Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1861)
- Date
- 1861-05-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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26S allerneueste Zeit steht entschieden auf dem Standpunkt der Orthodoxie. Doch zur Sache. Der hoch über aller Parteilichkeit stehende Historiker wird es wahrlich bezeugen, daß die Tempelherren, die weder auf einen Messias noch auf einen zu erbauenden Tempel mehr hoffen, sondern Tempel und segenertheilende Priester bereits haben, die Synagoge ihre Trauer ablegen lassen und Musik u. s. w. bei ihrem Gottesdienst eingeführt, wie auch alles aus ihren Gebeten gestrichen, was an Jerusalem erinnert — weniger einerseits von den Menschenrechten der Juden überzeugt sind, andererseits an das Aechtsgefühl Europa'S glauben, als die Orthodoxen. In dem Proteste, de» die S. A. Ujhelyer Gemeinde gegen Titel und Vollmacht der „iSr. Landeskommission" erließ, spricht sich dies deutlich aus; derselbe schließt mit den Worten: „Die Ungarn Mosaischer Religion wollen ihre politische Gleichberechtigung weder aus Kosten ihres Glaubens noch ihres Selbstgefühles erkaufen und erwarten dieselbe nur von der politischen Reife und dem Rechtsgesühle der ungarischen Nation, resp. der LandcSvertreter. Die i Gleichberechtigung wird erfolge», weil sie erfolgen muß." Und in der That hat die Geschichte jenen schwachen Geistern bereits eine heilsame Lehre angedeihen lasten, die sie aber wieder vergessen zu haben scheinen. E8 haben die feudalen Junker an der Spree den Juden die Emancipation deßhalb versagen zu müssen geglaubt, weil sie nicht nach dem Talmud leben*).— I. S. *) Wir erlauben uns hier die Bemerkung anznfügen, daß der oben erwähnte Borgary j» PeKb mrS speziell aufs schmerzlickche berührte. Als wir bereits vcr eiriiZer Zeit daS Publikum darauf aufmerksam macktra, wie Herr Löv m Szegedin und' seine Gesinvuugsßenvffe« in Ungarn «ater dem Deckmantel des Patriotism»» Propaganda für ihre einst modern gewesenen religiösen Ansichten zu «rachen such«, K-eh rms Herr Löv der Lüge — wir freute» uus berztirb darüber; der», wenn ein Mann wir Löv, der in Biaem LogrMstte de» Grmerndevorstayd zu A. deshalb als lächerlich hwgesiellt, veil dieser so naiv zu glauben war, daß ein Korrrfpondrnzartikel in dem von ihm redlgirten „Ben t5bananjasich als wahr gebe, und von dem bekanntlich fein« besten Freunde jagen: Er lügt zwar, aber erfindet gut, i wen» solch' rin Maun, sagen wir, auf eine gerechte Anklage «ichtS anderes erwidert als: das ist eia« Lüge! so waren wir . wohl zu der Annahme berechtigt, daß Herr Löv sich nun ernsti Lch »vrgeuvmme», fürderhin von solchen Mitteln keinen Gebrauch mehr zu machen; durch den Borgaug in Pefth sind wir Frankreich. ReiW- 7. Mai. Herr Beer Mai, einer der achtbarsten Männer hiesiger israelitischer Gemeinde, wurde gestern Morgen um neun Uhr durch einen plötzlichen Tod hinweggenommen. Er war lange Jahre hier v:->L; daß lein edler Sinn jedem Nothleidenden gern huldvolles Gehör gegeben, so wie daß alle Unglücklichen auf hiesigem Platze und in der Umgegend bei diesem gefühlvollen Herzen allezeit eine sichere Zuflucht gefunden, ist allgemein bekannt. Er starb in einem Alter von sechszig Jahren. Amerika. New-N^rk. Die hiesige gemäßigte Neformgemeinde „Ansche Cheßed" hatte sich in der Person des „gemäßigten Neformrabbiners Or. Grünebaum in Landau einen neuen Seelenhirten verschrieben. Das Engagement war abgeschlossen und der „Geistliche" wird erwartet. Da trifft statt seiner ein Brief ein, in welchem er nach abgeschlossenem Vertrage noch einmal Bedingungen stellte, nämlich: verlängerten Ansiellungstermin, Erhöhung des Gehalts, Pension für die Relikten, Erhöhung der Trauungsgebühren, Fixirung von Gebühren für andere Casualfälle (Consirmation, Ein - (oder Aus-?) Segnung von Wöchnerinnen und was sonst noch die Reform sich Einträgliches zugeschnitzt hat), freie Wohnung oder Wohnungsentschädigung. Sollte die Genleinde seinem Kommen, meint der uneigennützige, gemäßigte Herr Nesormrabbiner, einigen Werth beilegen, so erwartet er die Erfüllung dieser nachträglichen Bedingungen; wo nicht, so bittet er, ihm sein Wort zurückzugeben. — Die Gemeinde hält hierauf Generalversammlung und beschließt einstimmig, dem Hrn. v>. Grünebaum sein Wort zurückzugeben, seinen Brief aber ohne Commentar durch die Zeitungen zu veröffentlichen, was denn auch geschehen ist. Hurrererrcka poeuvia primrrm cst, virtus post numnlo»! — /,Jn der alten oder neuen Welt, Sucht die Reform nur eins — das Geld!" — jedoch bitter enttäuscht worden, denn es verstehet sich von selbst, daß der Redakteur des „Ben Ehanaaja* bei der ,isr. LandeS» kommission" eine hervorragende Rolle spielte. I. S.