Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 21 (9.7.1920)
- Date
- 1920-07-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelexemplar K 2.— Redaktion und Administration V¥l« ll., TaborstraBe I Fernsprecher Nr, 44038 n. 43319 XlV. Jahrgang Nr. 21 Naiional-jüdifches Organ Mit der öeüage: »Der jüdische Nationalfonds“ Wien, Freitag, tien 9. Juli 1920 8szaesrril8: Vierteljährig-13 K ganzj. 50 K, Einzelnummer 2 Ä Postsparkaiaenkonto 133.404 i- Die nächste Nummer der „Jüdischen Zeitung“ erscheint am Freitag, den 23. Juli 1920. Zionisten! . Heute sind es 16 Jahre, seit Theodor Heiz}, der Schöpfer des politischen Zionismus, die Augen geschlossen. An diesem Tage bringen wir die Erinnerung an den Mann; der sich in den Herzen des jüdischen Volkes durch sein .Wirken ein lebendiges Denkmal gesetzt hat. zu sichtbarem Ausdruck. Heute, da sein Schöpfertraum, seine hohen Ziele, vor der unmittelbaren Verwirklichung stehen, ergibt sich für uns der besondere Anlaß, das Gedenken an ihn zu erneuern, der vor der Erfüllung hingehen mußte, und wie Moses in der Fremde starb, ohne das neue Zion geschaut zu haben. Der große politisch-zionistische Erfolg von Sah Remo wäre nie möglich geworden, wenn nicht Theodor Herzls großzügige staatsmännische Konzeption die Grundlinien für die zionistische Arbeit vorgezeichnet hätte. Er war es. der das jüdische Problem zu einer Weltorganisation machte, der es mit seinen reinen Händen hinaustrug aus der Ghettoenge und die gesamte zivilisierte Weit, die Regierungen und die Machthaber zu dessen Lösung aufrief. Er hat uns die Weite des Blickes, die jüdische Würde und den jüdischen Stolz wieder- . gegeben. Er hat uns aufgerichtet und sein persönliches Vorbild war eine lebendige Vorahnung des künftigen jüdischen Menschen. Er hat in unserem Volke ein Licht entzündet, das nimmermehr verlöschen wird. In den Tagen, da sich der von ihm erweckte jüdische Lebenswille so machtvoll manifestiert und wir an der Schwelle der Erfüllung stehen, wollen wir das Andenken an den Unsterblichen würdig feiern. Solange der Döblinger Friedhof noch birgt, was an Herzl sterblich war. wollen wir nach langjährigem Brauch zu seinem Grabe ziehen. Wir fordern alle Zionisten auf. Sonntag, den 11. Juli am Gange zum Grabe Herzls teilzunehmen. Es soll eine imposante Heerschau der Zionisten Wiens werden, eine Manifestation unserer Stärke, die schönste Ehrung des großen Führers. Zionistisches Landeskomitee für Oesterreich: Jakob Weiner. Ing. Robert Stricker. Gang zum Grabe Herzls Das Zionistische Landeskomitee hat für den Gang zum Grabe Theodor Herzls am Sonntag, den II. d. M. folgende Anordnungen getroffen: Formierung des Zuges zwischen 9 und % 10 Uhr vormittags wie folgt: Vor der Hochschule für Bodenkultur sammeln sich die jüdisch-akademischen Verbindungen und Vereine. In der Felix Motteistraße an der linken Seite der Hochschule für Bodenkultur nehmen Aufstellung die zionistischen Bezirkssektionen I. II. III. IV. V. VI. VII. VIII. Im gegenüberliegenden Teile der Felix- Mottelstraße formieren sicir die Bezirkssektionen IX, X,. XI. XII. XIII. XIV. XV. XVI. XVII. XVIII. XIX. XX. XXL Beim Karl Ludwig-Denkmal formieren sich die zionistischen Mittelschulverbindungen im S. V.. die Turn- und Sportvereine, der Blau-Weiß-Verband und die Chaluzim. Die Gruppierung der Teilnehmer erfolgt hier eine Viertelstunde früher. Den Anordnungen der durch blau-weiße Armbinden kenntlichen Ordnern ist unbedingt Folge zu leisten. Die Marschordnung ist folgende: Eröffnet wird der Zug durch vierzig Turner, dann folgen das Zionistische Landeskomitee, das Präsidium des Jüdischen Nationalrates und der ostgalizischen Delegation, sowie die zionistischen Mandatare und sonstigen Honorationen. der Jüdische Hochschulausschuß, die jüdisch-akademischen Vereine und Verbindungen, die zionistischen Mittelschulverbindungen im S. V.. Turn- und Sportvereine. Blau-Weiß. Chaluzim. sonstige Vereine, schließlich die Bezirkssektionen. In der Aiee, in welcher das Grab liegt, bildet ein Zug Turner Spalier. Das Grab ist ohne Aufetnhalt zu passieren. Das Stehenbleiben ist unter allen Umständen verboten. Die Direktion der Wiener Straßenbahn wird über unser Ersuchen den Verkehr auf der 40ger Linie zwischen S und K-10 Uhr entsprechend verstärken. Die Gesinnungsgenossen werden aufgefordert. unliebsame Szenen an den Haltestellen der Elektrischen unter allen Umständen zu vermeiden, die Würde der Feier durch strammste Disziplin zu wahren. Für die Rückfahrt ist außer der 40er Linie auch die 41er Linie zu benützen. Alle Teilnehmer werden dringend ersucht, sich sofort nach dem Verlassen der Elektrischen in ihre Einteilung zu begeben un d• c: ■- den schweren Dienst nach Tunlichkeit1 zu erl eich tern. Das Ergebnis der Kultusgemeindewahlen Bei den Wahlen in den Vorstand der Kultusgemeinde wurden gewählt: 13 Zionisten (bisher 2). 20 Nichtiüdischnationale (bisher 34). 3 Orthodoxe (bisher 0). Wahlberechtigt waren von 300.000 Juden 19.000. abgegeben wurden 10.553 Stimmen, davon 3714 für die Zionisten. 5912 für die Nichtiüdisclmationalen. 878 für die Orthodoxen. Ungültig waren etwa 300 Stimmen. Gewählt sind die folgenden zionistischen Kandidaten: Abg. Robert Stricker. Dr. Isidor Schallt. Dr. Jakob Ehrlich. Dr. Leopold Piaschkes. Dr. Karl Po Hak. Dr. Josef Auerbach. Rudolf T a u s s i g. Max Markus. Dr. Isidor Margulies, Dr. Desider F r i e d m a n n. Siegmund Epler. Jakob Pinkas. Isidor Austerlitz. Die Wiener Kultusgemeindewahlen Die Wahlen in die Wiener Kultusgemeinde sind ein voller Erfolg des zionistischen Gedankens. Bei einem Wahlrecht, welches 92 Prozent der Wiener Judenschaft vom Mitbestimmungsrechte an den Angelegenheiten ihrer Gemeinde ausschloß und nur die Kreise berücksichtigt, welche für gewöhnlich den jüdischen Gesamtinteressen fernstehen, ist es uns gelungen, 39 Prozent der Wählerschaft zum Bekenntis für unser Programm zu bringen und 13 Mandatare in die Kultusstube zu entsenden. Aber wir haben noch mehr vermocht. Was die bisherigen Machthaber, welche diesmal mit dem Aufgebot aller Kräfte arbeiteten, nie imstande, oft auch nicht willens waren, nämlich das Interesse der Wiener Judenheit für die Angelegenheiten der Kultusgemeinde zu erwecken, das ist unserer jüdischen Volksarbeit gelungen. Es ist gelungen in dem Teil der Judenschaft, der bisher, obwohl durch die sonderbare Wahlmaschine der für die Besetzung der Vorstandsmandate einzig maßgeblich, stets diesem Recht, das sein spezielles Vorrecht war, völlig apathisch gegenübergestanden war. Hatten doch bei den Wahlen im Jahre 1910 bloß 12 Prozent der Wahlberechtigten von ■ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht. Diesmal aber — in der Zeit der allgemeinen Wahlmüdigkeit — sind über 50 Prozent der Wählerschaft zur Urne gegangen. Und von diesen hatten etwa zwei Fünftel dokumentiert, daß sie unser Programm akzeptieren. Schon dies gestattet den Schluß, daß hinter uns die große Masse der Wiener Judenschaft steht, da wir in der Lage waren, die „Auslese“ der Wahlberechtigten sozusagen zu revolutionieren und ihnen Aktivität in einer jüdischen Angelegenheit, die sie bislang stets als quantite negligeable betrachtet haben, einzuflößen. Daß wirklich die Mehrheit der Wiener Judenheit heute dem Zionismus und seinem politischen Credo Gefolgschaft leistet, das wissen die Kahalleute sehr wohl, ohne daß man es ihnen erst beweisen müßte. Sonst hätten sie sich nicht mit bewunderungswürdigem Heroismus gegen den Zug der Zeit gestemmt, indem sie mehr als neun Zehntel der Wiener Judenschaft vom Wahlrecht ausschlossen. Aber in der Wahlbewegung hat sich diesmal in vielen Schichten d'er jüdischen Bevölkerung Wiens, die eben des Mitbestimmungsrechtes an den Kultusgemeindedingen beraubt sind, dank unserer jüdischen Aufklärungsarbeit deutlich ein Wille herauskristallisiert, ihr primitives Recht (und das Wahlrecht ist heute das primitivste in der Weit) zu fordern. Diejenigen, welche heute als die sogenannte Majorität in die Kultusstube einziehen, werden daraus wichtige Schlüsse zu ziehen haben: die durch unsere zionistische Tätigkeit wachgerüttelte Wiener Gesamtjadenschaft wird beachtet, wohl beachtet werden müssen! Hier pocht das Volk an die Pforten der Gemeinde, die ihm gehört, seit je gehört hat, bis sie ihm von denen, die dem Volk nicht mehr gehören, geraubt wurde, und bald wieder gehören muß! Daraus ergeben sich für die 'Tätigkeit der Dreizehn, die wir in die Gemeinde entsenden, zwingende Richtlinien: Unablässig für die Gesamtheit der Wiener Juden zu fordern, was sie bekommen muß. Ein ordentliches, allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht ohne jede Einschränkung durch Besitz, Steuerleistung und dergleichen. Und eine Steuergesetzgebung, welche alle Schichten der Wiener jüdischen Bevölkerung gleichmäßig und gerecht, ihrer Leistungsfähigkeit nach, für die Kultusgemeinde heranzieht. Natürlich werden wir. — Grund haben wir genug dazu — scharfe Wacht halten, daß die Gruppen, welche im Wahlkampf mit schwerem Bemühen eine knappe Majorität von 52 Prozent der Stimmen und Mandate errungen haben, nichts wagen, was gegen die Gesamtinteressen der Judenschaft unserer Stadt gerichtet wäre. Daß sie nichts derartiges werden unternehmen können, dafür bürgt die Stärke der zionistischen Volksvertretung in der Gemeinde, dafür bürgt aber auch das Interesse, welches wir der gesamten Wiener Judenschaft für die Gemeindeangelegenheiten einzuflößen imstande waren und das einen ebenso gewaltigen Aktivposten unserer Tätigkeit bildet wie die sichtbare Kraft unseres Programmes, die sich in der Zahl unserer Vertreter ausdrückt. Das ist aber der Kernpunkt der künftigen Tätigkeit des Kultusvorstandes: im vollsten Lichte der Oeffentlichkeit, wo es kein Verstecken hinter verschlossenen Türen gibt, wird sich diese Tätigkeit jetzt abspielen. Der Kultusvorstand wird die Gemeinde, ihre Verwaltung, ihre Wohifahrtsinstftute zu sanieren, sie auf eine ordentliche Grundlage zu bringen haben. Die jüdische Bevölkerung Wiens weiß heute genau, welche dunklen Punkte in der bisherigen Gemeindewirtschaft vorhanden sind: sie verlangt, daß es nicht mehr so weitergehe, wie es bisher gegangen ist. Das haben diejenigen, welche eine Mehrheit im Kultusvorstand zusammengebracht haben, zu bedenken. Sie haben vor der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit zu beweisen, was sie in all diesen Belangen zu leisten imstande sind. Die zionistischen Vertreter im Kultusvorstand sind dazu berufen, die Interessen der Wiener Judenschaft zu wahren. Sie werden auf ihrem Posten sein, wo jüdische Arbeit in der Kultusgemeinde geleistet wird. An einer anderen Arbeit, die Stückwerk und Verlegenheitsaushilfen hervorbringt, um sich um das Wesentliche, auf das es ankommt, zu driietorer werden sie nicht mitmachen, weil solches Tunatynj Zusammenbruch der Gemeinde führt, den gaöllp 3L Kl it;; }? ' f> r L!