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Der Israelit · 1860-10-17 · Heft 21 (17.10.1860) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 21 (17.10.1860)
Date
1860-10-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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248 fuß 1 fl.;. I. Tedesco 1 fl.; zusammen 55 fl.; abzüglich Porto 54 fl. 36 kr. Gesammtsumme 4366 fl. . . Zeitungsnachrichten. Deutschland. Kassel, im Septbr. (Schluß.) „Nus welchem Grunde lernen eure Geistlichen die hebräische Sprache?" fragte ein schlichter, einfältiger Jude den Professor N. in M—g? „Ihr les't die Bibel ja in deutscher Uebersetznng, auch citirt ihr die Texte zu euren Predigten auf deutsch, weder in der Kirche noch im Hause ist das Hebräische gebräuchlich, wozu also die unnütze Mühe?" „„Darüber will ich Ihnen Aufschluß geben, sagte der Professor gutmüthig lächelnd. Wenn wir Gelehrten in frühern Zeiten uns über Dinge unterhielten, die den Juden und besonders ihren Nabbinen ein Geheimniß sein sollten, so bedienten wir uns einer fremden Sprache und waren sicher, daß wir nicht verstanden wurden. Aber jetzt, wo die Nabbinen Griechisch und Latein und Englisch und Französisch und alle möglichen Sprachen erlernen, wissen wir uns keinen andern Nath, um den Inhalt unserer Unterhaltung vor ihnen zu verbergen, als — wenn wir Hebräisch sprechen!"" — Diese scherzhafte Antwort des Professors ist gleichwohl eine treffende Satyre auf gewisse Facta, auf die wir hier nicht näher eingehen wollen, da sie jeder kennt. Wir wollen nur d i e Wahrheit davon herausgreifen, daß die Kenntniß der hebräischen Sprache unter uns Juden in der That mit jedem Jahre abnimmt, und nothwcndiger Weise mit diesem Mangel das Judenthum immer mehr und mehr verfallen muß. Denn des Judeuthums innerstes und eigenstes Wesen ruht in der Thora, die nur in der Ursprache uns in ihrer ganzen Tiefe sich erschließen kann; und innig mit ihr verwachsen sind die 7)1^2, denen nur die hebräische, heilige Sprache die selbstbewußte Seele einzuhauchen vermag. Warum sollen wir uns eines so unschätzbaren Kleinods so leichtsinnig, so gleichgiltig entäußern? Doch nur durch die unverkürzte Beibehaltung des Hebräischen in unserm Gottesdienste ist der Anlaß geboten,^ das Hebräische zu studircn; wird die deutsche Sprache hingegen an ihre Stelle gesetzt, dann bleibt das Hebräische nur noch Studium der Gelehrten. Wie wahr und richtig diese Annahme ist, zeigt uns eben wieder die Wirksamkeit des Herrn Adler in unserer Gemeinde. Es sind jetzt einige Jahre her, als Herr Adler, die nachtheiligen Folgen der eingerissenen colossalen Unwissenheit auf religiösem Gebiete erwägend, in einer warmen Ansprache an die Gemeinde über die Abnahme des Eifers in unsrer Zeit klagte, sich über religiöse Dinge zu belehren, und die erwachsene Jugend nicht allein zum fleißigen Bibelstudium aufforderte, sondern sich auch ' erbot, einen geeigneten Unterricht im Hebräischen, in i der Neligions- und Pflichtenlehre rc. bereitwillig zu ertheilen. — Herr Adler pflegt in Kassel selten ver-! gebens zu sprechen; seine Worte pflegen Beachtung, , seine Vorschläge Unterstützung zu finden. Man hätte demnach, wenn auch keinen starken Zndrang, keine zahlreiche Theilnahme, doch einen kleinen Kreis! wißbegieriger Jünglinge erwarten dürfen, die, wie 1 einst um Nomann, sich um den verehrten Volkslehrer! geschaart hätten, um aus seinem Munde Belehrung über das Judenthum zu vernehmen, und wieder nach! alter Sitte, nach vollbrachtem Tagewerk auch ein Stündchen zu „lernen". Aber das schöne Wort verhallte — spurlos! der Plan kam nicht zur Ausfüh-! rung. Wir geben gern zu, daß der Sinn für jüdisches Wissen hier eben nicht zu Hause ist. Dennoch war es ja Nomann gelungen, eine Anzahl junger! Leute täglich um sich versammelt zu sehen, die sogar Talmud bei ihm lernten, und es hatte während seines Hierseins die Wissbegierde und das Streben! der jungen Leute eher zuals abgenommen, so daß gewiß mit der Zeit die Thora hier wieder Boden , gewonnen hätte. Aber die Thütigkeit nach dieser! Richtung wurde von Herrn Adler nicht sofort wieder aufgenommen, und so erkalteten die Leute dafür, und als nun gar deutsche Gebete legalisirt wurden, und bei Vielen die Hoffnung, bei Vielen die Erwartung i einer allmählichen, gänzlichen Umgestaltung des bis- - herigen Ritus Raum gewann, da mußte naturgemäß der Eifer zur Erlernung der hebräischen Sprache er« - lahmen. Man hatte es ja Gott Lob und Dank nicht I mehr nöthig! — Freilich — mit den Reformen ging! es auch nicht in so großartigem Maßstabe, als man j anfänglich dachte, voran; allein Herrn Adlers

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