Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 17 (20.9.1860)
- Date
- 1860-09-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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eine Verfassung gab, welche für alle Bürger, gleichviel welchen Glaubens, die volle Freiheit der Culken "üüd Gleichheit der Rechte verkündigte, kamen auch außer den Auswanderern von Algier einige Familien von Mapodor. Es entstanden damals in Privatwohnungen zwei kleine Synagogen, in welchen man sich zum Gebete vereinigte. Allmählich stieg die Zahl der dortigen Israeliten auf 150, worunter sich schon mehrere bedeutende Handlungshäuser befanden. Wir dachten jetzt, sagt unser ehrenwerther Correspondent, daß es an der Zeit sei, unsere Gemeinde in würdevoller Weise zu organisiren, und bei einer Gemeindeversammlung am verflossenen 13. Juni wurde beschlossen, daß sofort nur e i n Gotteshaus hier bestehen, und daß zu besten Erbauung, sowie zu der einer Mikwah und eines Bethchajim, eine Subscription im Auslande eröffnet werden und der Ankauf sofort zur Ausführung kommen sollte. Nachdem un-. sere wohlhabenden Familienhäupter, deren Zahl sich auf 18 belief, so viel, als in ihren Kräften stand, unterzeichnet hatten, belief sich die Hauptsumme auf ungefähr 30,000 Frs. Ein Theil dieser Summe wurde sogleich zum Ankauf eines Grundstückes für die Synagoge bestimmt. Da jedoch der Ueberrest für die Erbauung derselben nicht ausreichte, so wurde beschlossen', daß man sich mit einem Ausruf an unsere auswärtigen Glaubensbrüder wende, um ihre Mitwirkung zu erbitten für eine so heilige Sache, von so hochwichtigem Interesse für jeden Israeliten, der sich in Lissabon niederlassen will, und zur Befriedigung seines religiösen Bedürfnisses alles Nöthige vorsindet. Die erforderlichen Documente wurden den Herren Josua Benoliet, Jacob Franclin und Costa Lindo in London zugestellt. Diese Herren zeigten den frömm- ' sten Eifer, in dieser Angelegenheit thätig zu sein, als sich die spanisch-maroccanische Frage erhob, welche die Israeliten in Lissabon nöthigte, ihre Bemühungen und Arbeiten vorerst einzustellen, um den aus Marocco nach Spanien ansgewanderten Flüchtlingen zunächst zu Hilfe zu kommen. Dieser edle Zug von Barmherzigkeit unserer portugiesischen Glaubensbrüder bedarf keines Commentars. Das von der israelitischen Gemeinde zu Lissabon ernannte Comitö besteht aus 7 Mitgliedern, nämlich: 1) Die Herren Mostes Buzaglo„ Großhändler, Präsident. 2) Abraham E. Levy, Cassier. 3) Der Ritter der französischen Ehrenlegion, Jsaae Gardozo, ehemaliger Consul des Beys vpn Tunis zu Gibraltar, Sekretär. 4) Abraham v.S^ Cohen, Gutsbesitzer. 5) M. von S, Sernya, Großhändler. 6) Jsaac Aplato, Großhändler. 7) M. Buzaglo, Großhändler. Mit Ausnahme ihrer Zulassung zur Staatsverwaltung genießen die Israeliten in Portugal einer ebenso großen Freiheit, wie in den freisinnigsten Ländern Europas. Bis jetzt ist noch kein Rabbiner in Lissabon. Zwei Marokkaner vertreten die Stellen des Chasans nnd des Schochets. In dieser kleinen Gemeinde sind mehrere durch ihre Tugenden, ihre erhabene Denkweise und durch ihre Wohlthätigkeit hervorragende Israeliten. Wir haben schon von Herrn Abraham E. Levy, Vorstand des Banquierhauses, Moses Levy u. Cie. gesprochen. Einer besondern Erwähnung verdient wohl Md. Cohen, ein wahres Muster von Frömmigkeit und Wohlthätigkeit. Ihre Börse und ihr Haus sind immer geöffnet, um unseren Glaubensbrüdern und allen leidenden Menschen zu Hilfe zu kommen. Sie bestreitet einen großen Theil der Gemeindebedürfnisse, hat 5500 Fr. für die Erbauung der Synagoge und 1000 Fr. für die Auswanderer von Marocco gespendet. Diese fromme israelitische Frau ist verehrt, gesegnet von Allen, die sie kennen. Mit solchen Elementen kann einer gedeihlichen Zukunft entgegengesehen werden; mit Israeliten, durchdrungen von heiligen Gefühlen für Gott und seinen Glauben; unter einer so duldsamen und gerechten Regierung, inmitten eines Volkes, welches in so würdiger Weise den Weg des Guten verfolgt, wird die Gemeinde zu Lissabon bald ein Gegenstand der Freude und des Stolzes für das ganze Judenthum werden. An den äußerstenn Grenzmarken Europas liegend, wird sie durch ihre Fortschritte, ihre Civilisätion, ihr musterhaftes Verhalten ebenso ein Beispiel und eine Lehre für die maurische Barbarei, wie für die spanische Intoleranz sein. Die Israeliten aller Länder werden immer den Blick auf diese vorgerückte Schildwache unseres Cultus richten, die unter dem strahlenreichen Himmel Portugals die schönen Tage einer ruhmwürdigen und unsterblichen Vergangenheit wieder zum Aufleben bringen wird. (Univ. isr.)