Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1861-06-19 · Heft 25 (19.6.1861) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 25 (19.6.1861)
Date
1861-06-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2446984-2447009--00744-2455945
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Z03 ganze Factum, daß unter der orthodoxen Partei i gar Manche Herrn N. H. entfremdet sind; in noch! viel höherem Grade aber die Gründe, welche für - das angebliche Factum angeführt werden. Es ist - das eine Schmähung und Verdächtigung! der orthodoxen Rabbinen, die selbst noch > Keiner unsrer Gegner gewagt hat, und! daß sie von gewissen Kreisen aus möglich ist, erfüllt I uns mit tiefer Betrübniß. Umsomehr aber halten! wir es für unsre Pflicht, Herrn Rabbiner Hirsch! dringend zu ersuchen, die Erklärung abzugeben, daß > er dieses Gebühren unverständiger Freunde durchaus mißbillige. Zum Schlüsse überweist der anonyme Verfasser die orthodoxen Männer unserer Zeit dem Urtheile der Geschichte. „Aber welches Urtheil, fragen wir, welches Urtheil wird er (der künftige Historiker) fällen? können über die orthodoxe Partei? Wird er sagen! können, das; ihre Männer auf der Zinne, gestanden und gekämpft, wie cs einem Israeliten gebührt, dein Gott mit seinem Namen auch seinen Beruf angewiesen? Bedenkt, die Zeit ruft euch zu, es ist -Q-.'v n und die Geschichte ist eine strenge Nichten» gegen die, die nicht gehört aus den Ruf der Zeit!" Es spricht sich in dieser salbungsvollen Mahnung wieder ein Mißkennen der Gegenwart aus, daS einen bis zur Monomanie einseitigen Standpunkt verräth. Es gibt wenig Zeiten, in denen für das Judenthum so wacker und rüstig gekämpft worden, wie in der Gegenwart. Wo nur orthodoxe Elemente sich vorsinden, treten sie mit Aufopferung ein für die erhabensten Heiligthümer. Die orthodoxen Männer der Gegenwart haben das Urtheil der Geschichte nicht zu scheuen. Es wäre uns ein Leichtes, ein halbes Hundert hochachtbarer Namen zu nennen, die auch in dieser Beziehung einen guten Klang haben. Aber was hätten wir thuen sollen, was verlangt der anonyme Verfasser noch von uns? Nun höre, lieber Leser! Die orthodoxen Rabbinen hätten erklären sollen, oder sollen vielmehr noch erklären, daß ihnen (die mündliche Lehre) höher geht als äußere Vor- und Nachthcile. Und das sollen wir erst erklären! Wie kleinlich denkt doch dieser Mann! Also ohne diese Erklärung könnte Jemand denken, daß uns unsre Religion feil wäre für äußere Vor- und Nachtheile? Und die Solches erst erklären müßten, das wären orthodoxe Männer? Bedenkt denn der anonyme Verfasser nicht, daß er es hier mit jener „Clique" zu thun hat, die sogar in der Bibelübersetzung die traditionelle Auffassung gewahrt wissen will und sich dadurch den glühenden Haß eines schmähsüchtigen, verleumderischen, mit weithintönendem Worte ausgerüsteten Literaten zugezogen hat? Ferner verlangt unser namenloser Held eine Erklärung, daß uns das Verfahren der Freunde Fr.'s ungerecht, unwissenschaftlich und unjüdisch zugleich erscheint. Unser Stillschweigen iväre ein Armuthszeugniß für die sogenannte Orthodoxie. — Ueber solche anmaßungsvolle Thorheit verlieren wir kein Wort. Bemerkt sei nur, daß wir in jenem „lahm und matt" gescholtenen Artikel, es ausgesprochen, daß die Freunde und. Schüler Frankels den um das Judenthum hochverdienten Rabbiner Hirsch in gehässigster Weise geschmäht haben. Meint nun der anonyme Verfasser, daß Jemand glauben könne, cs sei gerecht, wissenschaftlich und jüdisch, einen um das Judeuthum hochverdienten Mann in gehässigster Weise zu schmähen? Oder sind derlei Bezeichnungen noch nicht stark genug für ihn, muß etwa er uns erst die Ausdrücke in die Feder dictiren? Achtungswerlh ist die schwärmerische Anhänglichkeit in Bezug auf. einen bedeutenden Mann, lobenSwerth die kindliche Pietät, aber sie darf nicht einseitig be- und verurtheilen, denn „blinder Eifer schadet nnr." Wir hoffen , daß mit dem höchst bedauerlichen Erscheinen der oben angeführten Broschüre der Hirsch- Frankel'sche Streit beendet ist. Was er bewirken sollte, hat er längst bewirkt; ob Personen, die m unverantwortlicher Weise angegriffen wurden, nicht genügend vertheidigt worden sind, ist von untergeordneter Bedeutung. Das Eine ist klar, daß Frankel namentlich durch seine in No. 15 d. Vl. besprochene Erklärung bewiesen hat, daß ein Seminar unter seiner Leitung unmöglich zum wahren Heile des Judenthums zu wirken vermag. D''e Gründung e i n e s o r t h o d o x e n N a b b i n e r s e m i n a r s unter der Leitung eines ganzen Mannes ist die dringendst gebotene Nothwendigkeit. An Männern, die sich dazu.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.