Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 1 (1860)
- Issue
- Heft 16 (12.9.1860)
- Date
- 1860-09-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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190 treue und Gesetzesfeindschaft, die heilige Gotteslehre < nicht kennend, deren Lehrer er zu sein wahnt'^Nur^. unter solchen Unrständen war es denkbar, daß' eine , große Menge preußischer Gemeinden eine von PH. ausgehende Petition an die Staatsregierung unter- ' schreiben konnte, ohne sie vorher gelesen zu Haben,; eine Petition, in der die "Protokolle der Rabbiner- Versammlungen gleich einem Gesetzbuchs citirt wurden,! eine Petition, in der 250 jüdische Gemeinden (eS ist entsetzlich!) um Gestattung derMischeh e n nachsuchen! — Es war ihm ferner gelungen, ein Institut zur Förderung der jüdischen Literatur ins Leben! zu rufen, das in seinen meisten Erzeugnissen allem ' Echtjüdischen Hohn sprach; hier wurden Novellen sabricirt, deren eigentliche Tendenz es ist, jüdische Sitte, jüdischen Brauch, ja, jüdische Neligionsgesetze zu verhöhnen und zu verspotten. Wir verweisen nur ' ans den unbekannten Nabbi, auf die Parallele in dieser Novelle zwischen Synagoge und Kirche, auf - die Marannen, auf Frankens „Nach Jerusalem", ans ' Josi's Geschichte des Jttdenthums u. s. w. u. s. w.; , und für solch' ein Institut hat PH. Tausende von ' Abonnenten gefunden! Der Ph?schen Richtung ähnlich treibt in Ungarn Löw von Szegedin sein Wesen. Bemüht, die Heroen; des Judenthums zu verdächtigen, bemüht au die Stelle des geoffendarten Gottesgesetzes einen hohlen! Rationalismus zu setzen, leistet auch Löw allen dem Judenthume feindlichen Elementen Vorschub — und das orthodoxe Judenthum? Es seufzte und weinte über Druck und Verfolgung, über Schmähsucht und Verleumdung. Jetzt ist es G s. D. anders geworden; als PH. in seinem Ucbermnthe und seiner Selbstüberschätzung . es wagte, Hand an das geschriebene Gottesgesetz zu! legen, eine Anstalt ins Leben rief, seine Bibelübersetzung, die vorher unbeachtet geblieben war, zu stereotypiren, wie er ein Institut ins Leben gerufen hatte, um seine vordem zu Makulatur gebrauchten Novellen an den Mann zu bringen, da war endlich die Zeit gekommen, in der sich denkende und gesin- . - nungstüchtige Männer zusammenschaarten, um endlich! 'diesem gottlosen'Treiben Halt zu gebieten, damit nicht! eine unbeanstandete Bibelanstalt eine Übersetzung ver- 1 bteite, welche an die Stelle des geoffenbarten Gottesgesches die bodenloseste WMür'setzt. Der Allgütige gab > Gelingen, die Vertreter des orthodoxen Indenthums, oftmals als klenüe, ohnmächtige Partei verhöhnt, erkennen südlich selbst ihre. Stärke und ihre ungeahnte .Kraft; sie erheben sich endlich wieder, um sich das Iudcnthum ungeschmälert und unverfälscht zu. erhalten, ^Kräfte, die vorher nur vereinzelt wirkten, -vereinigen 'sich zu genlemsamem , 'gotterfülltem Streben, und überall herrscht Frische nud Jugendmuth., Gebe der Allgütige, daß diese Zeitung stets der Ausdruck und das i>gan aller reinen und edlen Bestrebungen innerhalb des Judenthums sein möge, damit sie das Vertrauen rechtfertige, das ihr von allen Seiten so reichlich entgegengctragen wird, damit sie all die schönen Hoffnungen verwirkliche, die sich an ihr Erscheinen in so reichem Maaße knüpfen! Möge es mir bei dieser Gelegenheit vergönnt sein, eine Thräue der Erinnerung dem edlen Freunde zu widmen, welcher den ersten Impuls zu dieser Zeitschrift gab. Ach, Du hast die Verwirklichung Deines schönen Planes nicht mehr erlebt, der Du in Deinem kurzen Leben so viel des Guten gestiftet, dessen Gedanken, Worte und Thaten nur der heiligen Sache unsrer gottentstammten Religion geweiht waren! Rabbi Scholaum Hirsch aus Halberstadt, wer in den weiten Gauen unseres Vaterlandes und selbst jenseits seiner Grenzen, kennt nicht diesen Namen? welcher Arme hat ihn gekannt und ist nicht von ihm unterstützt worden, welcher Unglückliche hat seine Hilfe beansprucht und hat sie nicht erlangt? Der treueste Freund, ein edler Mensch, ein wahrhafter Jude, lebte er nur für das Iudcnthum und seine heiligen Institutionen, widmete er, wiewohl Kaufmann, den größten Theil seiner Zeit dem Studium der Gotteslehre, und unterstützte zugleich mit seinen reichen Mitteln arme Talmudgelehrte aufs Kräftigste; er hat zuerst den Kampf gegen Philippson unternommen, hat in (anonymen) Zuschriften vor Unterzeichnung jener oben erwähnten Petitionen gewarnt, hat in Anoncen der a. Z. d. I. selbst auf die Gefahr der Ph.'schen Bibelanstalt aufmerksam gemacht, und hat mich oftmals zur Herausgabe einer orthodoxen Zeitschrift zu ermuntern gesucht. Er weilt jetzt bei den frommen Vätern, aber der Segen seines reichen, wenn auch kurzen Lebens wirktmach. Die liebevolle Güte, die ihn vor allen seinen Mitmenschen be-