Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 30 (19.12.1860)
- Date
- 1860-12-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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LeiLerr-e Artikel. Die MetkoM äer Aeßorm, Die Zunftgenossen der Reform, vom Lehrburschen bis zum Altmeister haben sich dem Publicumgegenüber das Ansehen gegeben, als seien sie die alleinigen Pächter der Wissenschaft, als sei Alles, was sie thun und nicht thun, aus purer wissenschaftlicher Nöthigung geschehen, die win. starrköpfigen Orthodoxen gar nicht zu begreifen, viel ^weniger zu würdigen verstehen, und indem sie das hohe Roß der Kritik besteigen und jubelnd über die Gottessaaten des Judenthums wegtraben, schleudern sie uns den hohnneckenden Blick zu, daß wir zu solcher kritischen Kunstreiterei weder. Fähigkeit n^och Geschick haben. Und doch ist es ein ganz eigenthümliches Ding mit dieser Wissenschaft, mit dieser wissenschaftlichen Nöthigung. Lesen wir uns einmal aus der Trödlerbude der Reform einige Lappen zusammen und sehen wir zu, wo denn da eigentlich die Wissenschaft sitzt. Die weiland Rabbiner» ersammlungen hatten die heiligen Gebote des Judenthums, weil sie ihren Bestand ganz in Frage gestellt, zu Beschneidungs-, Sabbat-, Speisegesetzu. s. w. Fragen gestempelt, und sie allesammt durch wissenschaftliche Gründe, wie sie sagten, zu reformiren gesucht. Die Wissenschaft muß, nach unserm Dafürhalten, nur sich selbst Rechnung tragen, unbekümmert welche Resultate sie durch ihre Untersuchungen erzielt, muß sie auf ihr Ziel gerade lossteuern, sie darf nicht von irgend einer Meinung parteiisch eingenommen sein, indem sie ihren Weg beginnt, darf, weil sie nicht kann, es gar nicht wissen, wohin der Weg führen werde, und nur so und nicht anders verdient sich die Wissenschaft ihren Namen. Wie ist's nun mit der Reform? Wem trägt die Reform Rechnung?. Ist bei ihr eine parteiische Eingenommenheit von vorgefaßten Meinungen nicht anzutreffen? Kennt sie beim Beginnen ihrer wissenschaftlichen Untersuchungen das Ziel noch nicht, dem sie zusteuert? Wir wollen anstatt aller Antwort eine ganz kurze geschichtliche Netrospection der reformistischen Bestrebungen im Judenthume, oder besser in der Judenheit halten. Wir werden die Sache bei ihrem Namen nennen und uns 364 - nicht^kümmern, wenn man uns eines literarischen Cynismus zeihen wird. Es waren in den Hauptstädten Deutschlands zuerst und dann auch in den kleinern Städten und zuletzt selbst in den Dörfern und Flecken der Leute etliche, die gekitzelt von dem Wohlgerüch der'christlichen Kuchen nicht Herren ihres Gaumens werden konnten und sie griffen muthig in die Fleischtöpfe Aegyptens, um — ihrer Sinnlichkeit Genüge zu thun. Dann gab es dort wiederum etliche, denen das Geld höher ging als die Sorge um ihr Seelenheil, der Sabbat mußte — ihrer Habgier zu Liebe verwerthet werden. Nichts ist so ansteckend wie das Beispiel, aus den Etlichen wurden Viele, die irreligiöse Praxis war da, war massenhaft da, und die Herren von der wissenschaftlichen Reform schufen für diese irreligiöse Praxis die irreligiöse Theorie. Ihr Herren von der Börse , und den Kaufläden, ihr hattet den Sabbat entweihet, weil euere Habgier stärker war als euer Goftvertrauen, wartet, die Rabbiner der Reform werden euere Sabbatentweihung nach wissenschaftlichen Gründen rechtfertigen, die scharfsinnige Kritik wird den religiösen Codices so hart, zu Leibe gehen, daß diese selbst zuletzt die beurkundeten Fürsprecher unserer Handlungen werden müssen- (Wen brauche ich noch zu erinnern, wie die Kritik dieser Wissenschaften z. B. aus rr"tt das Orgelspiel am Sabbat in der Synagoge zu urgiren wußte?) Ihr Herren von der christlichen tadle ä'liots, ihr habt bis jetzt aus allzu großer Nachsicht gegen euren Gaumenkitzel gesündigt, wartet, die gelehrte Reform wird, um mit dem englischen Dichter zu sprechen, in unseren irreligiösen Wahnsinn rnvrr' ,iiw w Ott ttdtt ttrnn Oitt j'tt — schon die rechte Methode bringen; sie wird auch trotz Daniel,.8er nicht in der arabischen Wüste gelebt und der einige Jahrhunderte jünger als Moses, lehren, daß das Speisegesetz nur locale und temporelle Geltung hatte. Ein sentimentales Gemüth hat einen Horror gegen das Blut, nicht gegen das Lhierische Blut, welches das heilige Wort verbietet, sondern gegen ."W'O er läßt seinen Knaben nicht beschneiden, o, die schwach- und mattherzige Seele wird nicht blos aus sentimentaler Zerflossenheit über den n-O 'tt sich hinwegzusetzen brauchen, die pfäffische Condescendenz hilft darüber leicht hinweg, sie wird das Unmögliche möglich machen und selbst aus der Thora