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Der Israelit · 1860-12-26 · Heft 31 (26.12.1860) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 31 (26.12.1860)
Date
1860-12-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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369 Allein „wenn doch Gemüther sich darnach sehnen" (sie), die aber mehr als „Trümmer" der Gemeinde sein müssen, so mag ihnen die Gelegenheit dazu nicht entzogen werden." Dieser Kritik der Gebetszeit können keine eigentlich philosophische Motive zu Grunde liegen, denn auch eine der übrigen monotheistischen Religionen und ein großer Theil der andern hält ja auch „feierlichen Frühgottesdienst", ja crnere sogar alltäglich noch weit früher, und der andere Theil hält gerade an einem seiner heiligsten Feiertage einen Frühgottesdienst. Es können daher nur Gründe der Bequemlichkeit, resp. Willkür sein. Demzufolge werden wir auch vergeblich nach der Definition des Wortes früh oder spät fragen; ebenso hat sich unser Herr Geistlicher nicht Herabgelasien, uns genau zu limitiren, bei welcher Zahl die „Trümmer" anfangcn, und was aus einer Gemeinde wird, die etwa nur aus Trümmern besteht, diese werden gar keinen „feierlichen" Gottesdienst halten können. Ach, die armen Noch eine gelegentliche Bemerkung. Verfasser sagt: jedenfalls muß auch der Früh- und Spätgottesdienst der „Trümmer" den allgemeinen Grundsätzen des Gebetes und der Gottesverehrung entsprechen. Hierzu aber gehört nach S. 18 unten: Predigt, Orgel und deutsche Gebete, (vor deren beiden letzten: sich übrigens jene „Trümmer" sicherlich höflichsi bedanken werden.) Ter Reformator hat dadurch sich und der Gemeinde durch Nothwendigkeit von wöchentlich 15maligen Functionen des Predigers, des Organisten und der Ainisterialknaben (und Mädchen?) eine große Last aufgebürdet. Dies beiläufig. „.i"is an Wochentagen, wo keine feierliche Stimmung zu erwarten, ist eine Entweihung des Gotteshauses, die Gründe, daß Montag und Donnerstag Landleute in die Stadt kamen, auch Gerichtshöfe saßen, fallen weg, daher weg mit dieser unnützen, ans Unverstandenem beruhenden Auszeichnung zum Vortheile des „wahrhaft feierlichen" sabbatlichen und Festtagsgottesdienstes." Dieses ganze saubre Vaticinium mit 5 vermeintlich gelehrten Giraten ist nichts als lügenhafter Unsinn. Wir hatten bis jetzt meist nur Gelegenheit, die Geistcszcrrüttung unsers Weltbeglückcrs zu beklagen; hier bekommen wir die erste, ' dessen Lauterkeit aus dem Grnnde unseres Herzens zu verachten. An der ganzen Salbaderei ist trotz einschlägiger Citate nicht ein wahres Wort. .i".ip ist nach keiner einzigen Quelle den Landleuten zu Liebe, sondern sie ist von den Mitpropheten des! Moses eingerichtet, und zwar zu dem Zwecke, damit . man nicht drei Tage ohne .iini sei, und von Esra rücksichtlich der Anzahl der Aufzurufenden geregelt . (vgl. hierüber Mag. Abr. 135. Anfang und einschl. Stellen, besonders Baba Kama 82 a.) Uebrigens ist diesem Blendwerke des Verfassers daS Kainszeichen - aufgedrückt. Jeder Nüchterne we.tz, daß unsere eben zu viele waren, um den Landbewohnern! zweimal das Bruchstück eines Siebtel .".12 zugänglich werden zu lassen und alles klebrige gleichgiltig zu negiren. Doch genug dieses Unsinnes. — Brr,! ein anders Bild: die Neumondsseier. „Der Neu-! mond war in biblischer Zeit ein vollkommner Fest-! tag und wird bei allen Gelegenheiten den Sabbaten! und hohen Festtagen gleich gestellt (belegt durch 3 Bibelstellen); jetzt ist er sehr wenig feierlich, beson- ' ders seitdem unser Kalcnderwesen mathematisch sixirt, die Feier des ersten Neumondstages ist des Gebetes unwürdige Selbsttäuschung und widersinnig." Ja, . widersinnig, lügnerisch von Anfang bis zu Ende.! Wichtige Principienfragen gebieten uns, uns bei die-! sen Plaudereien etwas länger auszvhnUen. Nach diesem Geschreibsel hätte es also im biblischen Altcr-! thum vollkommen den Sabbaten und hohen Fcstta- > gen gleichgestellte Tage gegeben, die die Sichel der Zeit abgemäht habe; eine schöne Erfindung deS Reformators, nützlich weniger für das Verständnis; der Vergangenheit, denn als Präcedenzsall für die Intrusionen der „Propheten der Zukunft", aber: „So füblt man Absicht und man ist verstimmt." Nein, mein Liebster, was nicht in der als hoher Festtag geheiligt ist, das ist kein solcher (vgl. Ez. 44. 20 n. Tract. Men. 45a.) Ganz ebensowenig aber wird je ein den Sabbaten und hohen Festtagen gleichstehender Tag seine Feier verlieren. Zur ten- , denziösen Glorifizirung der einstigen Neumondsseier werden 3 Citate dargereicht, von denen 2, nämlich 2 Kön. 4. 22. und Jcs. 66. 23, nicht die Spur beweisen, die sind nur zum Spectakel da, und in dem guten Glauben niedergeschricben, daß alle Leser sich Sand in die Augen streuen lassen. Es bleibt noch eine, sage eine Stelle übrig, welche die Gleich-! stellung des Neumondstages mit den hohen Feier-! tagen beweisen soll und diese eben beweist — gar

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