Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 30 (24.7.1861)
- Date
- 1861-07-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Kinde nach dem von Christen ausschließlich bewohnten Viertel über. Der Hauswirlh wollte sich der Fortnahme des Kindes widersetzen, gab jedoch sein Vorhaben auf, als ihm ein Polizeibeamter bemerklich machte, daß das Blut in Strömen fließen würde, falls er nicht nachgebe. Die Mutter wurde von dem Vorfälle benachrichtigt, eilte sogleich ihren Dienst hier aufgebend, nach Sluzews, forderte ihr Kind von der Amme zurück, wurde aber mit Schlägen aus dem Hause getrieben. Die Unglückliche begab sich nun nach der Kreisstadt Wloclawek und bat zuerst den dortigen Rabbiner, einen Preußen, um Unterstützung. Dieser zeigte den Vorfall nicht nur der Kreisbehörde an, sondern begab sich mit den Kaufleuten Marsop und Poninski zum dortigen Bischof, einem gcbornen Deutschen und toleranten und humanen Priester. Die drei nahmen sich der Sache ihrer Glaubeusgenosstn auf daS Wärmste an, allein der Bischof gab ihnen den Bescheid, daß es nicht in seiner Macht stände, daS Geschehene ungeschehen zu machen, und so ungesetzmäßig die Handlung sei, wäre sie doch als vollbrachte Thatsache unwiderrnsbar. Die unglückliche Mutter ging dann zum ersten Verwaltungsbeamten, de» Naczelnik, und Lat ihn fußfällig und unter Thränen, ihr das Kind Wiederzugeben, allein auch dieser zuckte mü den Achseln und machte der Beraubten nur schwache Hoffnung. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in besagter Stadt will die Sache bei den höchsten Behörden weiter verfolgen; mit welchem Erfolg wird die Zukunft lehren; hoffentlich mit günstigem, da Petersburg nicht Rom ist. (Grand. Wochhl.) OesterreichisDer KsLsrrstaat.! Wien, 15. Juli. Der vor einigen Tagen hier; verstorbene Banquier, Herr Abraham Kann, hat! namhafte Vermächtniffe, sowohl den hiesiges Armen, , wie auch denen seiner Vaterstadt Frankfurt hinterlaffen. Der Verstorbene gehörte zu jenen größt« j und intelligenten Speculanten, welche der Wiener Börse Ansehen verschafft hatten. Große Ausdauer und Kühnheit charakterisieren den Verstorbenen, und mit demselben Muthe, welcher seine Erfolge begründet hatte, bückte er gefaßt dem Tode ms Antlitz, welcher ihn unerwartet, im kräftigste« ManneSatter,! ereilte. Abraham Kann genoß eine seltene Popularität, und der Kreis der stm ihn Trauernden ist ei« sehr großer. (Pr.) Petzh. Ms neulich in Karlowitz das 56jährige VriesterjubiläuM des greife« serbische» Patriarchen Joseph v. Najacic (am 23. Juni d. I.) gefeiert wurde, schickte die israelitische Gemeinde zu Vukovar in Slavonien mittelst Telegraph ihre ergb. Gratulation. Cie lehnten dieselbe an die Worte des Propheten Maleachi Kap. 2. 5—7. B. — Es währte kaum vier Tage und der Vorstand daselbst erhielt folgendes Dankschreiben, welches ich Ihnen wörtlich mittheile: Liebe, theure Israeliten! Ich habe die mit dem Telegramm vom 23. d. mir zu meiner fünfzigjährigen Jubiläumsfeier dargebrachten herzlichen Wünsche der Kultusgemeinde, mit freudigem Herzen empfangen und gekesen. Der Ausdruck jener aufrichtigen Gefühle, welche die geehrte Kultusgemeinde, bei diesem Ankaffe an den Tag zu legen so gütig war, hat meine Freude gesteigert, und ich bin mit Trost erfüllt, daß auch die Herren Vukovarer Israeliten meinen Gratulanten sich angeschloffen haben. Indem ich für die dieSfallsige freundschaftliche Erinnerung der Kultusgemeinde verbindlichst danke, wünsche ich aüs der Fülle meines Herzens, der allmächtige Gott möge sämmtliche Mitglieder der theuren Vukovarer Kultusgemeinde mit seiner unaussprechlichen Liebe und Gnade umfassen, jedes ihrer gottgefälligen Unternehmungen mit erwünschtem Erfolg krönen, und allen LuSgesammt seinen alles vermögenden Schutz gegen alle denkbaren Drangsale angedrihen lasten. Uebrigens verharre ich, mit Liebe und Wohlwollen der Kultusgemeinde bestens gewogen, Karlowitz, am 27./l5. Juni 1861. Joseph m. x., serb. Patriarch. Dapa (Ungarn), 15 Juni. Der vergangene Samstag war für unsre Gemeinde ein Tag der Wonne und Freude. Herr A. Pf er Hofer, Oberrabbiner zn Fraukirchen, war zum Besuche seines Sohnes hier und hatte die Einladung des köbl. Vorstandes, am Sabbat eine Derascha zn halte», angenommen. Der ehrwürdige Redner verstand es, ergreifend «nd bekehrend zugleich zn spreche» und so brachte seine Rede eine großartige Wirkung her- (Hber-ei eine Beilage.)