Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1861)
- Date
- 1861-05-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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256 gegenüber gerecht werde, sich dadurch 56,000 treue ' Unterthanen erwerbe, im andern Falle aber eben so viele gefährliche Feinde sich mache. Die Juden Sa-! Doyens hätten sich mit Freuden an Frankreich ange- : schlossen, weil sie dort politische Freiheiten erlangten. — Bischof v. Dinkel von Augsburg verweist auf ihre Religion, sondern auf ihre Erwerbsart stütze. Als gcborner Franke, bemerkt Redner, habe er selbst noch keinen Israeliten hinter dem Pfluge gesehen und wohl einzelne israelitische Handwerks-Lehrlinge, aber sehr wenige Meister kennen gelernt; alle wären dem angebornen Hange zum Handel gefolgt. Jndcß zollt Redner der Sabbatfeier, Mäßigkeit, Ausdauer, Arbeitsamkeit und dem innigen Familienleben der Juden volle Anerkennung und gibt schließlich noch dem Beschlüsse der Volkskammer seine Zustimmung. Deßgleichen de^r Erzbischof von München- Fr ei sing, v. Scher, der den Kernspruch citirt: was Du nicht willst rc. rc., und ihm die treffenden Worte beifügt, daß er es tief beklagen würde, wenn seine Glaudensge nassen unter ähnlichen Gesetzen, wie die Inden, leben müßten. — Mit einiger Bewegung wird eine Schlnßänßerung des Res. Fürsten Hohenlohe ausgenommen, der ausrust: „Wir Aristokraten denken nicht mehr an die Wieder-Erbauung unserer mittelalterlichen Vesten, mögen auch die Gemeinden ihre Mauern fallen lassen." Keine Stimme in der Presse, selbst der „DolkSbote" nicht, habe sich für das Veto erhoben. — Nachdem auch noch der Minister des Cultus seine bereits vor den Abgeordneten gemachten Aeußeruugen zu Gunsten der Israeliten wiederholt, tritt die erste Kammer einstimmig dem Beschlüsse der zweiten bei und verwirft zugleich die vom zweiten Präsidenten eingebrachte Modification auf unbedingtes Veto der Gemeinden mit 26 gegen 6 Stimmen (zu den letzteren zählen die beiden anwesenden kgl. Prinzen). Mithin besteht in dieser für Baiern nicht unwichtigen Angelegenheit ein definitiver Gesammtbeschluß beider Kammern und es fällt damit namentlich auch das odiose Mätrikelwesen. Hamburg, 10. Mai. (Fortsetzung.) Die Synagoge war dem Zwecke entsprechend geziert, besonders der Platz des Jubilars. Der Weg vom Hause des OberrabbinerS bis zur Synagoge war mit Orangenbäumen und Teppichen verziert; nachdem die Gemeinde, Viele aus den Nachbarstädten, die hohen Behörden der Stadt sich in der Synagoge versammelt hatten, wurde um 1 Uhr der Jubilar von dem Synagogen-Colleginm und dem Fest-Comite aus seinem Hause abgeholt. Bei seinem Eintritt irr dieselbe wurde er von den ergreifenden Klängen einer passenden Instrumentalmusik empfangen. Hierauf wurde eine eigens zu diesem Tage gedichtete und componirte Cantate, von Vorsänger und Chor mit Musikbegleitung gesungen, dann Ps. 1 von Vorsänger und Cbor recitirt, Ps. ttl und 112 gesungen. Hernach bestieg der Schwiegersohn des Jubilars, Herr vr. S. Cohn, Großherzogl. Mecklenb. Landrabbiner, die Kanzel und hielt eine äußerst gelungene Fcstpredigt, die auch allgemein Anklang fand und mit voller Befriedigung ausgenommen ward. In der Einleitung besprach der Redner die Wichtigkeit eines Lebensabschnittes von So Jahren, entwickelte dann an den Tertesworten: n-ocv?>-!;.-.v vsrn nti --rb? '2 die Ausgabe eines Rabbiners, legte dar, wie der Jubilar seine Aufgabe gelöst und knüpfte daran den Wunsch, der gewiß in den Herzen Aller einen kräftigen Widerhall fand, es möge ihm noch lange vergönnt sein, in dieser Weise fort zu wirken. Dann wurde der zweite Theil der Festcantate vorgetragen, Ps. 1t!), V.!-? abgcsungen und mit Ps. 150 die Feier beschlossen, die in den Gemüthern Aller gewiß einen tiefen und ergreifenden Eindruck Zurückgelassen hat. Um 6 Uhr fand ein Festessen aus den» Gememdezimmcr zu Ehren des Jubilars statt, wozu die Familienangehörigen, mehrere Freunde desselben, die verschiedenen Cultusbeamten, Klaus-Rabbiner geladen waren. Auch in andern Kreisen fanden zu Ehren deS Tages Festessen statt. Für die Armen wurde vom Herrn Oberrabbiner 20 Rthlr., ebensoviel von dem Herrn Oberpräsidenten, Conserenzrath H einzel m ann, dem Präses des Armencollegiums übergeben, ebenso daL Resultat einer Sammlung, die veranstaltet wurde bei der Ausstellung deS Geschenkes der Jünglinge. (Hierbei eine Beilage.)