Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 29 (29.10.1920)
- Date
- 1920-10-29
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 29 Seich im nahen Orient' beruht auf Palästina und dieses Palästina muß seiner Rolle gewachsen sein. Es kann ihr aber nicht oachkommen. wenn es nicht in seinen Grenzen die Wasserkräfte umfaßt ohne die wirtschaftliche Gesundheit und Kraft unmöglich sind. (Aus „Palestme“.) Ein Anfb anplan. (J. C.-B.) Vor einiger Zeit hat ein bekannter amerikanischer Ingenieur, der Zionist P. Rottenberg. der zionistischen Organisation in London ein großzügiges Projekt über die Irrigation und die Elektrifizierung Palästinas unterbreitet, wor- Iber vorläufig in der Oeffentlichkeit nur soviel verlautet daß dieses Projekt berufen ist eine große Umwälzung in der bevorstehenden großzügigen Arbeit in Palästina hervorzurufen. Für die Durchführung dieses Planes wäre eine längere Zeit und eine Kopfzahl von 100.000 geschulten und nngeschulten Arbeitern erforderlich. Der Plan wurde dem von der zionistischen Jahreskonferenz in London eingesetzten Econonrical Council, das den britischen Minister für öffentliche Arbeiten. Sir Alfred Mond, zum Vorsitzenden hat vorgelegt und hierauf eines Spezialisten zur Begutachtung übergeben. Dieser Spezialist ein auf diesem Gebiete ausgezeichneter Fachkenner in England, hat das Projekt und dessen Verwirklichimgsmögilichkeiten überaus günstig befunden, so daß das Economical Council In Kürze an die Ausführung schreiten wird. Wie verlautet, sollen einige Zebnmillionen Pfund nötig sein, für deren Aufbringung günstige Aussichten vorhanden sind. ' _____ Sprechsaal Zum Parteitag Das jüdische Volk befindet sich gegenwärtig ia einer sonderbaren und ganz eigentümlichen Situation. Ein zweitausendjähriger Traum soll in Erfüllung gehen. Was täte es nun eher not, als daß es sich aufraffte und den Schlaf aus den Angen wischte! Doch es scheint sich im Zustande der Lethargie zu befinden. Deswegen das Mißlingen der Londoner Konferenz und deswegen die bald darauf zutage getretene Krisis. Die erste zionistische Konferenz, der die unmittelbare Inangriffnahme realer Aufbautätigkeit in Palästina zugefallen war, brachte nicht nur nicht die gewünschten Resultate, sondern zog vielmehr noch eine gewisse Stagnation nach sich und im Gefolge die Einschränkung des Budgets für die Arbeiten der zionistischen Kommission in Palästina. Es ist ein sehr leichtes Auskunftsmittel, will man diese Zustände auf eine Sabotage der amerikanischen Zionisten zurückführen. Man kann verschiedener Meinung sein über den Standpunkt der amerikanischen Führer, die bä der Londoner Jabreskonferenz für die Beschränkung der offiziellen zionistischen Tätigkeit auf die ökonomische Arbeit eintraten, nachdem das politische Ziel als bereits erreicht zu betrachten wäre. Hernach wäre die jüdischkulturelle Arbeit in der Galut wie auch teilweise tn Palästina und überhaupt für Palästina im Prinzipe anderen Faktoren im jüdischen Volke, mögen es auch inoffiziell dieselben Zionisten sein, zu überlassen. Kann man ihnen nicht beipflichteO, so muß man sie zumindest verstehen. Es darf nicht außeracht gelassen werden, was diese letzthin allenthalben so sehr verlästerten Amerikaner alles geleistet haben und nicht zuletzt auch in finanzieller Hinsicht, um die zionistische Organisation aktiv zu erhalten. Jedoch bedarf des keiner weiteren Ausführung. Wer aber glaubt, daß die Geldmittel der amerikanischen Zionisten unerschöpflich sind, der kennt einfach die Verhältnisse nicht. Wer in den Wahn verfallen ist, daß sie derzeit über genügende Mittel verfügen und dieselben vorenthalten, dem sei die Lektüre der amerikanischen zionistischen Presse empfohlen, damit er eines besseren belehrt werde. Die Amerikaner brachten in den letzten Jahren ihre Gelder durch sogenannte Kampagnen auf. Neben den allgemeinen Kampagnen für die Rettungsaktion zugunsten der Juden Europas ging von Zeit zu Zeit eine zionistische Kampagne vor sich. Nun ist die nicht sehr erfreuliche Tatsache zutage getreten, daß die letzte Kampagne, die im vorigen Winter begann und auf eine Zunahme von zehn Millionen Dollar berechnet war, kaum die Hälfte hievon einbrachte. Vorläufig und gewiß nur vorübergehend mangelt es auch drüben an Geld und nur zur Not konnte bei der Sitzung der Exekutive von Ende September ein nachträgliches Minimum an Beiträgen für die vergangenen zwei Monate wie für die kommenden zwei Monate an die Londoner Leitung außer dem Budget für die amerikanische medizinische Kommission bewilligt werden. Wir stehen mithin hüben wie drüben mitten in einer Krise, die aus dem Umstande resultiert, daß wir den Üebergang vom Stadium der Propaganda, der Bearbeitung der öffentlichen Meinung, zum Stadium der Aufrichtung des jüdischen Landes noch nicht gefunden haben. Wir werden uns aber bald in die neue Lage hineinfinden müssen. Durch -den Keren Haje s s o d soll der Aufbau Palästinas in Angriff genommen werden. Die Pflicht jedes Zionisten ist es vor allem, für diesen Fonds den Zehnten seines Einkommens oder Besitzes beizusteuern. Eine weitere zionistische Pflicht ist es jetzt, ernstlich zu sorgen, daß andere geben. Und eine unerläßliche Pflicht einer zionistischen Leitung ist es, sofort diese Aktion zu organisieren, ohne Rücksicht darauf, ob die formellen Details bereits fertiggestellt sind oder nicht Der Keren Hajessad wird alle Schwierigkeiten beheben und nur von dessen Gelingen hängt die Abwendung der Katastrophe und die Verwirklichung des Zionismus ab. Wird der Parteitag der österreichischen Zionisten, der unter diesen Auspizien Zusammentritt, zu dieser Erkenntnis gelangen und werden die Delegierten auf der erforderlichen Höhe stehen? Werden die dort abzuhaltenden Debatten von reinen Zufallsmomenten getragen sein und wird ihnen unmittelbar die Arbeit folgen? Ich möchte nicht präjudizieren, aber um diese Fragen günstig beantworten zu können, sei hiemit dringend gewarnt vor einem Eintreten in Einzelheiten auf Kosten des Kardinalpunktes: des Keren Hajessod. Ich habe hier letztens auf die Notwendigkeit hingewiesen, die landespolitische Tätigkeit von der Palästinaarbeit zu trennen. Inzwischen sind viele zu dieser Erkenntnis gelangt. Meines Erachtens sollte der politische Referent im Landeskomitee durch den jüdischen Nationalrat oder wie er auch beißen mag. im übertragenden Wirkungskreise die landespolitische wie überhaupt die Galutarbeit verrichten lassen. Der Parteitag darf jedoch von dieser Frage nicht zuviel in Anspruch genommen werden. Sie soll einer Kommission zur Ausarbeitung von Vorschlägen übertragen werden und wenn sie zu viel Komplikationen ergeben sollte, einer speziellen Konferenz Vorbehalten bleiben. Wenn diese Frage sowie die Frage der Organisationsformen diesmal keine großen Divergenzen hervorruft, hingegen das Hauptaugenmerk auf die Frage, die im Mittelpunkte steht, gerichtet ist, dann wird die große Zeit an uns keine kleinen Menschen gefunden haben. S. Picker. Anzeigen HIHsgeometerkurs. Der vom Palästinaamte veranstaltete zweite Hilfsgeometerkurs beginnt am 1. November 1920. Der Zweck dieses Kurses ist, jenes Maß an geodätischen Kenntnissen und praktischen Fälligkeiten den Kursteilnehmern zu vermitteln, welches seine Absolventen befähigt, als qualifizierte Hilfskräfte im Vermessungswesen und die Stellung eines Geometerassistenten bei der Landesvermessung Palästinas einzunehmen. Diesem Kurse wird ein zweiter'Kurs für Bodenmeliorationskunde angeschlossen, dessen Aufgabe es sein wird, qualifizierte Kräfte im Meliorations- und Assanierungswesen für Palästina auszubilden und die Stellung eines Meliorationsmeisters einnehmen zu können. Für den ersten Kurs ist mindestens die Vorbildung einer Mittel- oder Bürgerschule erforderlich, während für den Eintritt in den Meliorationskurs die Absolvierung eines geodätischen Kurses nötig ist. Die Kursteilnehmer erhalten nach abgelegter Prüfung ein Zeugnis, weiches sie befähigen wird, die Ausstellung bei der palästinensischen Landesverwaltung zu beanspruchen. In dieser Hinsicht hat das Wiener Palästinaamt Schritte bei der palästinensischen Verwaltung unternommen. Die Leitung der beiden Kurse liegt in den Händen des bewährten Fachmannes Dr. Ing. Karl Lederberger, beh. aut Zivilingenieur und Geometer. Wir machen auf diese beiden Kurse besonders diejenigen Interessenten aufmerksam, welche für Palästina einen praktischen und aussichtsvollen Beruf ergreifen wollen. (Studenten. Intelütffcnzler usw.) Nähere Auskünfte werden täglich im Palästinaamt. Technisches Referat Wien, I„ Bauernmarkt 24, täglich von 9—1 Uhr erteilt. „Bar Glora“ ln Wien. Die am 15. d. M. stattgefundene 45. Generalversammlung der Vereinigung zionistischer Hochschüler aus dem Königreiche SHS „Bar Giora“ in Wien, hat für das kommende 36 Wintersemester folgenden Ausschuß gewählt: Obmann: Josef Finzi, cand. med.: 1. Sekretär: Jizchak Goldstein, cand. ing. agric.: 2. Sekretär: Hugo Zaloscer cand ing. agric.: Bibliothekar: Leon Steinitz. Stud d. Hochschule f. Welthandel: Kassierer: Josef Konforty. cand. med. Verein jüdischer Hörer an der Hochschule für Bodenkultur. Die ordentliche Generalversammlung wählte am 21. d M. folgenden Ausschuß: Obmann Georg Bök, Obmannstellvertreter Sigmund Mannheim, Kassier Hermann Krämer, Schriftführer Arnold Türkei« Bibliothekar David M. Thschiprothi' Palästtoareferent Abraham Fischer. Infolge der Uebersiediung ins Heim „Judäa“, IX., Türkenstraße 9. finden die nächsten Amtsstunden Dienstag, den 2. November, 3 Uhr. nachmittags, statt Jüdisch-akademischer Kultusverband „Jabre“. Sonntag, den 31. d. M.. wegen des zionistischen Parteitages keine Mitgliederversammlung. Sonntag, den 7. November 1. J., findet um 10 Uhr vormittags im Lokale des jüd. Expprtakademikervereines, IL. Taborstraße 1, die V. ordentliche Generalversammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Berichte; 2. Debatte; 3. Statutenrevision; 4 Neuwahlen und 5. Eventualia. All® Verbandsmitglieder werden ersucht Pünktlich zu erscheinen. Literatur Irma Singer. Das verschlossene Buch. 2. Aufl. Verlag R. Löwit. Wien. zeb. Mk. 15. — Das Märchenbuch der jungen Pragerin. welches geeignet erscheint den knappen Bestand an jüdischen Märchen zu ergänzen, ist nunmehr in zweiter Auflage erschienen. Die neue Auflage tist durch kldine textlfche Aenderungen. durch die innere und. äußere Ausstattung nach Entwürfen des bekannten Bildhauers und Malers Jakob L ö w sovyie durch das Satzbild von der ersten Auflage unterschieden. Das Buch ist sehr gut ausgestattet und wird unseren Kindern sicherlich eine willkommene Gabe sein. —v. „Kritik.“ Eine Monatsschrift, redigiert von M. Silbu.rg. Das vierte Heft dieser im Verlage „Der Kwall“ (II. Taborstraße 7) erscheinenden jüdischen Monatsschrift ist erschienen und hat folgenden Inhalt: Moische Silburj: „Was ich euch zu sagen habe“ (IV); N. V/einig: „Auf den Spuren eines neuen jüdischen Stiles“, Naftali Groß: „Aus meinen Visionen“; Al. Guriah: „Weißer als der Schnee“; A. Reubeni: „Der Liebhaber“; Else Lasker-Schüler: Drei Lieder (übertragen von Mojsche Rawitsch); Albert Ehrenstein: „Zwei Lieder“ (übertragen von M. Rawitsch); ferner Notizen von Moische Uwschitz, Mejlech Rawitsch, Mojsche Groß, A. M. Fuchs und andere. (Preis der Einzelnummer K 8.-.) Jüdischer Arbeitsmarkt. Unter diesem Namen erscheint eine Monatsschrift zur Förderung der Bodenkultur und Handwerke unter den Juden, herausgegeben von der Geschäftsstelle des Daniel- Bundes (Gesellschaft für ethische Erneuerung des Judentums E.V.), München, Bergmannstraße 7/4 Preis halbjährlich 6 Mark. Die bereits erschienenen vier Nummer enthalten. Beiträge über die Wichtigkeit der Berufsumschichtung der Juden, über Gartensiede’ungen. ferner Aufrufe zur Gründung von Handfertigkeits- und Hauswirtschaftskursen u. dgl. Der Anzeigenteil enthält u. a. Veröffentlichungen verschiedener jüdischer Stellenvermittlungsvereine. Ferner sind fünf Hefte: „Mitteilungen des Daniel-Bundes“ und „Jüd. Esperantist“ erschienen, die u. a. verschiedene Aufsätze über die Wege zur ethischen Wiedergeburt der Judenhaß enthalten. Preis 5 Mark. Probenummern kostenlos. Empfehlenswerte Firmes: (Jedes Wort 40 Heller, fett gedruckt 60 Heller) Isidor Trebitsch, Schnelderzugehör. 9. Bezirk, Servitengasse 12. Löw &. Weinmann. Seiden- und Wollstoffe. 1. Bezirk, Tuchlauben 12. Adolf Gans. Bettfedern, 1. Bezirk:. Tuchlauben 7a. F. fstlnger & Co„ Brennholz, 17. Bezirk, Haslingers asse 41. Richter & Donnebaum, Waschblaufaforik. Bratislava. SchönxSorfergasse 40. Wifh. Kohn, Herrenklefderkonfektion. I., Salvatorgasse 10. MOSES RATHS LEHRBUCH DER HEBRÄISCHEN SPRACHE Sfath-Amenu“ fUr Schulu. Selbstunterricht ist derzeit vergriffen Eine neue verbesserte Auflage erscheint anfangs September Preis eines schon ausgestatteten Exemplars, gebunden K 100. Bestellungen anf Adresse: MOSES RATH, WIEN IL, Taborstr. 20 a^-und in allen Buchhandlungen. | ill Saccharin Fabrikation gründlich zu erlernen. 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