Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 29 (12.12.1860)
- Date
- 1860-12-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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351 kein jüdisches Lesebuch bekannt, daß nur den billigsten Anforderungen gesetzestreuer Juden genüge; wir möchten daher unsere fähigen und begabten orthodoxen Rabbiner und Lehrer, an denen wir ja G. s. D. nicht arm sind, dringend auffordern, dem vorhandenen, tiefgefühlten Bedürfnisse abzuhelfen. Bei verhältnißmäßig geringer Mühe wird das Werk, äusserst lohnend, wenn es mit Tact und pädagogischer Umsicht ausgeführt wird; es müßte außer den üblichen Lcsestücken zur Belehrung und Unterhaltung, einen Abriß der jüdischen Geschichte bis auf unsre Zeit enthalten und müßte auch der jüdisch-deutschen Schrift Rechnung tragen. Würde Jemand ein solches Buch orthodoxen Männern von Ruf zur Begutachtung vorlegen und deren Empfehlung erlangen, so versprechen wir unsrerseits zur Beförderung und Verbreitung deffelben nach Kräften beizutragen. D. Red.) Preußen. Schnbin, 27. November. In Nr. 26 Ihres sehr geschätzten Blattes wird Auskunft über einen gewissen vr. K. verlangt; ich glaube im Stande zu sein, Näheres jüber diese ber... Persönlichkeit mittheilen zu können. Joseph K. (Koppel) ist in dem kleinen Flecken G. (Gonsawa) von armen, in strengster Orthodoxie lebenden Eltern geboren. Derselbe hat keinen andern Unterricht als den in der katholischen Schule seiner Vaterstadt genoffen, half nach Austritt aus der Schule seinen Schwestern im Schneidern, bezog nebenbei die Jahrmärkte mit einem kleinen Pfefferkuchenhandel und als es ihm dabei nicht glücken wollte, applicirte er sich beim hiesigen Gerichte als Vogenschreiber, wo er den Grund zu seiner nachmaligen Größe legte. Denn hier machte er den Anfang, den Sabbat öffentlich zu entweihen und unerlaubte Speisen zu genießen. Nachdem er trotz seiner schnellen Aufklärung seinen Laufpaß erhalten, übersiedelte er nach dem Städtchen I. (Janowiece), wo er eine Privat- Elementarschule errichtete. Hier setzte er sich eine Brille auf, that unter den Ignoranten sehr gelehrt und spielte die Nolle eines Tarlüffe meisterhaft. Doch auch diese Nolle konnte er nicht lange behaupten. Die Angst vor einer Prüfung als öffentlicher Elementarlehrer, sowie ein Korb, den er von einer bemittelten, anständigen Wittwe erhalten und die Aussicht zur Schneiderei zurückkehren zu müssen, nöthigten ihn, sein Heil außerhalb des Vaterlandes zu suchen. Er ging zuerst nach Frankreich, wo er sich in den Schooß der katholischen Kirche soll haben aufnehmen lasten. Da ihm aber der schnelle Wechsel von einem Erwerbszweig zum andern zur zweiten Natur geworden war, wandte er sich bald darauf nach England, dem Lande der Sekten und Missionäre. Hier soll er sein neues religiöses Kleid wieder abgestreist und zur anglikanischen Glaubensfahne geschworen haben. Sein Plan aber, sich als Missionär auszubilden, um eine fette Pfründe zu erzielen, soll ihm nicht gelungen sein, und so begnügte er sich, einen ähnlichen Posten bei einer Privat-Missionsgesellschaft zu bekleiden. In dieser seiner neuen Condition besuchte er vor wenigen Monaten seine Vaterstadt und auch die benachbarten Städte, um seine erlangte Größe zur Schau zu stellen, und gleichzeitig seine nagelneue Erfindung in der Proselytenmacherei zu versuchen. Er will nämlich die Güte haben, seinen ehemaligen Glaubensgenoffen sämmtliche Gebräuche zu lasten; nur will er sie mit der Taufe beglücken. Daß der neugebackene vr. K. auch mit dieser Bekehrungs-Methode Schiffbruch leidet, versteht sich von selbst. Hoffentlich ist die Zeit nicht mehr fern, wo wir den ber... Doctor K. wieder am Nähtische oder auf den Jahrmärkten in seinem Pfefferkuchenbüdchen erblicken werden. R. Asien. Damaskus. „Ha Maggid" bringt die Nachricht, daß alle in Damaskus eingekerkerten Israeliten ihrer Haft entlasten, nachdem sich alle gegen sie gerichteten Anklagen als Erfindungen des Haffes und der Bosheit herausgestellt hatten. Nachschrift. Einer telegr. Depesche der ll. l>. entnehmen wir die beglückende Nachricht, daß H. v. Schmerling in das öst. Ministerium eingetreten und die Gleichberechtigung aller Confessionen als sein Programm aufgestellt habe.