Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1861)
- Date
- 1861-08-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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410 „Die Tumulte, deren Schauplatz in den letzten Tagen das ganze Judenviettel, die „Josephstadt" gewesen ist. scheinen ihr Ende erreicht zu haben, verdienen aber dessenungeachtet nicht, übersehen zu werden. An und für sich ist es schon ein genugsam böses Zeichen, wenn ein Nichts, ein abgeschmacktes, sofort widerlegtes Gerücht einen Theil der Bevölkerung zu Ereessen antreiben kann, wie die vom Prager Pöbel gegen die Juden verübten, eS zeigt wenigstens, wie viel Rohheit in den untern Klassen des dortigen Volkes vorhanden ist. Als vor einigen Monaten die bekannten Consticte zwischen zwei Mitgliedern des Landtages Aufläufe in Wien veranlagten, ist wohl manches Ungehörige vorgefalle«,?von Ausschreitungen dieser Art, ja nur von der Lust dazu war aber doch bei den unruhigen Elementen der um so viel größern Stadt kaum etwas wahrzunehmeu. Und warum haßt man in Prag die Juden so sehr? Man antwortet uns, weil sie sammtlich zur deutschen Pattei halten. DaS mag in; den iNugen kratie Böhmens! Der hohe Adel sucht dm nieder« Pöbel zu entschuldigen, — eS ist die alte Geschichte, die leider noch immer neu zu bleiben scheint, daß die heterogensten Elemente sich einige«, wenn die Juden leiden sollen! Doch ist G. s. D. „das Vaterland" vereinzelt geblieben, durch die gesammte Presse geht ein Schrei der Entrüstung. Möge« aber unsre Glaubensgenossen eine Lehre aus diese« Ereignisse« ziehen. Bekanntlich hüten sich die Juden Böhmens und namentlich Prags gar sehr, die Gefühle der Ezechen zu verletzen und suchen in jeder Weise die Sympathien derselben zu erlangen — es ist dies vollkommen zu billigen aber nicht in den Sympathien der Völker allein ist unsre Sicherheit begründet— diese sind; ein schwankendes Rohr§ das brichtz sobald sich Jemastv daraus stützen wist. Unser einzig sicherer Schutz ist der!, den uns rins^r Baker im Himmel gewährt. Die Verfolger in Prag machten keinen Unterschied zwischen den Inders die mit ihnen aus einer Schüssel essen und denen,! die das nicht thun. Wir erhalten über diesen Punkt «ine Inder Ezechen ein Verbrechen sein, aber hie Letzteren; schrist aus Tucap in Böhme». Unser Correspoadent Men doch wohl, sich die Fra^e vorzuMn, weshalb ' schreibt uns als«: „Nachdem dis römische Kriegsmacht denn in Ungarn umgekehrt diemeiste^ JudMj ja l den Tempel niedergebramch Jerusalem zerstört hatte, sogar in Galizien sehr viele sich den Nationalen anschließend Weshalb die deutschest selbst in Ungarn sehr große Hinneigung zu den Magyaren an den Tag legen, nie und nimmer eine solche Abneigung und schroffe Opposition, wie' die Deutschböhmen gegen ihre slawischen Landsleute? Man braucht solchen Erwägungen gegenüber nicht zu Eonjeckurcn zu greisen, wie einige hiesige Blätter, welche ziemlich unumwunden die Ezechen der Aufhetzerei beschuldigen. Solche Beschuldigungen sind denn freilich sehr leicht ausgesprochen, aber schwer zu beweisen und Israel zum zweite» Mal in die Gefangenschaft wandern «rußte Und viele Bedrückungen erfuhr, sah es ein, daß diese halten Schläge, Strafen Gottes - für seine Sünden feie». ' j Es ertrug nstn mit frommer Ergebenheit sein Schicksal, eS Nagte sich! selbst an, nicht aber die! Gottheit. Doch diese Glaubenstreue war dem Hadrian i ein Dorn im Auge, er ließ daher einen Befehl ers gehen: daß die Ausübung aller gottesdienstliche» i Handlungen, wodurch dir Israeliten von andern Völkern sich unterscheiden, bei schwerer Strafe untee- Andrerscils schlägt heute das den Ezechen befreun-! sagt seien. Das Studium des Gesetzes sollte sogar dete hiesige „Vaterland" in einer Prager Korrespondenz einen Ton an, welcher nicht minder große Bedenken erregen muß. Als Titel gibt es dem Briefe die Worte: „Die brutale That eines Juden,", und der Verfasser stellt alle «>n «1!ts, welche die Schuld der Vorgänge auf die Juden walzen kann, zusammen, während er die Exccffe der Menge, die entrüstet war über „die Rohheit des elenden Juden," so mild als möglich darstellt."— So also spricht das Organ der höchsten Aristomit dem Tode geahndet werden. Zn dieser Zeit lebte der bekannte große Lehrer Nabbi Akiba. Dieser trotzte der Gefahr, er beschäftigte sich fortwährend mit dem Gesetze, lehrte dasselbe, hielt Borträge vor ganzen Versammlungen. Als ihn einst Papus beim Gesetzesstusium traf, sprach er zu ihm: Attba, fürchtest Du denn nicht für Dein Leben? Lächelnd erwiderte R. Akiba, ich will dir eine Parabel erzählen. Einst ging ein Juchs an einem Teiche spazüren und iah, wie die armen Fische rastlos hin- und her-