Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1860-09-27 · Heft 18 (27.9.1860) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
1 (1860)
Issue
Heft 18 (27.9.1860)
Date
1860-09-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2446952-2446971--00237-2455403
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

214 wir haben keine Vorstellung von dem Nichts, das vor der Schöpfung sein mußte; wir begreifenes nicht! Ist denn aber nur das m ö g l i ch, was wir, uns vorstellen, was wir zu begreifen vermögen? Die Endlichkeit und Beschränktheit unseres Geistes, welcher Alles nur in Raum, und Zeit zu denken.vermag, ziehen sie nicht selbst da unserm Fassungsvermögen eine Grenze, wo das Zeugniß unserer Sinne, verbunden mit den einfachsten Betrachtungen, uns k - sagt, daß keine Grenze sei?' Wir blicken in den Sternenhimmel, und in. dem Maße als wir tiefer mit dem bewaffneten Auge in seine Herrlichkeit dringen , entdecken wir immer neue und neue Wellen. Es'ist kein Ende, es kann kein Ende dieser Fülle sein, und dennoch haben wir keine Vorstellung von der Unendlichkeit des Raumes; wir fassen sie so wenig als die Unendlichkeit der Zeit, wir begreifen., das raum- und zeitlose Sein so wenig als den Mangel alles Seins! Die Frage nach dem Ursprünge des Materiellen, die Frage der eigentlichen Schöpfung, wird dem Menschengeiste niemals sich erschließen. Sie ist kein Gegenstand der Wissenschaft. Die Materie ist für uns. ein Gegebenes. Es lehrt aber die Wissenschaft, in Uebereinstimmung mit der religiösen Ueberlieferung, daß die Welt, so wie sie heute ist, nicht von jeher so bestanden hat. Nun kennt die Naturwissenschaft keine Kräfte außerhalb des Stoffes; wir erschließen ja die Kräfte nur aus ihren Wirkungen im Materiellen, denn diese allein sind Gegenstand unserer Erfahrung. Dem Materialismus genügt dies, das Dogma auszusprechen: „Keine. Kraft ohne Stoff, der Stoff war von Ewigkeit, die Mäste in und mit ihm." Sehen wir zu, wie dieser ewige Stoff mit den ihm inhärirenden Kräften die Weltschöpfung aus sich selbst vollbringen konnte?! Hier drängt sich zuerst die Frage auf: Was hat die von Ewigkeit bestehende Materie zuerst in die Bewegung gesetzt, deren Folge ihre heutige Gestaltung war? Was machte die in ihr ruhende Kraft zuerst thätig? Oder, war diese Kraft nie ruhend, war sie immer thätig , was ertheilte ihr auf einmal die-Bewegung, vermöge deren aus dem Stoffe-die Wellen entstanden? - Und dann eine zweite .Frage! In ihrer äußern Form wie in ihrem Innern trägt die Erde die Zeugnisse Mr ihre Entstehungsweise,'Mr die Geschichte ' ihreE^ spätern Umwandlungen.-? Die Bedingungen, runter welchen sie sich — jenen Zeugnissen zufolge — zuerst-Mfand, waren von der Art, daß sie das Lesien und die Existenz von Lebenskeimen ausschloffen. Nur mechanische und chemische Kräfte herrschten auf dsr - aus feurigflüssigem Zustandeerstarrenden Erde. Wie erwachte Nun später auf ihr das Leben der Thier- und, Pflanzenwelt — zuletzt das Menschenleben? Der Materialismus spricht von einer „Urzeugung", von einem in den Dingen selbst liegenden Zusammenwirken natürlicher Kräfte und Stoffewelches die organische Welt geschaffen, er läßt durch eine A6N6i'Ltio A6tMV0ea die Erde sich beleben und findet es ganz in der Ordnung, daß aus Muschelthieren, unter geeigneten Umständen, im Laufe von vielen Jahrtausenden endlich Menschen geworden sind. — Alles durch Naturnothwendigkeit! Wemnlaber selbst der. in dergleichen Anschauungen Befangenste gestehen muß, daß sich beim Betrachten der uns umgebenden. Natur der geistige Eindruck einer unmittelbaren, schaffenden Ursache nicht immer abweisen lasse, so'sagt man,-es sei der Grund -für dieses Gefühl eben nur darin zu suchen, daß wir die endlichen Wirkungen einer während vieler Millionen von Jahren thätigen Action natürlicher Kräfte im einem Gesammtbilde vereinigt sehen, und uns so nicht wohl vorstellen mögen, daß die Natur das Alles aus sich selbst hervorgebracht habe. Der Annahme so wunderbarer Wirkungen der Jahre läßt sich freilich der einfache Satz entgegenstellen, daß, wenn mechanische und chemische Kräfte überhaupt nicht fähig sind, Leben zu erzeugen, sie gewiß auch in Millionen von Jahren dazu nicht fähig sein können; denn 0 millionenmal genommen gibt immer NUD-O. Die Antwort auf die Frage: wie denn wohl im Laufe der Millionen von Jahren, durch das Zusammenwirken von physischen und chemischen Kräften, das Leben entstanden sei oder nur entstanden sein könne, bleibt uns der Materialismus schuldig! Es ist aber ein unwissenschaftliches Verfahren, durch, das allgemeine Behaupten eines ursächlichen Zusammenhanges den Nachweis der Art desselben zu ersetzen. Nur die schon angeführte Schlußfolge,-in welche man

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.