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Der Israelit · 1861-08-14 · Heft 33 (14.8.1861) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 33 (14.8.1861)
Date
1861-08-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Stein und seine Genoffen es wollen, recht fleißig > den Gottesdienst und die Predigten besucht, aber wie Herr Stein sich ausdrückt, „das in voller, überwuchernder Blüthe stehende Ceremoniell" bei Seite schiebt, der kann ein rechtschaffener Mensch sein; er ist aber und bleibt ein schlechter Jude. Und Herr Stein glaube doch nur nicht — wovon er seitenvolle Versicherungen gibt — daß, wenn er der Jugend das Consekt eines Religionsunterrichtes reicht, die Männer noch Sättigung fühlen werden. Seine jetzige Gemeinde hat dieses Eonsect genoffen, wenn auch nicht durch ihn, so doch von Männern seiner Richtung. Und welche Früchte hat es getragen? Eine verödete Synagoge, und jährlich ca. 12 Consirmanden in der großen Frankfurter Gemeinde! — Und bei allen diesen Erfahrungen ist Hr. Stein noch so verblendet, allen Ernstes auszurufen: „Ihr Männer und Frauen in der Gemeinde! die Ihr als Knaben und Mädchen das Feuerwort im „Andachtssaale" in euch ausgenommen, glüht'4 nicht in Euch nach durch Euer ganzes Leben? und hat nicht tatsächlich der Andachtssaal in Euch den Funken des religiösen Lebens genährt und erhalten?" Ja wohl, jenes Feuerwort hat bei allen Hörern das Feuer des jüdischen Lebens so erfolgreich genährt, daß — — viele derselben uns noch dem Namen nach und andere gar nicht mehr dem Jndenthume angehören. — , Preußen. Berlin. Die Ncdaction des „Hamagid" veröffentlicht einen Aufruf au die isr. Bewohner Preußens, in welchem sie dieselben auffordert, zum Andenken an die wunderbare. Errettung des hochherzigen Königs Wilhelm in Baden Baden, ein Kanonenboot für die preußische Flotte erbauen zu lasten und zir diesem Zwecke Sammlungen zu veranstalten. Wir erkennen den Patriotismus und die Verehrung für den höchverchnen Köuiß von Preußen an, die diesen § Aufruf veranlaßt haben, halten cs auch für durchaus angemcfftn, daß die gesummten Juden. Preußens Ehre innige Hingebung! an ihren lheuren Monarchen bei dieser Gelegenheit zu erkennen geben d—doch scheint uns die Wahl des Gegenstandes eine unpassende. Die preußische Flotte zn vergrößern, das paßt wohl lür die Juden als Staatsbürger, und da sollen sie sich nicht sondern und als Inden hervortreten wollen, sondern mit den Mitbürgern Hand in Hand streben. Eine solche Stiftung würde der Ausdruck eines ParticularkSmuS fein , den wir vermeiden muffen. Der Einzelne mag die preußisch« Flottenangelegenhcit fördern, aber nicht die Juden in ihrer Gesammtheit. Diese werden ihren König bester durch eine speziell jüdische Stiftung ehren; di« seinen erlauchten Namen führt?, etwa ein Waisenhaus, ein Lehrerseminar, Stipendien für jüdische Studirende rc. Möge die vereheliche Nedaction des Hamagid ihren Plan derart andern, und wir sind überzeugt, daß die Betheiligung eine allgemeine sein wird. m. Oesterreichischer Kaiserstaat. BKien. Der „Aclionär" meldet and Mien: „Der Entwurf eines sehr freisinnigen Judengesetzes ist so eben fertig geworden." Prag, 1. August. Unsere Stadt war gestern Abend der Schauplatz eines Iudenkraw alls. Eine Prügelei im Ghetto, die in Folge der Verhöhnung eines Trödlers von Seiten eines Haus knechts entstand und bei welcher letzterer übel zuge . richtet wurde, bot die Veranlassung zu einem Auflaust gegen das Judenviertel. Mau hatte nämlich sofort baS Gerücht ausgesprengt, in dem Ghetto sei cur! Christ von einem Juden erschlagen worden, das U!blitzschnell mtt allen erdenklichen Vergrößerungen verbreitete.. Damit war das Signal zum Ausbruch der aus der Slrbeit heimkehrenden Proletarier na<! der Judenftadt gegeben.. Dichte Haufen strömte» nach z dem Judenviertel, durchzogen lärmend dir Straßen, wobei das neue schmutzige Volkslied „l'inlcel!iuiü" gesungen wurde, warfen die Scheiben ein und versuchter» Läden und Vorth ore zu zertrümmern, sodaß die Zugänge zu der Judenstadt durch die Poli- -izeiivachtmannschaft abgcsperrt werden mußten. Anil auf dem Altstädter Ringe hatten sich dichte Volks Massen angesammelt, und da bei cinb rechender Nach! idle Polizei nicht Herr der Situation werden könnt«, ffo sah man sich veranlaßt, Militär zu rcquiriren. Auf dem Altstädter Ringe wurden mehrere Compagivien Jager postirt und starke Patrouillen versuchte» die Räumung der Straßen, die jedoch erst gelang,

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