Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1920-06-25 · 20 (25.6.1920) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
20 (25.6.1920)
Date
1920-06-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2438141-2438777-2438797--6712-2446821
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Uedaktion und Admiaiectation VÜ6B il., Taborstrafie I ftm^ptcther Nr. 44038 U. 43319 Naüonal^jüdifcfaes Organ Mi. -.:ci oeüüge. „Der jfidisc&e Nationalfonds*1 2 3 4 5 6 7 8 9 Wien, Freitags 25. Juni 1920 Bazaga^rala: Vierteljährig 13 K ganzj. 50 K, Einzeliminnier 2 & Poatapaxkaasenkoato 133.404 An die Juden Wiens! Am 27. Juni 1920 finden die Wahlen in rden Wiener - Kultusvorstand statt. Es handelt sich darum, den einzigen gesetzlich anerkannten Vertretungskörper der Juden, welcher unter dem Regime einer kleinen assimilatorischen Gruppe verfallen und zum Gespött von Jud und Christ geworden ist, aufzurichten und zu einem einflußreichen Faktor im öffentlichen Leben Oesterreichs, zu einem wirksamen Schutzmittel gegen den antisemitischen Terror auszugestalten. Es ist klar, daß die Führung dieser Körperschaft derjenigen Gruppe im Judentum gebührt, welche seit Jahrzehnten allein fürs Judentum arbeitet, die Jugend vor dem Abfalle gerettet und bei der Friedenskonferenz die jüdischen Interessen vertreten und unser altes Heimatland Palästina dem jüdischen Volke wiedererobert hat. Die Wiener Juden haben bereits bei den letzten Parlaments¬ und Gemeinderatswahlen bewiesen, daß sie ' diese Ansicht teilen, und haben NUR NATIONALGESINNTE JÜDISCHE VERTRETER IN DIE KÖRPERSCHAFTEN ENTSENDET. ALLE ASSIMILATORISCHEN KANDIDATEN SIND DURCH¬ GEFALLEN. Um bei den kommenden Kultusratswahlen den gleichen Erfolg zu verhüten, haben die alten Machthaber, welche jetzt als „nichtjüdischnationale“ Partei auftreten, zwei Mittel in Anwendung gebracht. Sie haben ein reaktionäres Wahlrecht geschaffen, durch welches die meisten am Judentum stark interessierten Elemente, vor allem aber die jüngeren Elemente und Frauen, vom Wahlrecht ausgeschlossen werden. Sie verbreiten weiters durch bezahlte Organe die verbrecherische Lüge, daß die nationalgesinnten Juden, die Zionisten, die Gleichberechtigung der Juden preisgeben, die Juden von Amt und Schule ausschließen und ins Ghetto sperren wollen. Das ungeheuerliche Wahlunrecht — von 290.000 Juden sind sage und schreibe 18.000 in der Wählerliste enthalten — kann nur durch lebhafte Beteiligung an der Wahl vrettgemacht werden. Es wird die erste Aufgabe der natiönalgesinnten Juden sein, ein wirklich demokratisches Wahlrecht zu schaffen. Die ständig und ständig wiederholte Lüge, daß die Nationaljuden die Gleichberechtigung durch Forderung - nach gesetzlichem Schutze der jüdischen Minorität gefährden, wird durch alle Tatsachen entkräftet. Wie lautet denn dieses „gefährliche“, von den Nationaljuden, in Paris beim Obersten Rat erkämpfte MINORITÄTENSCHUTZGESETZ? Es heißt wortwörtlich im Friedensvertrage: Artikel 66. Alle österreichischen Staatsangehörigen ohne Unterschied der Rasse, der Sprache oder Religion sind vor dem Gesetze gleich und genießen dieselben bürgerlichen und politischen Rechte. Unterschiede in Religion, Glauben oder Bekenntnis sollen keinem österreichischen Staatsangehörigen beim Genuß der bürgerlichen und politischen Rechte nachteilig , sein, wie namentlich bei Zulassung zu öffentlichen Stellungen, Aemtern und Würden oder bei Ausübung verschiedener Gewerbe und Industrien. Artikel 67. Oesterreichische Staatsangehörige, die einer Min- ' derheit nach Rasse, Religion oder Sprache angehören, genießen dieselbe Behandlung und dieselben Garantien, rechtlich und faktisch, wie die anderen österreichischen Staatsangehörigen; insbesondere haben sie dasselbe Recht, Wohltätigkeits-, religiöse oder soziale Einrichtungen, Schulen und andere Erziehungsanstalten zu errichten, zu verwalten und zu beaufsichtigen, mit der Berechtigung, in denselben ihre eigene Sprache nach Belieben zu gebrauchen und ihre Religion frei zu üben. Dieses Gesetz haben die Nationaljuden erkämpft und . wollen, daß der Wiener Kultusvorstand darüber wache, daß es tatsächlich gehütet und befolgt werde. Ist das Verrat an jüdischen Interessen, ist das Preisgabe der Gleichberechtigung? Nur Böswillige oder Indolente können sich zur Verbreitung einer solch infamen Lüge hergeben. WER tritt im österreichischen Parlament und im Wiener üemeinderate den Antisemiten rücksichtslos und erfolgreich entgegen? Die jüdischnationalen Abgeordneten, Gemeinderäte und Be'zirksräte, die immer zur Stelle sind, wenn es sich darum handelt, Juden vor Unbill zu schützen. Aber die nicht jüdischnationale Partei, deren frühere Vertreter immer feige geschwiegen haben, erdreisten sich zu behaupten, DASS DIE NATIONALJUDEN MIT DEN ANTISEMITEN AM GLEICHEN STRANGE ZIEHEN. WER hat den jüdischen Studenten den Zutritt zur Universität und den öffentlichen Mittelschulen, von welchen die antisemitischen Hörer und Professoren sie ausschließen wollten, erzwungen? DIE JÜDISCHNATIONALEN! Aber die nichtjüdischnationale Partei, DEREN PROFESSOREN UND HOFRÄTE DIE JÜDISCHEN-STUDENTEN IHREM SCHICK¬ SALE RÜCKSICHTSLOS PREISGEGEBEN HABEN, behaupten, daß die Zionisten unsere Studenten von den öffentlichen Schulen ausschließen lassen wollen. WER hat die jüdischen Staatsbeamten, welche man nach dem Umsturz wegjagen wollte, geschützt und gerettet? DER JÜDISCHE NATIONALRAT, dessen Vertreter den Staatskanzler und die Regierung zur Zurücknahme der betreffenden Verfügungen gezwungen haben! Aber die Nichtlifdischnationalen LÜGEN DER WÄHLERSCHAFT VOR, DASS DIE JUDEN VON DEN ÄMTERN AUSGESCHLOSSEN WERDEN, WENN DIE NATIONALJUDEN SIEGEN. WER hat in den Tagen, da die antisemitische POGROMAKTION ihren Höhepunkt erreichte, eine-SELBST¬ WEHR geschaffen und das jüdische Wien wirksam geschützt? Wer hat im Parlament, im Gemeinderate und im Bezirksrate mit vollem Erfolge dafür gekämpft, daß den hiezu berechtigten Bewerbern Gewerbescheine und Heimatscheine ausgefolgt wurden? DIE JÜDISCHNATIONALE PARTEI! Aber die nichtjüdischnationale Partei wiederholt emsig die GEMEINE VERLEUMDUNG, daß die Nationaljuden das Leben und die Existenz der jüdischen Gewerbsleute preisgeben wollen. WER hat durch stolze Haltung, Offenheit und Mannesmut das Ansehen der Juden gehoben und die Nichtjuden zur Anerkennung gezwungen? DIE ZIONISTEN! Trotzdem wagen die Nichtjüdischnationalen die Behauptung, daß den Juden das Ghetto, der „gelbe Fleck“ droht. Nie hat eine politische Partei dreister gelogen und die Hitze des Wahlkampfes, die Unwissenheit gewisser Wählerkreise SCHAMLOSER MISS¬ BRAUCHT als gerade die „NICHTJÜDISCHNATIONALE“ PARTEI! JUDEN WIENS! Weiset die Spekulation auf Eure Gleichgiltigkeit, weiset die dreisten Lügen gewissenloser Wahlmacher, welchen es nicht um jüdische Interessen, sondern um die Erhaltung einer kompromittierten und altersschwachen, aber zahlungskräftigen Clique geht, entrüstet zurück. Piidt die lalstötB. mit die m dei tdeiten u Eue SUiieg fflsiile litt iiitit ind lii Mi iS ll M sim f die Zionistische Kiste- Stricker und Genossen. Das Zionistische Landeskomitee für Oesterreich. Der Jüdische Nationalrat für Oesterreich. 1. Ing. ROBERT STRICKER, Abgeordneter und Vizepräsident der Kultusgemeinde. 2. Dr. ISIDOR SCHALIT, Zahnarzt. 3. Dr. JAKOB EHRLICH, Gemeinderat der Stadt Wien und Vorstandsmitglied der Kultusgemeinde. 4. Dr. LEOPOLD PLASCHKES, Gemeinderat der Stadt Wien und Vorstandsmitglied der Kultusgemeinde. 5. Dr. KARL POLLAK, Vorstandsmitglied der Kultusgerheinde. 6. Dr. JOSEF AUERBACH, Vorstandsmitglied der Kultusgemeinde, Bethausvorstand im III. Bezirke. 7. RUDOLF TAUSSIG, Regierungsrat. 8. MAX MARKUS, Kaufmann. 9. Dr. ISIDOR MARGULIES, Rechtsanwalt. - ZIONISTrSOHfe LISTE s 10. Dr. DESIDER FRIEDMANN, Rechts- 24. anwalt und Ortsschulrat. 25. 11. SIEGMUND EPLER, Bankdirektor. 12. JAKOB PINKAS, Bankier. 26. 13. ISIDOR AUSTERLITZ, Kaufmann. 27. 14. Ing. Dr. ARNOLD KARPLUS, Archi- 28. tekt. 29. 15. JAKOB WEISS, Kaufmann. 16. Dr. MARTIN FÖRSTER, Arzt. 30. 17. HEINRICH WEISS, Kaufmann. 31. 18. Dr. EGON ZWEIG. Rechtsanwalt. 32. 19. Dr. MAX SPRECHER, Industrieller. 33. 20. Dr. BRUNO POLLACK-PARNAU, Gemeinderat der Stadt Wien und 34. Großindustrieller. 35. 21. DAVID NEBENZAHL, Kaufmann. 22. JOSEF H. WALTUCH, Kaufmann. 36. 23. Dr. WILHELM STEIN, Mittelschulprofessor. JULIUS WINKLER, Kaufmann. OSKAR GOLDSCHMIED, Schuhfabrikant. JAKOB MÄRZ, Kaufmann. ADOLF BRECHER,' Bankier. MOSES RATH, Professor. KARL BLUME, Obmann der jüdischen Handelsgehilfenorganisation. EMANUEL KAUFMANN, Baumeister. BENJAMIN SCHREIBER, Kaufmann. NATHAN DACHINGER, Kaufmann. ISRAEL VORTREFFLICH, Kaufmann. ROBERT KIEN, Bankbeamter. NORBERT RAPPAPORT, Bezirk'srat. Dr. LUDWIG WERNER, Zen Inspektor der deutschösterreichi Staatsbahnen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.