Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1861)
- Date
- 1861-08-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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46S Sollten hinter dem Pööel sich nationale Agitatoren , Befinden, so Würde man rücksichtslos mit aller Strenge verfahren. Zerrta, 18. Juli. Der gestrige Tag mar für die hiesige Gemeinde ergreifend und bedeutungsvoll. DaS ergreifende Lebewohl unseres vielgeehrten Herrn Rabbiners M. L. Kutna, der nunmehr seinen Posten in M. Lheresiope! angetreten, verstärkte das so bittere Trennungsgefühl, mit dem wir uns nur so schwer vertraut machen konnten; — und ich kann es ohne Uebertreibung sagen, daß wir es Alle, Klein und Groß, tief und innig empfanden und lange, lange empfinden werden, daß die Gemeinde ihren treuen Hirten, der sie 10 Iahte lang zu ihrem Heile geleitet, der als wahrhaft frommer Jude, aller Verfolgung und Erniedrigung von Seiten einer verblendeten Partei, trotz aller ihm zu Gebote stehenden Zwangsmittel doch nur Duldung und höchstens ein schmerzliches Lächeln der Verachtung entgegensetzte, verloren habe. — Dem Gemsindewohl zu Liebe, blieb der Rabbiner so lange in unserer Mitte, wo er stets nur mit der linken Hand bauen konnte, während er die rechte zur Abwehr der Feinde gebrauchen mußte — dem Gemeindewohl zu Liebe ist er nun aus unserer Mitte geschieden, damit vielleicht hiedurch der langentbehrte Friede wieder erstehe —l? Der Rabbiner hat ein Opfer gebracht — die Gemeinde brachte aber wahrlich ein schwereres, das bewiese» die vielen heißen Thränen, die wahrend der ergreifenden, ermuthigenden und wahrhaft versöhnenden Abschiedsrede des Hrn. Nabb. stoffen — das bewiesen die zahlreichen, wirklich unverdienten Selbstbeschuldigungen so vieler wahrhaft ausdauernder Freunde. Angesichts des in dem Sohne tief gekränkten greisen Vaters p'xn prun TotiS und des ehrw. Bruders Lv-nsvn I-n Kaposvar, welcher letztere in einer von brüderlicher Theiknahme überstrSmende Rede sich öffentlich als den des gekrankten Bruders und noch mehr der nvrTp.i .nnvx, der hier eine große Schmach widerfahren, bekannte.— Nun r« VP2» O'pbrr»-Unser Herr Rabbiner hat einen schönen, seinen ungewöhnlichen Kräften entsprechenden Wirkungskreis gefunden, ln welchem er mit Jubel begrüßt wird. — Möge er dort finden, was er hier vergebens gesucht: Ruhe und schönen Erfolg seineschönen Mischen StreLenS (Berlage z« dtro. — wir aber wolle» an den Tag seiner Trennung lange denken und es uns einprägen, um welches theurr Gut unS Schweigen und Lauheit gebracht hat und um welche Guter sie uns noch bringe« werden, wenn wir nicht sprechen und handeln, wen« eS Zeit ist, zu sprechen und zu handeln. —g. - Amerika. Baltimore, 15. Juli. Zu meinem größte« Vergnügen habe ich aus Ihrem vielgeschätzten Blatte die Berufung des Herrn vr. Gugenheimer als Rabbiner nach meiner Vaterstadt Kollin vernommen. Herzlich gratulire ich sowohl der Gemeinde zu dieser überaus glücklichen. Requisition V'sr.i .11 '2 Hi. nru H r-Hmr L1P22 -rmp- -Hrn ivu als auch dem würdigen Rabbiner, der in Kolli«, wo noch Religion und Wissenschaft, Wohlstand und Gottesfurcht im harmonischen Einklang vereinigt anzutreffen sind, einen segensreichen Boden finden wird, wo noch viel Gutes geleistet werden, viel Schönes auskommen und gedeihen kann, und jedes sromme Unternehmen eine kräftige Unterstützung findet. In Kollin, wo das Cigarrenrauchen am Sabbat noch nicht zur Aufklärung gehört und'die Abschaffung des N22 noch nicht als Fortschritt betrachtet wird, wird Herr G. in seiner rechten Sphäre sich bewegen, und mag eS auch in K. wie in Stuhkweißenburg und in andern so ^zahlreichen Gemeinden einige eitle Thoren geben uv '2 die keinen bessern Beweis von ihrer hohen Geistesbildung geben können als den, daß sie das alte Judenthum verhöhnen und den Cerernonialgesetzen ihre Theilnahme entziehen, so kann man doch mit Gewißheit behaupten, daß selbst der Leichtsinnigste und der Unwissendste in dieser Gemeinde sich niemals so viel anmaßen wird, selbst CultuSgesetze entwerfen und vom Rabbiner Gutheißung derselben erzwingen zu wollen. Kollin ist noch eine alte sromme Gemeinde, die verlangt keinen Mann, der sich nur auf'S Einreißen versteht. Kollin verlangt nicht einen Mann, der mit der Wahrheit Wucher treibt, der das nur lehrt, was dem Leichtsinn gefällt und das Gewisse« deS lüsternen EünderS einschläsert; der seine Lehren und Grundsätze mit jeder neuen Mode ändert, und der wie ein treuloser Hirt nicht die Heerde weidet, ST deS Israelit).