Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 20 (14.5.1861)
- Date
- 1861-05-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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247 Juden als Einwohner betrachtete, die blos in Folge eines Vertrages und für die in diesem bestimmte Zeit ansässig waren, oder mit anderen Worten, in welcher man sie, nicht mehr als Bürger, sondern als Fremdlinge und bloße Permissionisten ansah. Es ist der Anfang jener traurigen Zeit, in welcher einer gerade damals viel zahlreicher werdenden Claffe von Einwohnern immer härtere Bedingungen ihrer Ansässigkeit auferlegt wurden, und zugleich das Herz ihrer Mitbewohner immer mehr ihnen entfremdet und zu Verachtung, Haß und Mißhandlung umgestimmt ward. Dieser für die Juden in so hohem Grade drückende Zeitabschnitt fängt mit den 1404 zum ersten Male erwähnten Juden-Sättigkeiten an; und da der Beginn von diesen die mittelalterliche Zeit des Franksurter Judenthums abschließt, so endigen wir mit der Erwähnung der ersten Juden-Sättigkeit auch un-! sere Betrachtungen über jene Zeit. A R Z e r A s n. QHk" Mit Beschwerden wegen unregelmäßiger Zusendung wolle mau sich an das betreffende Postamt, resp. Buchhandlung wenden! iLL'OlO! Während das Andenken der Männer der That, der Männer des Wortes von der dankbaren Mitwelt für die zukünftigen Geschlechter in Erz und Stein verewigt wird, ist es das bescheidenere. Erbtheil der edlen Frauen, die uns der unerbittliche Tod entführt, nur in dem Geiste und im Herzen ihrer trauernden Umgebung als Vorbild und Muster fortzuleben. Unser Städtchen, wie klein und unbekannt eS auch ist, war dennoch so glücklich, eine jener weiblichen Perlen zu umschließen, welche den Schmuck und die Zierde ihres Geschlechtes zu bilden pflegen. ' Frau Maria Adele v'irr v'-.Q Kodak, geborne Marcus, Gemahlin unseres > allverehrten Herrn Rabbiners Vs. Joseph Kodak, Prediger und Schuldirektor der gefertigte» Cultusgemeinde, lebte als gläubige Tochter Israels treu seinen Satzungen nach, als Gattin jene unsägliche Milde! und Liebe spendend, deren blos ein treues, hochherziges Weib fähig M, ihren Lebensgefährten unterstützend, erhebend und bei seinen literarischen Arbeiten freudig zur Seite stehend; als Frau bescheiden, anspruchslos und über ihre schwachen Kräfte mildthätig! z Wohl nur, weil ein solches Wesen zu gut für, diese Welt, hat es der allgütigcn Fürsehung gefallen, sie von uns, ihren trauernden Freunden, ihrem erschüttertem Gemahle und ihrer in Wehmuth aufgelösten Familie abzuberusen! abzuberusen, nachdem es ihr kaum vergönnt war, die Freuden des Lebens kennen zu lernen, sterbend, nachdem sie kaum ihr neugebornes Töchterchen, die Frücht ihrer blos elfmonatlichen Ehe an ihr brechendes Herz drücken konnte. Der am 5. dieses Monats stattfindende Beerdigungszug war wohl der einzige in seiner Art, den der hiesige Ort gesehen! Jedes Alter, jeder Stand und jede Consession waren nicht blos zahlreich vertreten, sondern von der ganzen Umgegend kanttn sie trotz des schrecklichen Unwetters hergepilgert, um der seligen Verblichenen die letzte Ehre zu erweisett. Und wieder hatten! imr den Beweis, baß Humanität und Nächstenliebe keiy leerer Schall in Israel sind! Herr vr. Frankfurter, Prediger und Schuldirektor in Bielitz, eilte auf die Nachricht dieses traurigen Todesfalles sogleich herbei, um seinen unter der Ducht des Mißgeschickes erliegenden iAmtsbruder zu trösten und trostspendend seines Amtes zu pffegen.1. Seme kraftvolle,! der Situation vollkommen entsprechende Grabesrede mar von erschütternder Wirkung. Nochmals rollte er vor unseren Augen ^>ic Verdienste, die edlen Eigenschaften der früh Verblichenen! auf, nochmals legtze er die Hand auf die tiefe, blutende Hcrzenswunde und dann träufelte er milden Balsam auf diese Wunde und in unsere Herzen — den Balsam der Religion! er erzählte uns vom Jenseits! von jenem zweiten, bessern Leben, wo alle guten Seelen sich wiederfinden und wohin die Verklärte uns nur für eine kurze Spanne Zeit vorausgegangen ist! und Trost und Ruhe, das innere