Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 29 (12.12.1860)
- Date
- 1860-12-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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349 dox-israel. Bibelanstalt von Herrn Raphael Kirchheim in Frankfurt a. M., die von Anfang bis zu Ende vollkommen aus der Luft gegriffen sind. Wir ersuchen die verehrliche Redaktion des Ilniv. wr. um gefällige Aufnahme dieser unserer Erklärung und empfehlen derselben für künftig etwas mehr Mißtrauen gegen diesen ihren „gelehrten Mitarbeiter", dessen Artikel der überaus schätzenswertsten Zeitschrift überhaupt nicht Zur Ehre gereichen. — Auch in Nr. 49 der a. Z. d. I. ergeht sich Herr N. K. in Unwahrheiten und zieht aus falschen Prämissen höchst beleidigende Konsequenzen, die wiederum dem Nedacteur jener Zeitung seiner berüchtigten Schmühsucht zu fröhncn, Gelegenheit geben. Der Charakter des Herrn N. K. ist viel zu bekannt, als daß wir uns mit ihm in eine Discussion einlassen könnten; wir hatten sonst die in einem bekannten deutschen Sprichworte so prägnant ausgesprochenen Folgen zu tragen. Zur Steuer der Wahrheit nur Folgendes: Herr K. versichert mit Pathos, daß der verstorbene Iost sich gegen unser Blatt ausgesprochen habe; was will das heißen? Da wir J., als er noch lebte, wiederholt als Apostaten gekennzeichnet hatten, so war seine Eingenommenheit gegen diese Zeitung sehr natürlich; ein Gleiches wird man von Geiger, Stein, Grätz u. s. w. u. s. w. mit vollstem Rechte erzählen können. Daß wir aber dem Herrn I. Ansichten cscamotirt haben, ist eine Unwahrheit; unser geehrter Franks. Correspondent ist eine höchst achtungswerthe Persönlichkeit, dessen „Ja" tausendmal mehr gilt, als Herrn K.'s „Nein".*) — Bis dahin hält sich Herr K. noch in den Grenzen des Anstandes. Was soll man aber dazu sagen, daß Herr K. sich nicht entblödet, frech zu lügen, um uns des literarischen Diebstahls anzuklagen? In Nr. 26 d. V. hat unser geschätzter B.-Correspondent dem vr. I. einen Jrrthum nachgewiesen. Herr K. bezüchtigt nun uns des liier. Diebstahls, „weil jene Entdeckung mit allen literarischen Nachweisungen aus Grätz Geschichte S. 532 entnommen sei." Im ersten Auj den r»reU. isr. kennten wir .nicht ihrem ganzen Wortlaute nach! bringen, da die Wiedergabe einer darin erzählten piquanten Anek- > vote von einem nicl'ljüdischcn Organisten unserm religiösen Ge- > (Verlags zu Wro. genblick erschraken wir; doch gesetzt, es verhielte sich so — was könnten wir dazu? Welcher vernünftige Mensch wird uns zumuthen, ein Plagiat sofort zu entdecken? Neulich rcklamirte ein Deutsch-Amerikaner ein Plagiat in den Grenzboten; es fiel ihm jedoch nicht ein, die Redaktion darob zu verdächtigen. O, ihr Modernen, die ihr von den Nichtjnden Alles lernt: die Einrichtung der Gotteshäuser, das Speisen an nichtjüdischer tal-lo ä'lwte, das Rauchen am Samstag :c. rc., warum lernt ihr nicht auch von ihnen Sitte und Anstand - Wir holten natürlich sofort das Grätz'sche Geschichtswerk herbei und fanden daselbst nicht ein Wort von Jost's Berichtigungen und dessen Jrrthum; es ist also die Entdeckung desselben volles Eigenthum unseres geehrten Correspondenten. Derselbe, ein bekannter Literarhistoriker, hat sicherlich die vor 2. Dccennien erschienenen Jost'schen Annalen früher gekannt als des G.'sche Geschichtswerk. Was soll man zu solchen literarischen Gassenbubenstreichen sagen? Man schweigt und - verachtet sie, ebenso wie die Schimpfreden des Nedacteurs jenes parteiischen Organs für alles unjüdische Interesse. Wenn wir auch diese unsre Feinde: ,r>'Ov rix und Consorten, nicht zu lieben verpflichtet sind, so lasten wir ihnen mindestens Gerechtigkeit wiederfahren und erkennen allüberall gern ihre etwaigen Verdienste an. Wir haben das bei jeder Gelegenheit bewiesen. Sie aber wollen nur schimpfen, verleumden, verdächtigen; sie achten das Sittengesetz ebensowenig wie das Ceremonialgesetz. So lesen wir in derselben Nr. 48 die elende Verleumdung, daß von Eisenstadt und Weißenburg Meßiros ausgehen, daß die dortigen Heroen der Orthodoxie an der Ausgabe eines pnnktirten Talmud rüstig arbeiten, weil der unpnnktirte diesen „Frommen" schon manche Verlegenheit und Blamage bereitet habe und was derlei Unsinn mehr ist. Wahrlich, der sittliche Ekel, den dieses Geschwätz in uns hervorbringt, zwingt uns beinahe die Feder aus der Hand zu legen. Es reiht sich das an jene lächerliche Behauptung, die unlängst in der Zeitung des Judenthums zu lesen war, „der Rabbiner von Würzburg verstünde kein — Hebräisch." 2V des Israelit.)