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Der Israelit · 1861-06-26 · Heft 26 (26.6.1861) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 26 (26.6.1861)
Date
1861-06-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Lehrer gehört, dieser weiß den scheinbaren Wider- - spruch zwischen zwei Mischnahs zu losen und der dritte weiß noch mehr. Da öffnen sich dann die weiten Taschen des Greises, ganze Haufen köstlichen Backwerks wandern in die sich ausstreckenden Hände der Kleinen und mit dem letzten Stückchen ist auch die Kinderschaar verschwunden. Mit einem wehmütigen Lächeln scharrt der Greis den Dahineilenden nach , und eine Thräne zerdrückt er im Auge. „Glücklich, ihr lieben Kinder, spricht er leise für sich, glücklicher noch eure EÜern, daß es ihnen vergönnt, ist, den Göttesgeist der heiligen Thora auf ein heranwachsendes Geschlecht zu verpflanzen! Wehe, mir, daß mir die Freude versagt ist, ein Kind züri Thora zu erziehen, wehe mir, daß mein großes Vermögen nur dazst dienen soll. Fremde zu bereichern,; die dessen nicht werth sind!"!? So sich betrübend mit vergeblichem, unstillbarem i Sehnen hat er den Leimweg angetreten — vergeblich , denn NaphtaÜ W siedenzig Jahr alt, und das^ gewöhnliche Maaß des Menschenlebens hat er schon - durchmeffen. Täglich säst wandert er in den Hvf der Ächule , liebW und beschenkt die Kleinen «ndi! läßt sich von Hnen ihre Fortschritte verkünden. Täg-!^ lich vermißt er schmerzlicher den eignen Sohn, den'- er so gern Mi Thors und Mizwoth erzogen hättet „Wohlan/ spricht ep eines Tages zu seinem Weibe, „von einer Sorge will ich mich befreien, von der, was dereinst ans meinem Vermögen werden soll/! Spricht- und verkheM den größten Theil desselben^ an arÄTalmide Chachamim*) und glaubt nunmehr! einigen Gcsatz gesunden zu haben dafür, daß er den eignen! Sohn entbehren umsi; dient doch sein Ver»! mögen jetzt d«y» , MS der Gotteslehre zu befördern,? und nicht, dersnsi unwürdige Verwandte zu bereichern. ' - Da erkannt sich der MgSlige seiner, das kaum mehr möglich geschienene trifft ein — nach Jahresfrist umarmt der SiebenzigjLhrige einen Sohn. Wiö freut sich der Greis dieses Kindes! All sein Sorgen und Denken geht jetzt dahin, seinen Nathanael (Gott hat ihn gegeben) zur Thora zu erziehen. Das Kind wächst! heran, Gott hat ihm einen Hellen Geist und einen *) Wörtlich: „Schüler der Brise«*, die sich mit dem St«« dlum der Gotteslehre beschäftige«, dan» überhaupt gelehrte Tal» MUdistvk j! - schonen Körper verliehen. Von seinem Vater hat eS die hebräischer Buchstaben, ja, schon lesen gelernt. An seinem fünften Geburtstage nimmt es der Vater aus den Arm und trägt es selbst in die Schake. „Welches Buch der Thora soll mein Kind zu lerne» beginnen?-, fragt er den Lehrer. „Wajikra" (das dritte B. M.), spricht dieser. „O, nicht doch," entgegnet der Vater, „kehre mein Kind das Sepher Bereschith (das erste B. M.), damit es alsobald ersähe das Lob des allmächtigen Gottes, des Schöpfers von Himmel und Erde." Nathanael lernt das Sepher Bereschith. Mit , welcher Freude führt jetzt der greise Vater sein Kind in die Schule, mit welcher Wonne wartet er nunmehr im Hofe am Schlüsse des Unterrichts! Aber er wird älter und schwächer. Da spricht zu ihm das gute Kind: „Warum willst du, lieber Vater, dich täglich bemühen? Ich kenne ja den Weg zur Schule, ich werde ihn auch allein nicht verfehlen." Der Vater willigt ein; sorglos geht der Knabe den gewohnten Weg. Da kömmt plötzlich ein Fremder des Weges; er steht das schöne Kind, ergreift es und eilt mit ihm davon, weit, weit weg nach seinem Schiffe. Nathanel ist in die Hände eines Räubers gefallen; auf dem Sclavenmarkte von Alexandrien wird der arme Knabe für Rechnung eines heidnischen Kom'B angekaust. Daheim sitzt R. Naphtali und sein Weib und warten aus die Rückkehr ihres Herzenskieblings. Stunde ans Stunde verrinnt, Nathanael kommt nicht. Bon bangen Ahnungen getrieben, eilt der unglückliche Vater in die Schule. „Wo weilt mein Sohn," rnst er schon von Weitem dem Lehrer entgegen," wo bleidt das Kind meines Alters?" „Dein Kind war heute nicht in der Schule." „Nicht in der Schule? wo kann eS denn sein?" Der unglückliche Mann vergißt seine 75 Jahre und eilt hastigen Laufes wieder zurück; überall wird gesucht, gespäht, geforscht; eine hohe Belohnung wird auSgesetzt — nirgends ist eine Spur zu finden. Da zerraufen sich die unglücklichen Eltern das Haar und netzen mit ihren Thränen den Erdboden. Der Schmerz ist ein zu fürchterlicher — ein so heiß ersehntes, im hohen Alter geschenktes, einziges Kind so zu verlieren! (Schluß folgt.)

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