Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 2 (1861)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1861)
- Date
- 1861-01-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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41 erzählte Anekdote einen Begriff liefern: Herr Cohn hatte mit Unterstützung des M dieser Beziehung ^außerordentlich gefälligen, wackern französischen Geschäftsträgers, Marquis de Castillon, zunächst bei dem verstorbenen Muley Abbas und alsdann bei MKrDtuder, bem jetzt regierenden Kaiser Sidi Mohammed/ die Aufhebung mehrerer, für die Juden sehr , drückender-Anordnungen erlangt. Es wärest im Ganzen vier Punkte, welche ihm concedirt wurden und worüber uns der gedruckte Bericht des unermüdlichen Vermittlers des französischen Comite nähere Mittheilung bringen wird. Unter Anderem hatte Herr. Cohn die Entlastung zweier, lediglich wegen sogenannter religiöser Motive im Gefängnisse schmachtenden Juden erwirkt. Der Eine derselben- Namens Baschilon, einer früher sehr wohlhabenden Familie in Tetuan angehörend, war seit achtzehn Monaten in Mekinez eingesperrt,, weil man ihn eines Liebesverhältnisses und des näheren Umgangs mit einer Muselmännin beschuldigt hatte, und der Andere war bereits fünfzehn Jahre in Fez, und zwar aus ähnlichen, unerheblichen Gründen, die mit der Religions- Verschiedenheit Zusammenhängen, eingekerkert. Vergeblich hatte man bisher durch Gold und durch die Vermittelung europäischer Eonsuln ihre Freilassung zu erwirken gesucht; Alles, was man hatte erlangen können, war, daß sie nicht dem Feuertode überliefert wurden. Jetzt war auf die Bitte des Herrn Cohn Ihre Freilassung von zwei Kaisern befohlen. Er hatte erwartet, daß sie nach seiner Abreise von Marokko bestimmt erfolgen würde, aber nach seiner Ankunft in Paris erhielt Herr Cohn von dem französischen Konsul in Fez die Anzeige, daß der Gefängnißpförtner, bevor er dm Befehl des Kaisers ausführt, für seine Personwie-dies in der Berberei üblich sei," ein Geschenk zu erwarten: habe, das -Nicht runter hundert Duros < (540 Francs) b etragen dürfe.: Es blieb > natürlich nichts-Anderes übrig, als diese Summe von Paris aus anzuweisenda sonst die kaiserliche Begnadigung, unausgeführt geblieben wäre. - - Einezweite, nochviel wichtigere, BegnadigungdiemHerr CohnMMarokko erwirkt hattewareine kaiserliche Amnestie für die jüdische Bevölkerung von Tetuan, die mitt dem spanischen' Jnväfionsh'eere in Lieferungs-- und anderen freundlichen Verhältnissen (die afrikanischen- Juden verstehen undsprechenfast Me spanisch) gestanden hatte. Ohne diese Amnestie wäre G dM armen Juden nach dem Abzüge der Spanier sehr schlecht ergangen. Auch erließ der Kaiser an die Gouverneurs und Paschas im Innern des Reichs Befehle, die Juden, „gleich denen irr. Tangier," menschlich zu "Wandeln und die in dem verschiedenen Gemeinden zuDMindenden Unterrichts-- anstatten' zu beschützen. Äre jüdische Gemeinde von Tangier hat zur Begründung einer Schule in dieser Stadt einen ziemlich bedeutenden jährlichen Beitrag votirt. Andere Gemeinden werden zu diesem Zwecke aus dem in Frankreich gesammelten Marokko-Fonds aus einige Jahre unterstützt werden. In Algerien haben diese Schulen, die alle erst seit der französischen Besitznahme des Landes, diemeisten in best letzten zwölf bis fünfzehn Jahren, gegründet sind, bereits außerordentlich segensreich auf den Bildungszustand der jüdischen Bevölkerung eingewirkt. Herr Cohn gibt uns folgende stattstische Uebersicht dieser Schulen: In der Hauptstadt Algieu gibt es zwei Knabenschulen nttt 550 Zöglingen und eine Mädchenschule nebst Kinderbewahranstatt (oalls ä'asM) mit 450 Kindern; in O r an zwei Knabenschulen mit 550 Zöglingen und eine Mädchenschule nebst Bewahranstalt mit 300 Kindern; in Eonstantine eine Knabenschule mit 120 und eine Mädchenschule mit 100; in Mostaganem eine Knabenschule mitt 240 und eine Mädchenschule mit 150; in T lernten einer Knabenschule mit 300 und eine Mädchenschule mit 200; in Mascara eine Knabenschule mitz 150 undM Bona eine Knabenschule mit 200 Zöglingen. In allen diesen Schulen wird Unterricht in der hebräischen^ französischen und zum Theil auch in der arabischen Sprache ertheilt; ferner inj Geographie, Geschichte, Rechnen, Zeichnen rc. Viele aus diesen Schulen hervorgegangene Zöglinge haben in den Lyceen und Colleges Preise in der Rhetorik rc. zu erwerben gewußt. Einer derselben (Herr Enos) ist jetztnach! vollendeten Rechtsstudien, in Toulouse und Paris, Advokat. '! «Herr: Cohn spricht sein gerechtes Bedauern darüber aus, daß in Gibraltar, welches seit 15l> Jahren rin Besitz'der Engtzinder> ist- und wykW eino sehr zahlreiche jüdisch-spanisch-afrikanische Gemeindebefindetnochkeine Unterrichts-Änstatt dieser Arh in-s-Leben gerufen wurde. (M. s. d^ L. d.