Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 23 (31.10.1860)
- Date
- 1860-10-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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278 erstehen zu lassen. Dieser Gedanke, aus ernster j Quelle entsprungen, fand vielen Anklang und wenn auch im Beginne die Vetheilignna an dem jetzt als „Loeiäto ckc-8 Ltnckes Dalniuckiiucs" bestehenden Vereine in beschränktem Maaße stattsand, so hatte dieß nur in der noch nicht genug er- und bekannten Tendenz dieses Vereines seinen Grund. In kurzer Zeit jedoch vermehrten sich die Mitglieder desselben dergestalt, daß cs ihm ermöglicht ward, einen zu den berühmtesten Talmudisten zählenden! Manu, den unlängst leider verstorbenen N. Löb - Sarassin, au seine Spitze zu berufen und ihm j die täglich zweimal stattfindenden Vorträge, Morgens! Lp .-."X UNd Abends '"l71 Lp ->-n2 ' 'LL-L1 zu übertragen. Nun war der erste, gutes Ge-! deihen dem Verein verheißende Schritt geschehen, ini dein diese öffentlichen und Allen zugänglichen Vor- > träge der Mittelpunkt der Zusammenkünfte unserer! Orthodoxie wurden. Hiezu kamen noch die allsabbatliche ^L-.L-Vorträge, welche eine Menge Zuhörer herbeizogen. In diesem Sinne und Geiste wirkte dieser Verein unbehelligt und mit Allen im besten Einvernehmen stehend, bis vor einigen Jahren, als das Reformfieber auch in Frankreich zu grassiren begann, mehrere edle und wackere Mitglieder desselben mit nockanderen Gesinnungsgenossen durch den bekannten Proabsichtigten Reformen hervortraten. 'Natürlich war durch diesen nothgedrungenen Schritt die Parteilosigkeit aufgehoben. — Man ließ sich jedoch nicht beirren und ging , weiter im Wege des Guten, wiewohl eine Anzahl j reformfreundlicher Männer aufhörten, dem Vereine ' anzugehören. Das Wirken der besonders sich auszeichnenden Vorstandsmitglieder ging nunmehr namenilich dahin, eine Schule zu gründen für junge,! unbemittelte Kinder insbesondere — welche mit den reichen das gemeinsame Loos theilen, in crasser Un-! wissenheit in Bezug auf jüdisches Wissen aufzuwachsen —, in welcher sie in Mifchnah und Gemara in Verbindung mit profanem Wissen unterrichtet werden. Wiewohl mancher geheimen und öffentlichen Opposi-! tion entgcgengearbeitet werden mußte, so konnte doch Nichts die Strömung des Guten in seinem Laufe aufhalten; die Schule ward gegründet und blüht G. s. D. Wir hoffen, daß mit der Zeit das edle, uneigennützige, reinjüdische Streben der erwähnten Männer endlich überall Anerkennung finden und zum Segen und Heile Aller gereichen wird. Als neuer Beweis der Unermüdlichkeit Letzterer im Guten, vermag die erst in jüngster Zeit erstandene und nur durch die größten Opfer nach allen Seiten hin Bestand habende Fleischbank, wo nur "^'2 'rirr'.-iL debitirt wird, Zeugniß ablegen. Auch hier erfuhren mir viele, sehr viele Anfeindungen, und mußten unermeßliche Schmierigkeiten beseitigt werden, bevor die Realisirung des Projektes nur .möglich wurde. Allein Ausdauer überwindet alles Entgegenstehende und der wahrhaft jüdische Sinn ermüdet sobald nicht. —pf. Italien. Turin. Auf eine Petition der „allgemeinen israelitischen Allianz" um Unterstützung der Schritte, welche Mortara Behufs Wiedererlangung seines in ein Kloster gesperrten Sohnes gethan, hat Graf Cavour unterm 3. October erwidert, daß die Negierung des Königs, überzeugt von der Gerechtigkeit der Neclamationen Mortara's, Alles thun werde, was in ihrer Macht stehe, um diesen Knaben, für den sich die öffentliche Meinung Enropa's so lebhaft interessier, seiner Familie zurück zu geben. (F. I.) Nom. Seit einiger Zeit wandert ein abgeschmacktes Mährchen durch die Zeitungen. Bekanntlich besteht die Sängercapclle des Papstes zum Theil aus Castraten. Nun wurde ausgesprengt, man gehe damit um, den jungen Mortara zu verstümmeln, um ihn in jene Capelle einzureihcn. Wir schätzen uns glücklich, mittheilen zu können, daß das „Giornale di Roma" die ganze Geschichte für eine abscheuliche Verleumdung erklärt.