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Jüdische Zeitung · 1920-11-12 · 30 (12.11.1920) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
30 (12.11.1920)
Date
1920-11-12
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 30 Nach Erledigung dankte Herr Waltuch dein Vorsitzenden Regierungsrat Taussig itn Namen des Kongresses unter lebhaftem Beifall ffir die umsichiige und objektive Leitung der Verhandlungen. Nach einem Schlußwort des Vorsitzenden, welcher die geleistete Arbeit hervorhob, wurde die Tagung unter Absingung der ..Tikwah“ geschlossen. Brandeis Memorandum Das nachstehende Memorandum von Justice Brandeis ist von der Exekutive der Zionistischen Organisation Amerikas als Richtschnur für die von ihr zu schaffenden Pläne für Palästina- Arbeit und die Neuorganisation des amerikanischen Zionismus angenommen 'worden. Brandeis bezeichnet -es zunächst als das Ziel. Palästina in verhältnismäßig kurzer Zeit mit einer (überwiegenden indischen Einwohnerschaft zu bevölkern, die aus wirtschaftlich hinreichend kräftigen Elementen besteht, sich mit der Zeit zu einer einheitlichen Volksgemeinschaft verschmilzt um schließlich ein unter Selbstverwaltung stehendes Gemeinwesen (commonwealth) zu werden. Er stellt fest, daß das Land die Voraussetzungen für Arrsiedlimg und Entwicklung erfüllt, um sodann ausführlich von den naturgegebenen und temporären Schwierigkeiten der Siedlung zu sprechen. Diese Darlegungen fassen Dinge zusammen. die zur Genüge bekannt sind. Dann folgen nachstehende Ausführungen zur Frage: Wie soll ■las Geld für diejenigen allgemeinen, grundlegenden öffentlichen Erfordernisse aufgebracht werden. die ais ..Kriegsausgaben“ zu betrachten sind und deren absolute Notwendigkeit nicht gestattet, auf ..Rentabilität“ zu sehen. Die Aufbringung der Gelder. „Diese Aufgabe kann nicht völlig oder auch nur in erheblichem Maße privater Unternehmung überlassen wenden. — wenigstens nicht privatkapitalistischer Praxis in gewöhnlichem Sinne des Wortes. Denn bei gleichzeitiger Beteiligungsmöglichkeil an anderen Unternehmungen würde kein Kapitalist bei uns ein Risiko ein gehen ohne Aussicht auf entsprechenden Gewinn. Die aber besteht bei den augenblicklichen GeLdverhältmssen und Anschaffungskosten überhaupt nicht und wäre jedenfalls nur bei Anwendung eines Ausbeunnwsverfahrens denkbar, das dem Pittsburger Programm widerspräche. Aber abgesehen von diesem Programm würde solche Ausbeutung nie geduldet werden. Es bleibt den Juden als einziger Ausweg, daß sie selbst die nötigen Fonds auibringen und verwalten. Da das palästinensische Judentum hiezu in nennenswertem Umfang nicht beizutragen vermag, müssen diese Gelder aus dem (laJuth kommen. Die auizubringendeu Summen würden am besten in Form von Kanitalsaniagen gezahlt werden. wie beispielsweise beim 1. C. T. oder der „Zionist Commonwealth“, da hierin keine \er- DTücntuns *einsr Oe-gsnteistumr enthalten ist. Aber sie dürfen nicht die Form von Investierungen oder Dariehen anneiimea. die Zins tragen, — da Zinsen auf lange Zeit hinaus nicht herausgewirrsch affet werden können nnd nur durch neue Erhebungen bezahlt werden könnten. Wir dünen weder ausgesprochen noch stillschweigend die Verteilung erwecken, daß irgendwelche Gegenleistung in Form von Dividende in Kürze möglich sei' Die einzige Verpflichtung, die übernommen wenden kann ist die. daß das Geld in vernünftiger und wirksamer Weise ausgegeben wird. d. h. im Wege zweckmäßiger Anlage bei größter Sparsamkeit. Geschieht dies, so werden diese Ausgaben ais gute Anlagen, zu betrachten sein. d. h. als solche, von. denen das jüdische Volk und mit den die EinzeLbesitzer der Einlagen und Anteile hoffen dürfen, einen entsprechenden .Ertrag“ zu erlangen. Abgesehen von den Aufgaben des Landk auf es. der Aufforstung und 4er Befriedigung unerläßlicher öffentlicher Erfordernisse bkiibt für die Juden in Gahith ein weites Betätigungsfeld^ in der Aufbringung solcher Fonds, die als reguläre Kanitaisanlage behandelt sein wollen. Finanz-InstitEtioneii. Die Kreditbeschaffung für landwirtschaftliche. industrielle und kommerzielle Unternehmungen und solche seitens der Gemeindeverwaltungen sind nicht so sehr von öffentlichen Aktionen abhängig, trotzdem werden auch hier öffentliche Institutionen in Ergänzung der privaten uns -gute Dienste im Hinblick auf die Entwicklung des J.andes leisten. Das Vorhandensein öffentlicher Mittel wird die notwendige Zinseniast erleichtern.. .Mißbrauch in der Kreditgewährung wird durch sie verhindert und es besteht größere Sicherheit in bezug -auf eine zweckmäßige Verwendung der Gelder. Ferner ersparen sie den Geldgebern jene Unzuträglichkeiten, die ans der Kontrolle der Kreditauellen durch private Instanzen sich ergeben. Einbegriffen in den Kreis der KredLierteiier sind die Konsum- und Produktionsgenossenschaften A. P. C und L C. T. hn allgemeinen isr das die Aufgabe, die A. P. C. und I. C. T. ursprünglich übernommen und zum Teil ja bisher auch erfüllt haben. Sie sind (jetzt dazu nicht mehr imstande, teils, '»veil ihre Kapitalien dazu nicht ausreichen, teils, weil ein erheblicher Teil ihrer Gelder in Darlehen der Zionistischen Organisation oder der ..Zionist Commission“ angelegt sind oder aber in Grundbesitz und Hypotheken. Das arbeitende Kapital des I. C. T. und der A. P. C. sollte so verstärkt werden, daß sie in der Lage wären, kurzfristigen Kredit für Handel und Industrie zu gewähren. Dies hätte ent gescheiten teils »durch Kapitateerhährmg. teüs durch Abaahhm der Darlehen, welche der ZiomSstisöhen Organisation und der „Zionist Commission" gegeben wurden, ferner durch Verwertung des Grundbesitzes und der Hypotheken. Zu diesem Zweck sollte 1. ein Verkauf neuer Aktien des L C. T. und der A. P. C. stattfinden. 2. sollten Gelder aufgebracht werden, um die Schulden der Zionistischen Organisation und der „Zionist Commission“ abzalilen. .1. sollte eine Landbank gegründet werden, um die Immobilien der A. P. C. zu erwerben und in Zukunft ordnungsgemäße Hypotheken auszugeben. Der Verkauf der Landbankaktien ebenso wie der der Anteile des 1. C. T. und der A. P. C. müßten sehr bedeutende Summen .erbringen. Diese Aktien müßten Gewinn bringen und es müßte von vornherein eine mäßige Dividende gezahlt werden, so daß der Gewimrüberschuß dazu verwendet werden kann, einen Reservefonds zu biiden. Battgelder. Es ist eine dringende Notwendigkeit, daß in den Städten für die Neuankömmlinge einfache Behausungen geschaffen werden. Es sollte das auf Boden geschehen, der für das jüdische Volk erworben worden ist. Die Baukosten für solche Häuser -s'nfl infolge des Krieges und der dortigen Primitiven Verhältnisse heute um ein Vielfaches teurer als sie voraussichtlich in ein paar Jahren sein werden. Bewohner von Häusern, die unter gegenwärtigen Verhältnissen gebaut wenden, werden jetzt und immer eine abschreckend, hohe Miete zu zahlen haben, um die Zinsen und die auf dem Boden ruhenden Lasten aufzubringen. Ein Teil der Kosten dieser neuen Häuser muß billi-gerwcise als eine ..Kriegsausgabe“ betrachtet werden und muß als solche vom Diasporal«dentum getragen werden. Mit anderen. Worten: Die Gegenleistung für diese Summen muß geringer sein ais sie zu sein hätte, wemi man* die ganze Summe als eine heute gemachte Investierung ansähe. Es ist daher nur eine geringe Gegenleistung zu er* warten, in Form einer Dividende auf Aktien, durch welche 'die Baukosten ‘dieser Häuser auizaibringen wären. Aber den Käufern solcher Hätiscr sollte stets klar gemacht werden, daß dieise Häuser später in bezug auf den Mietsertrag zu konkurrieren haben werden mit Häusern, die später unter günstigeren Bedingungen gebaut werden. Forschungsinstitute. Auch liier müssen Beiträge aus der DiasDOTa helfen, sowohl als Kapitalanlage wie zur Deckung der laufenden Ausgaben.* Die Erforschung eines neuen Landes — das Kemtentemen seiner Hilfsquellen. seiner Möglichkeiten. Schäden und Fährnisse. und wie ihnen zu begegnen sei. — ist zweifellos eine Aufgabe, 'die vom Gemeinwesen selbst erfüllt werden sollte. Es ist eine Ausgabe, die von jeder klugen Verwaltung zu fordern wäre und sollte eigentlich von der palästinensischen Verwaltung ebenfalls geleistet werden. Aber viele neue Länder vermögen sich selbst so nützliche Ausgaben nicht zu leisten, das heißt sie können die Steuerlast nicht tragen, die ihrer spärlichen und. darbenden Bevölkerung auferlegt werden müßte, um die Kosten solcher Forderungen aufzubringen. In solchen Fällen kann Armut ein Land in verhängnisvoller Ungewißheit halten. Gelder riir diesen Zweck »müssen unbedingt aufgebracht werden, wenn nicht die wünschenswerte Kenntnis der lokalen Verhältnisse allzulange auf sich warten lassen solL Bis zu einem gewissen Grade mag auch Geld für die Erziehung einzelner Personen, insbesondere _ im höheren Schulwesen und Fachstudium auf gleiche Weise beschafft werden. Doch müssen m dieser Hinsicht ganz enge Grenzen aus iolgenden Gründen streng beobachtet werden. „Kein leichtes Leben in Palästina.“ Die Entwicklung, die wir erstreben, ist unmöglich ohne eine im wesentlichen sich selbst erhaltende Bevölkerung. Die Notwendigkeit ‘ schneller Besiedlung im Verein mit 'den Bedingungen des Landes erlauben uns nicht eine Bevölkerung dadurch heranzuziehen, daß man die Siedler sich selbst überläßt so daß nur die Besten sich durchsetzen, und darauf zu vertrauen, daß der Selbsterhaltungstrieb zu den notwendigen Opfern Zwinger, werde. Wir and durch die gegenwärtigen Verhältnisse im Lande und durch die politischen Erfordernisse gezwungen, selbst iene neuen Bedingungen zu schaffen, unter denen Selbsterhaltung allein möglich ist. Aber wir ■müssen dabei vorsichtig sein und keinen Schritt 'weitergehen als notwendig ist sonst -demoralisieren wir die Siedler, hindern jede Entwicklung und schaffen überdies eine Bevölkerung von Unerwünschten. Es muß daher unser Bestreben sein, zu ermitteln, in welcher Hinsicht liiife gewährt werden -kann, ohne bei den einzelnen Ansiedlern das Unabhängigkeitsgefühl oder die Selbstverantworhmg zu stören oder gar zu zerstören, Ich bin der Meinung, daß wir gerade so weit gehen dürfen, die oben geschilderten neuen Bedingungen zu schaffen, aber auch nicht um Haaresbreite weiter. Das heißt wir müssen sorgen ffir Land. Wasser. Gesundheit. Aufforstung. Ktcditerieich.terung. gewisse Wohngelegenheit Institutionen für nötige Forschung Und für einen begrenzten Betrag für Erziehung, ohne die Siedler zu entnerven und zu demoralisieren. Wir können unser Ziel, eine möglichst sich selbst erhaltende Bevölkerung zu schaffen, nicht erreichen, wenn man den Siediem nicht beibringt solche Schwierigkeiten auf sich zu nehmen, die denen gleichen, welche kühne Pioniere in anderen Ländern,' ertragen haben. Die Parole muß 6ein: ..Man kann nicht leicht in Palästitta Geld verdienen“ und! „Es Ist ktfaa leichtes Leütsd dort für ireendwen“. Und die izion&tisebfen Beamten müssen das Beispiel geben in einfacher Lebensführung, hoher Denkungsart und harter Arbeit. Die Einwanderung. Es ist klaT. daß die zionistische Organisation als solche weder direkt noch indirekt irgendwelche Hilfe gewähren sollte, um eine Einwanderung nach Palästina zu veranlassen. Das bedeutet aber nicht daß sie nicht denjenigen eine zeitweilige Hilfe leisten soll, die augenblicklich ins Land kommen. Es ist jedoch im höchsten Grade wünschenswert, daß insbesondere die zionistische Organisation in Amerika solclie Hilfe nicht eher leistet als es unbedingt nötig ist. Im Augenblick wäre es besser, sie dem Joint zu überlassen und die internationale zionistische Organisation und damit auch die Amerikas sollte sich solchen Arbeiten zuwenden, die sofort als aufbanende Maßnahmen gewertet werden können. Mit anderen Worten: es ist wünschenswert — sofern es zu erreichen wäre — daß die Fürsorge für die Einwanderer vom Tag ihrer Ankunft bis zu ihrem Eintritt ins wirtschaftliche Leben aller Art anderen Organisationen Vorbehalten bliebe. Das ist vielleicht nicht ganz folgerichtig, aber die Gefahren, die bei anderer Lösung der Frage entstehen, sind sehr groß. Anderseits mag es ratsam sein, einige landwirtschaftliche Projekte sofort zu verwirklichen, von denen Einwanderer dauernd absorbiert werden können. So sind wir überzeugt davon, daß Balfouria ein Erfolg werden wird. Die dort und anderswo gesammelten Erfahrungen mögen den. Weg zu jenem erfolgreichen Landwirtschaftsbetrieb weisen, der in Palästina durch uns geschaffen werden soll Es ist politisch und wirtschaftlich wichtig, daß Palästina weitgehend „Selbstversorger* wird. Palästina-National-Anleihe. Die Regierung Palästinas unter dem Oberkonuiiissar ist dabei, eine ..Palästina-National-Anleihe“ voii 2,500.000 Pfund Sterling aufzulegen. Es ist unerläßlich für den Erfolg unseres ganzen Werkes, daß diese Anleihe pünktlich und ausreichend gezeichnet wird. Das amerikanische Judentum muß seinen Teil übernehmen. Und die Zionistische Organisation zusammen mit allen anderen. die an der Entwicklung Palästinas interessiert sind, muß dem sofort all ihre Energie widmen. Fonds. Aus dem Vorhergehenden ist ersichtlich, daß die Zionistisch Organisation einzelne Fonds für folgende Zwecke zu errichten hätte: A. Fonds mit dem Charakter wirklicher K a p i t al s a n 1 a ge n- 1. Palästinensische Regierungsanleihe. 2. I. C. T„ A. C. P. und die Landesbank. B- Fonds für Q u a si - K a p.i t al s a n 1 agen. 3. Zionistisches Gemeinwesen. 4. Aktien für Wasser-, Elektrizität- und Beleuchtungswcrkc. Irrigation und Drainage. 5. Bauprojekte. 0. Verschiedene landwirtschaftliche Unternehmungen. C- Spcndcn-Fonds. 7. Aerztliche Hilfe. 3. Institute für Forschung und angewandte Wissenschaften. 0. Aufforstung. 10. Universität, Bibliotheken, Museen usw. 11. Landkauf. 12- Laufende Erziehungsausgaben, die jedoch eng begrenzt sind, so daß ein erheblicher Teil von den Palästinensern selbst aufzubringen ist. Verwendung der Fonds. Es muß darauf gesehen werden, daß diejenigen Fonds, die wir errichten, auch zweckmäßig verwendet werden. Soweit es sich als nötig erweisen sollte, müssen wir die Verwaltung dieser Fonds durch Gesellschaften, Institutionen oder Beamte durchführen lassen, dj-e von uns kontrolliert werden. Es ist jedoch zu hoffen, daß in der Verwaltung der internationalen Organisation eine durchgreifende Verbesserung bald stattfindet, so daß solche Sonderaktionen im allgemeinen nicht notwendig sein werden. Diejenigen, welche zu einem der obengenannten Zwecke Mitte! hergeben, müssen die Sicherheit haben, daß die von ihnen aufgebrachten Gelder, ob sie nun als Kapitalsatifage oder als Spende zu betrachten sind auch wirklich ihrer Bestimmung gemäß verwendet werden. Es ist deshalb folgendes zu fordern: 1. Die Verwaltungskosten der Zionistischen Weltorganisation in allen ihren Teilen, sowohl in Palästina wie in der Diaspora, müssen durch die Schekoiint gedeckt werden. 2. Die Verwaltung der Zionistischen Organisation in Amerika und der örtlichen Organisationen müssen durch die Landesbeiträge gedeckt werden oder durcti besondere Spenden zugunsten der Verwaltung und Propaganda. 3- Von dem Gelde, das als Kapitalanlage oder Spende einfließt, darf nichts für die Unkosten verwendet werden, welche durch die Aufbringung des Geldes entstehen. Es sei denn, daß der hlefü bestimmte Prozentsatz rechtzeitig und ausdrücklich in den Prospekten der betreffenden Sammlung angegeben ist. Auch muß häuiig und in weitestem Maße Rechnung gelegt werden. Die Organe. durch welche diese Sonderaufgaben direkt oder indirekt seitens der Zionistischen Organisation zu unternehmen sind, werden verschieden sein je nach dem Charakter der betreffenden Aufgabe. Als oberste Instanz sollte ein maßgebendes Board of Trustees gegründet werden, das der Zionistischen Organisation von Amerika verantwortlich /

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