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Der Israelit · 1861-05-14 · Heft 20 (14.5.1861) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 20 (14.5.1861)
Date
1861-05-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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238 Worte ihres Lehrers, verpflanzten sie in sich die unglückseligen Keime des Zweifels, die nicht nur für ihre eigene Zukunft, sondern für das ganze Israel so Herde Früchte trugen. — Wem ist ferner unbekannt das tragische Schicksal des Mannes, den R. Meir seinen Lehrer nannte! Auf den Fittigen der Forschung schwang er sich bis zur höchsten Region, die dem beschränkten Menschengeistr hienieden zugänglich ist, bis zur unmittelbaren Gottesnähe — und siehe da! eine einzige verfehlte Anschauung auf dieser schwindelnden Höhe bricht völlig den Stab über seine ganze ruhmgekrönte Vergangenheit und schleudert ihn hinab zur tiefsten Tiefe sinnlicher Ent-! artüng , so daß das zarte aber noch unschuldige Schulkind ihm die harten, Herz durchbohrenden pros poetischen Worte Zurufen durste: n -nsx prr! v'M-H_r Ein zwar schwaches, aber immerhin bezeichnenj des Pröbchen dieser Art sollte unser R. Wolf an sich! selbst erleben, j k Er glaubte nämlich einst einen bedeutsamen > Widerspruch zwischen zwei Talmudstellen entdeckt zu r haben; dies beunruhigte ihn so sehr, daß er sich hierüber um jeden Preis Aufhellung zu verschaffen strebte. Zufällig gewahrte er in dem Momente kei-! nen Commentar, der des fraglichen Differenzpunktes, l erwähnte. Er nahm daher Zuflucht zur ergiebigen Fundgrube seiner eigenen Befähigung und brach sich in der Mitte scheinbarer Krümmungen eine Bahn, die als kühnes Wer? der selbstständigen Ursprünglichkeit die ungetheilte Bewunderung eben so entz schieden herausfordert, wie sie andererseits der aufrichtigen Pietät blutige Wunden schlägt. Seine neue i Anschauung wirst längst anerkannten Prinzipien den Fehdehandschuh hin und richtet auf dem Felde Unserer religionsgesetzlichen Praxis im buchstäblichen? Sinne des Wortes eine wahre Verwüstung an —- j So weit kann der Mensch sich verirren, wenn er sich einmal von den Lockungen der Phantasie sangen läßt; sie wiegt ihn sanft in süße Träume der Selbstüberschätzung und versperrt ihrem natürlichen Wächter, dem nüchternen Verstände alle Einzüge. Hätte R. W. frühzeitig in Erfahrung gedracht, daß schon die ^21 den von ihm bel Men Bedenken Worte leihen, er würde sich vielleicht mit ihren Erörtenmgen beschwichtiget und von vorn herein seine Combinationen als Fehlgeburten ausgegeben , haben. Zu lange jedoch im Freudentaumel schwebend, er habe wichtige Entdeckungen gemacht, die vielen erleuchteten Generationen entgangen wären, artete sein Stolz in Hochmuth aus und erfüllte ihn mit einem solchen Vorurtheile für die Erzeugnisse seiner Mühe, daß er für ihre schwachen Seiten keinen Sinn mehr hatte. Selbst als ihm nachher gezeigt wurde, seine Ansicht verstoße gegen das klar ausgesprochene Wort einer Mischnah, konnte er sich nicht mehr entschließen, sich von dem ihm einmal liebgewordenen Jdeenkreise zu trennen und huldigte lieber einer kleinlichen, zwangvollen Apologetik. So viel mußte er jedoch ahnen, daß sein Vorhaben ein verhängnißvolle-, schwerwiegendes sei und daß er hiemit jedenfalls eine große Verantwortlichkeit auf seine Schultern lade; denn er fühlte sich gedrungen mit einer anerkannten Cavazitat in Correspondenz zu treten, um ihr diesfalliges Gutachten einzuholen. Mit Uebergehung der bedeutenden Gelehrten seiner unmittelbaren Umgebung, wandte er sich schriftlich an den ihm befreundeten Heros Hmrer Zeit, den Roda Bihuda, indem er ihm seinenGedankengang umständlich auseinander setzte und ihn hat, fein unparteiisches Urtheil abzugeben. R. Ezechiel Landau, ein hell strahlender Geist, war auch ganz der geeignete Mann dazu, sich der Lösung der ihm gestellten Aufgabe gewachsen zu zeigen. Mit dem ihm eigenen Scharfblicke entdeckte er alsbald die schwachen und unhaltbaren Fäden, aus denen das ihm zur Beurtheilung unterbreitete Gewebe des Chiluk zum großen Theile zusammengesetzt war und mit besonnener würdevoller Ruhe des unbefangenen Weisen hob er die wahrgenommenen Blößen speciell hervor. Der aufmerksame Leser, der diese Widerlegung bis zum Schluffe verfolgt, gewahrt nunmehr eine öde Ruine an der Stelle, wo früher ein riesiges Feenhebäude sein Auge täuschte. Die gewichtigen Mahnmorte, die der große Mann bei dieser Gelegenheit sicherlich aus dem Grunde seines Herzens in schwungvoller, poetischer Fassung niederschrieb, verdienen eS wohl, wenn auch nur in auszugsweiser, schlicht prosaischer Nebertcagung, hier mitgetheilt zu werden. Diese lauten: »Wenn auch meine Liebe zu Ihnen in der Tiefe meines Herzens mit unverkösch-

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