Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 29 (17.7.1861)
- Date
- 1861-07-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2446984-2447013--00799-2456004- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
keit gebe«, oder von dem npVV p?'v bessere Noiiz nehmen. Simon Aschkknes, Talmud-Lehrer. Gotte,»dorf, im Wieselburger Comitate, im Juni. Möge folgendes, an und für sich so unbedeutende Ereigniß zeigen, was Unermüdlichkeit und Ausdauer vermögen, wenn Eifer und Liebe für die! fromme Sache ihre Grundlage sind.! Herr Jakob Pollak, ein Schüler der Prcßburger! M. Sopherschen und der Nicolsburger M. Bencdiktschen NabbinatLschule, der viele Jahre hindurch . als Vorsteher der hiesigen aus kaum 30 Familien! bestehenden Gemeinde, sich der Liebe und Hochachtung! unser Aller erfreute, ist schon seit 20 Jahren von dem frommen Streben erfüllt, unsere Synagoge, die finster und noch obendrein nur immer eine zeitweilige Pachtung war, in ein neues zeitgemäßes und der Gemeinde eigenthümlicheS Gotteshaus umzuwandeln. Dieses Streben des frommen Mannes wäre seiner Zeit auch nahezu verwirklicht worden, wenn das verhängnißvolle Jahr 48 nicht auch um die Entwickelung dieses Unternehmens wie um so manche staatliche Entwickelung die Hemmkette geschleudert hätte. Doch kann der wahre Gotteseifer wohl in seiner Thätigkeit unterbrochen, aber nie von seinem Streben völlig abgezogen werden. So fand auch der wackere Herr Pollak nach Verhallen der 48er Stürme neue Mittel zur Verwirklichung seines Herzenswunsches. Er wandte sich an Frau Elise Reichmann in Wien, die es übernahm für dieses heilige Werk eine Collecte zu veranstalten. Der Edelmuth dieser Frau und der Mildthätigkcitssinn unserer Glaubensdrüder brachten ein Kapital von nahe an 2500 fl. zusammen, das noch zur Stunde in der Wiener Sparkasse deponirt ist. Das war nun die Grundstütze, auf welche die Gemeinde bei ihrem Streben sich lehnen konnte, und als sie von Sr. k. k. Majestät die Erlaubniß erhielt, eigenen Grund und Boden ankaufen zu dürfen, so schaarte das kleine Häufchen opferfreudig sich zusammen und kaufte aus eigenen Mitteln einen Bauplatz um 1200 fl. Endlich sollten die Frommen den Lohn für ihre Mühe finden und an ihm ihren Muth stärken zu fernerer Ausdauer in heiligen Dinge«. Der 25. v. MS. als Tag der Grundsteinlegung war ein freudenvoller Tag allen Jenen, die an diesem GoLteswerke Antheil nahmen. Um 4 Uhr Nachmittags versammelten wir uns im Gemeindehause; hier hielt der Herr Stuhlrichter eine Ansprache, die in gehaltvollen und rührenden Ausdrucken die Strebsamkeit der Gemeinde lobend anerkannte, uns zu fernerer Einigkeit aufforderte und des Schutzes und der Stütze des löblichen Comitats für jede Zeit versicherte. Von hier begab sich die Versammlung, Herrn Rabbiner Maier Abel es aus Kittsee und den Herrn Stuhlrichter an der Spitze, zum Bauplatze, woselbst der katholische Pfarrer, ein Geistlicher im würdigsten Sinne de- Wortes, der Vorstand und die Notabekn des Orte-, sowie mehrere hundert christl. Einwohner, uns erwarteten. Der ehrwürdige Herr Rabbiner hielt eine Rede in welcher er Frau Elise Reichman als wirklicher Gründerin dieses Heikigthums, unfern öffentlichen Dank aussprach; ferner setzte er in feierlicher Sprache sinnreich auseinander, wie die Welt ein Bau im Großen sei; ko wie hier der Kitt das Stcingesüge, Sturm und Wetter trotzend, zusammenhält, so sei in jedem Staate, jedem Lande, jedem Orte dainnige Zusammenleben ohne Unterschied der Religion und Nationalität, die festeste Schutzmauer und Abwehr gegen jeglichen Sturm und Unglücksfall von Außen. Hierauf wurde vom Baumeister Hrn. Kestler aus Kittsee eine Flasche mit einer Denkrolle in die Höhlung des Grundsteines gelegt, und als vom Hrn. Stuhlrichter der Deckel aufgelegt, und vom Hrn. Rabbiner mit drei Hammerfchkägen befestiget wurde, da schwollen unsere Herzen vor Freude und unser Aller Augen füllten Thränen des Entzückens ob des glücklich mit Gott begonnenen Werke-, zu dessen glücklicher Vollendung uns der Allmächtige seinen Beistand und Segen gewähren möge. Nachdem auch üblicher Weise vom Hrn. Pfarrer so wie vom Vorstände und den Notabeln je 3 Hammerschlage geführt waren, sprach der Herr Rabbiner in feierlicher Weise LM '.in mit einer gediegenen Erläuterung, worauf die Versammlung auseinander ging und die Gemeinde sich zum Minchagebet begab und mit diesem religiösen Akte diesen für uns unvergeßlichen Tag beendigte. Das Lomitä für den Synagogen- und Schslhjwsbrm. (Hierbei eine Beilage.)