Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 28 (5.12.1860)
- Date
- 1860-12-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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333 Entstehung' selbst einige Worte sagen. Durch Zufall mit der Geigerffchen Broschüre bekannt geworden, habe ich einige Zeit gezweifelt, ob man für ein solches Machwerk eine Feder eintauchen soll. Ich habe mich aber dennoch dazu entschlossen; theils, weil in unserer an jüdisch-rituellen: Wissen so armen Zeit, gar mancher Sinn, besonders durch die Citate aus Bibel und Mischna, wo solche unbeachtet bleiben, bethört werden könnte; theils weil ich überzeugt bin, daß das Schweigen auch rücksichtlich des Gröbsten und Schmachvollsten der antitraditionellen und antibiblischen Literatur von Uebel sei; theils endlich und ganz besonders, weil der Or. und Rabbiner der Synagogengemeinde Breslau wohl mehr aus der Schule geschwatzt hat, als es dieser lieb sein dürfte und wir daher Hier ein Compendium ihres . Glaubensbekenntnisses zur Benrtheilung vor uns haben, was immer ein ganz interessantes Document ist. Ich habe aus der Broschüre, obgleich mit großem Widerstreben, viele Stücke excerpirt, weil dies „nöthwendig" war, sie auf das ihr gebührende „Maaß", nämlich Vo Minus*) zurückzuführen. — Daß ich, wie natürlich, dem Gegner gegenüber, nicht meinen eigenen Standpunkt, nämlich den des traditionellen Judenthüms, einnehmen konnte, machte die Beweisführung mitunter etwas schwieriger, aber, wie ich hoffe, durch objective Strenge um so überzeugender. Möge nun diese Beurtheilung aufmerksam gelesen werden, und dies die letzte Veranlassung einer so. traurigen Pflicht, solchen Wahnwitz zu refutiren, sein. 1221 ro np 2"'w.-i wirin <(*°*.O'O2Q 12'^ 2'Q2 r>r< 7IP-I 210.1 Eisenstadt, Neumond Kislew 5621. -^-,-,1-, O'-rvIN. Es ist der Fluch der bösen That, Als der Glaubensheros Rabbi Akiba „Füchse" in dem Heiligthume aus- und eingehen sah, freuete *) Anm. des Verfassers. In der Arithmetik — unendlich. **) Anm. der Red. Wir erhalten erst heute, da wir nachher, darin blühende Wahnsinn. Wollte Gott, alle Gesinnungs¬ und" Bestrebungsgenossen dieses^ Geig er wären so aufrichtig wie er, sie hätten Alle bald'"— ausgegeigt. — er sich (Makoth 24 d ) , weil keiner der Wahrheit mehr diente als diese. Sie kennen weder Recht noch Wahrheit, weder Treue noch Glauben, nur die Verschlagenheit, nur die List, Nahrung zu erhalten und das Leben zu sichern, bedingt ihr Thun und Lassen, ihre Liebe und ihren Haß. Nichts aber kann der Wahrheit mehr dienen, als die abschreckende Betrachtung solcher Naturen, denen nichts heilig, nichts wahr und nichts nothwendig ist. Doch ich will nicht predigen, meine Freunde wissen, daß dies durchaus nicht nach meinem Geschmack ist. Vielmehr will ich von dem Geistesprodukte eines unserer neuesten, wenngleich unfreiwilligen Mitarbeiter, nämlich des vr. Abraham Geiger in Breslau, sprechen. Viele Leser dieser Zeilen werden dessen Broschüre: Nothwendigkeit und Maaß einer Reform des jüdischen Gottesdienstes, schon gelesen haben. Was sagen Sie zu diesem Prachtstück? Kann uns wohl mehr in die Hände gearbeitet werden, als durch solche Karrikaturen, selbst der Reform? Die die Schrift gelesen haben, wissen dieß; die klebrigen will ich durch folgende Recension zugleich mit dem Inhalte der Schrift bekannt machen. Ich werde dem Verfasser in seiner Ordnung folgen und Schritt für Schritt mit besonderer Beachtung der zweiten Betrachtung nach folgenden vier Betrachtungen meinen Stoff gliedern, nämlich: 1) Sinn. 2) Unsinn (theils innerer Widerspruch, theils Willkür). 3) Leichtsinn. 4) Wahnsinn. Schreiten wir zum Titelblatt: „Nothwendigkeit und Maaß einer Reform des jüdischen Gottesdienstes. Ein Wort zur Verständigung." Der Sinn des Ausdruckes Maaß ist nach der spätern Interpretation des Verfassers: das Ersetzen des 2Sw-Blasens durch eine ernste, würdige Musik st guas suvt al!a KvQsris sjusäsm. Der Unsinn liegt darin, daß Nothwendigkeit und Maaß sich einander ausschließen, entweder das x1u3 über das Maaß ist nothwendig, oder das Maaß über die Nothwendigkeit hinaus ist Willkür, beide Begriffe schließen sich aus. Leichtsinnig ist, was sich übrigens durch das ganze Machwerk hindurchzieht, vom „jüdischen Gottesdienste" zu sprechen, w<man nur vom „öffentlichen" spricht, der, wie den Sachkennern bekannt, im Judenthüine, wenn auch wichtig, doch durchaus nicht so wesentlich ist. W a h n s i n n aber muß man es nennen, wenn der Verfasser von