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Der Israelit · 1860-12-26 · Heft 31 (26.12.1860) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 31 (26.12.1860)
Date
1860-12-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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371 spottweise „die schwarze" genannt, ungeachtet sie sich weißer Wahlzettel bediente, unterlag. Nach einem öffentlichen Allsschreiben des hiezu als WahlkommWr ernannten ersten rechtskundigen Bürgermeisters sollten nach zurückgelegter ehrenwerther Amtsführung abtretender Verwaltungsglieder Ersatzwahlen für drei Vorstandsmitglieder und .fünf zu dem größern Verwaltungsausschuffe gehörige Personen vorgenommen werden. Nach dem gesetzlich formulieren Wablmodus hatten die 411 berechtigten Votanten 49 Wahlmänncr zu wählen, diese fünf Mitglieder des Verwaltungsausschuffes zu ernennen, worauf das ganze aus 15 Mitgliedern bestehende Verwaltungs-Collegium die drei Vorstandsmitglieder zu mahlen hatte. Eie sehen, verehrter Herr Redakteur! daß eine streng gesetzliche Form beobachtet wurde, was mit um so größerm Danke Anerkennung verdient, als Alles ex ofüeio und somit diätenfrei geschieht. An den Urwählern lag es sonach, Männer in den 49. Ausschuß zu bringen, von deren orthodoxen oder reformistischen Gesinnungen und Bestrebungen man überzeugt war, daß sie die Tendenz ihrer Partei vertreten und hienach Mitglieder in den engern (Verwaltungs-) Ausschuß wählen. Zu diesen! wurden beiderseitig mehrfache Vorwersammlungcn abgehalten, Programme ausgegeben, Verbesserung der Schulen, einer seits auch des Kultus, verheißen u. s. w. Die Partei „der Alten" war in so fern im Vortheile, als sich eine die wunden Flecken nur zu sehr erkennende und deren Heilung herzlich wünschende zahlreiche Mittelpartei zu ihr schlug, und sie sich daher einer absoluten Majorität vergewissert halten durste. Eine nnzeitige Proposition, aber, daß nämlich in der öffentlichen Unterrichtsanstalt Mischnah und Gemara gelehrt werden sollte, rief einen gewaltigen Sturm und eine unglückliche Zersplitterung hervor, und die Mittelvartei sagte sich los, der der „Weißen" sich anschließend. Bcregter Vorschlag kann schon deshalb ein höchst unzeitgemäßer genannt werden, als vorerst von einem gründlichen elemcntarischen Religionsunterricht, als: richtiges, geläufiges Lesen, Uebcrsetzen und Verständniß von und u. m. dgl. die Rede*) irrnS^in^ssicht^Mrn.^ mündlichen Lehre nnndr. ' sein sollte. — Trotz der obwaltenden Sprengung wür- ' den jedoch die „Schwarzen" obgesiegt haben, da auch auf gegnerischer Seite Spaltungen zur Erscheinung ' kamen, hätten sie nicht, unbegreiflicher Weise in Sicherheit sich wähnend, ihre Stimmen, anstatt den ' auf den von ihnen selbst ausgegangenen Zetteln vorgeschlagenen Namen, vereinzelten, willkürlich aus der > Wahlliste entnommenen Mitgliedern zugewendet, während ihre Antagonisten, kompakt zusammenhaltend, einen seltenen Eifer entwickelten, Entfernte eiligst hcrbciriefen, Kranke mittelst Fuhrwerks zur Abstim- ' mung kommen ließen u. s. w. die Folge dieser Nachlässigkeit einerseits und dieses einmüthigen Strebens ' anderseits war, daß weder in den 49. noch in den § eigentlichen Verwaltungsansschuß Einer der ihrigen ' durchzusetzen war. Montag den 20. schritt man zur Wahl der drei Vorstandsmitglieder und diese fiel auf die Herren Beruh. Ullmann, Max Neubauer und Js. Wedeles, zum Glücke Männer von Besonnenheit, ' Kenntnissen und vielfacher Erfahrung, weder vom prinzipiellen Oppositionsgeiste beseelt noch für rapide Reform eingenommen. — Die alten Römer hatten ' ihren überwundenen Feinden Zeit und Raum gegönnt, , wieder zu Athen: zu kommen und sich sie hiedurch zu! befreunden. Nehme man Lehre an und befolge den-! selben Grundsatz. Mögen die von den beiden. Parteien gewählten Farben zu ihren Wahlzetteln — blau und weiß — ein gutt s Omen zur Verständigung sein, wie sie unter der Wittelsbacher glorreichen Aegide schon so lange das Zeichen des Segens und der Volkswohlsahrt sind. Wir aber rufen: Liebet die Wahrheit, liebet den Frieden! 8oli. Kassel. II. Da die Frage, in welchem Verhältniß die Consirmation zu dem Fudenthume steht, und von welchen Folgen für dasselbe ihre Einsetzung in der Synagoge bisher gewesen ist und in der Zukunft werden kann, uns eine sehr wesentliche und ernste erscheint, so mögen Sie, hochgeehrter Herr Nedacteur, gestatten, daß wir, einen Augenblick gänzlich von unfern Gemeindezuständen absehend, uns und dem freundlich-nachsichtigen Leser denn doch ein-! mal klar machen, worin denn eigentlich das Wesen! der Consirmation bestehe, und welche Bedeutung sie , überhaupt für Israeliten habe. Wenn gerade die

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