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Der Israelit · 1861-03-20 · Heft 12 (20.3.1861) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
2 (1861)
Issue
Heft 12 (20.3.1861)
Date
1861-03-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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len dar die leiden-volle Erziehungsgeschichte unsre- I Dolles.- -! Sclavendrod mußten unsre Voreltern essenin Mizrajlm, .',2, -'IN'-)/'^ Es ','hatijeinl großer Denker -er' Reüzeff (Hegel) die vielleicht sonderbar erscheinend^ Wrge Äsgewori fen prer denn eigentlich im Naturzustände der ' Menschheit der freiere ist, der. Herr oder der Knecht. Mißverstehen wir nicht, im Naturzustände, d. h. zu! jenen Zeitenda? der mildes , ordnende, befreiende Geist derj Thora auf Erden noch nicht waltete. Ein Mensch also aus jener grHüen Urzeit, der weder Gesetz noch Ordnung , wede^Michtgebot lisch? Sündenverbot kennt oder anerkennt, dem! a!leinzige Richtschnur seines Thuns der Lust Befriedigung gilt — kann uran fstten solchen) Menschen n!ennen? Ist er doch eiWg der Kn^t? Wie mag eS nun rvübl gelochnren .^in, daß solche Alettschen MsW - Staaten, veDiniM Völker bildeten^Der Starke usrterjdchte den?Schfoachen, schrieb ihm seinen Willen afs Gesetz vor, und dieser war nunmehr gezwungen, die eigene Willkür dem fremden Willen nnterznordnen. Währeyd also der > Herr seinen Leidenschaften blindlings folgte, mußte > der Sclave dieselben beherrschen lernen. Freiheit besteht aber hauptsächlich in der Bezwingung des eignen Jch's, in der Bezähmung der unwiderstehlich j scheinenden Leidenschaft. Also wurden auch unsre! Eltern gewöhnt, nicht sich als einzige Richtschnur l ihres ThunS zu betrachten, sie wurden Sclaven des Pharao um dereinst als freie Männer dem j Allmächtigen dienen zu können, sie mußten das ' das Sclavendrod essen, um dereinst als Herren das gottverheißene Land besitzen zu können. — Mer nur die Befolgung solcher Gesetze vermag wahrhaft frei zu machen, die, vom allweisen Gesetzgeber gegeben, das Wohl der Menschen zu fördern bezwecken. Sterblichen dienstbar zu sein, ihren Zwecken als Mittel zn dienen, ist dem Begriffe der Menschheit zuwider, bringt in seinem Gefolge der Leiden unendliche Menge. Daß unfern Voreltern das Leben verbittert wurde durch der Aegypter Unmensch liche Hätte, das stellt nnS das Bitterkrant dar. — O, was Alles mußten unsre Väter erdulden rn jener langen, bangen Knechteszeit! Elend und Unglück, Druck und Peinigung, Mißhandlung unt» Beraubung, Demütkngung und Mord! Aber auch daN zu ihrem Glücke. Hier lernten sie emporschauen zn Gott, zu dem zu flehen,, von dem einzig und allein die Hilfe zu kommin vermöchte, und aks eS ihnen nun ward das köstliche Gut der Freiheit^ da empfingen sie es aus Seiner Hand, nicht um ezn mißbrauchen, sondern um es würdig anzmvende«. Wie die .-mv, das Brod der Sklaverei, da» Bild des Knechtesdienstes ist, so stellt sich uns im l'vri, im gelästerten) Brode das Bild der Selbststän- > digkeit dar. Nicht wird die Vollendung des Brode» beeilt, sondern aufgeschoben, damit die znsammeuge- ^gebenen Stoffe , das^ Mehl und das Wasser, sich ge- , genseitig durchdringen, damit durch Gährung der! Sauerstoff sich entwickelt und dem Bröde Schmack- Hastigkeit verleihe. Her Sauerstoff aber; ist das eigentliche Element desLebens, die Gährung ist jener Proceß, ftner Kampf, auf dem alles irdische Leben beruht. Es ist daS eine der herrlichsten Erfindungen des Menschengeistes, dieses gleichsam Geistige im Stofflichen zu entwickeln, Stoffe zum Kampfe und zur gegenseitigen Durchdringung, also zur Entwickelung zu treiben, die sonst nur nebeneiuander ruhe«, sich nur berühren würden. ES ist dar etwas Schöpferisches, war hier der Mensch vollbringt. Ru« wohl, so mag er denn, seiner Neberlegenheit über die Skoffwclt sich freuend, es vollziehe« und das Entwickelte z» seinem Genüsse verwende« daS ganze Jahr hindurch, aber gerade am Feste der Befreiung , da zeige er, daß er diese Freiheit nur als von Gott empfangen betrachte, daß er sich und alle Kräfte seines Geistes unterwerfe dem ALweisen, daß! er zu Gunsten des Gehorsams gegen Gott auf die Freiheit zu verzichten vermag, ja. daß er unter Freiheit nichts Anderes versteht als die erkannte Nothwendigleit, Gott zu gehorche«. — Wer aber dennoch z"2.i genießt am Peßachseste, der zeigt dadurch, daß er die erlangte Freiheit akS Gottesgeschenk nicht zu würdigen weiß, er zeigt, daß er im irdischen Kampfe beharre« will, daß er sich selbst - Vollendung geben zu können wähnt; er hat somit seine Lebensaufgabe verkannt, er schließt sich dadurch ' aus von der Bestimmung seines Voltes, Vollzieher deS göttlichen Willens zu sein, ist also ei« untaug- - liches Glied geworden in der Kesammtheit Israels,

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