Monstranz einen Teppich zu legen, nur als pure „Höflichkeit" betrachten, und Ihnen das Essen eines Schinken-Butterdrods weiter nichts als eine „Annäherung" ist, dann können wir Beide über diesen Punkt nicht rechte«, da unsere Meinungen hierin niemals Zusammentreffen werden. Unsere Begriffe über Humanität und Emancipation haben nicht diese Ausdehnung; wir wollen als Juden human fein, nicht aber als Nicht-Juden, wir wollen als Juden Cmancipation, nicht aber als Abtrünnige. Wir wollen dem Christen treuherzig die Bruderhand reichen, wollen gegen ihn wie es dem im Ebenbilds Gottes geschaffenen Menschen geziemt, handeln, wollen aber deshalb nicht unsere Religion in die christliche aufi gehen lassen. Machen wir nur nicht von unserer Bruderliebe und unserm Kosmopokittsmus f» viele Worte, handeln wir, Helsen wir, wo wir können.