Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 31 (26.12.1860)
- Date
- 1860-12-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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366 Leitende Artikel. Hlirrrlrünnerie.! Was ist ein Charlatan? Ein Solcher, welcher vorgibt, Dinge zu können oder zu wissen, die er in der That weder kann, noch weiß, ein Schreier, wel-! cher auf dem Markte Dinge feil bietet, denen Eigenschäften beiwohnen sollen, die sie nicht besitzen, ein Lärmmacher, der behauptet Vieles oder gar Alles zu wissen, in der That aber wenig oder doch nur von Allem Etwas weiß. — Charlatane gibt es in allen Zweigen des geschäftlichen Verkehrs und auch in der Wissenschaft. An der Börse nennt man sie Schwindler, in der Medicin treten sie als Wunderdoctoren auf und so fort, und so fort. Soeben kömmt uns ein ganzes Paquet der in Szeged in in Ungarn erscheinenden, von Oberrabbiner Leopold Löw herausgegebenen Zeitschrift für jüdische Theologie (ne!) zu. Nach einer Mittheilung des K. K. Postamts zu Wien liegt die Schuld der verspäteten Uebersendung an der Nedaction, die das von uns bestellte Exemplar zurückbchalteu habe. Es ist Schade darum, mir sind dadurch außer Stande! gesetzt, den Inhalt des ganzen Haufens von Vlät- , lern, die außerdem nicht einmal vollständig einge- ' lausen, sorgfältig zu prüfen; wir können nur darin blättern, doch was finden wir nicht Alles schon beim Durchblättern? Zuerst fällt uns die häufige Erwähnung des „Mainzer Israeliten" in die Augen. Hier erwähnt Herr Löw, daß er ihn seit Nr. 5 nicht mehr liest, dort wird aus guter Quelle mitgetheilt, der „Mainzer Israelit" werde seine Eorrespondenten und Mitarbeiter auffordern kein Schaatnes zu tragen (die gute Quelle trügt; unsere geehrten Mitarbeiter und Eorrespondenten bedürfen einer solchen Aufforderung nicht), dann wird derselbe getadelt, daß er so unfreundlich war, ein Lied an den Chanukahbaum zu rügen, dann treffen wir sogar ein Stückchen Französisch gegen unsre Zeitschrift; doch halt, das müssen wir uns näher betrachten. Französisch? nein, das ist es nicht, es soll es nur sein; es ist nämlich eine einzige gegen uns gerichtete Zeile aus den sr-ob. isl-. abgedruckt, und diese enthält 6, sage sechs Fehler. Wir sind nicht kleinlich, wir wissen sehr gut, wie unvermeidlich Druckfehler sind, wenn man nicht das Glück hat, einen guten Correktor zu besitzen — allein l; Fehler beim Abdrucken eines kleinen Bruchtheils eines Satzes, das ist nur dann > möglich, wenn der Herausgeber selbst nicht versteht, was er drucken läßt. — Aber ist es denn nothwendig, daß ein Oberrabbiner, jüdischer Theologe und Zeitungsredacteur des Französischen mächtig sei? Nein, durchaus nicht; wenn er aber seinem Publikum aufbinden will, er verstünde, was er nicht versteht, das nennt man Charlatanerie. Es liegen für das Ebengesagte noch Beweise vor in demselben kleinen, von Frankfurt a. M. datirten Artikel. Im Anfänge desselben wird nämlich den arob.!«r. eine Notiz entnommen die — gar nicht darin steht; es soll nämlich nach den arob. Ixr. Herr Rabbiner Hirsch in der orthodoxen Synagoge (zu Frankfurt a. M.) eine Aenderung des vorgeschriebenen Rituals eingeführt haben; das Factnm ist weder wahr, noch steht es in den arl.-b. Und das läßt sich Herr Löw von Frankfurt a. M. schreiben! — Außerdem kömmt in dem in angeblichem Französisch wiedergegebenen Stückchen ein Wort vor, das wahrscheinlich nicht in Herrn L.'s Taschenwörterbuch steht. Doch genug davon; Herr L. versteht wahrscheinlich das Deutsche und Hebräische ebensogut wie das Französische; denn seine Anmaßung kennt keine Grenzen, und jeder Erfahrene weiß, was sich hinter maßloser Anmaßung verbirgt. Wir haben das vorher constatirt, um zu etwas Wichtigerem überzugehen. Herr Löw behauptet nämlich, die babylonische Gemara habe die Mischnah mißverstanden! Uns fällt hierbei der Ansspruch eines berühmten Gelehrten ein. Man hat nämlich behauptet, Aristoteles habe den Plato mißverstanden: „Wenn Aristoteles, der 20! Jahre Platos unmittelbarer Schüler und zwar „Aristoteles" gewesen, Plato nicht verstanden hat, wer ' hat ihn da verstanden?" Wir wären berechtigt ebenso I zu schließen. Wenn die babylonischen Amoraim, de- ' ren ältester (Naw) selbst noch zu den Tanaim gezählt wird, die Mischnah nicht verstanden hat, wer 1 hat sie da verstanden? Etwa Herr Low? Doch nein, wir wollen nicht so schließen; uns sind die babylonischen Amoraim die Träger der göttlichen. Lehre, aus deren unversiegbarem Brunnen wir noch