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Jüdische Zeitung · 1920-05-14 · 17 (14.5.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
17 (14.5.1920)
Date
1920-05-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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XtV. Jahrgang Nr. 17 Ndüonal^jüdifches Organ Redaktion and Administration: Win II., TaborstraBe I Fernsprecher Nr. 44038 tt. 43319 Mit der Beilage: „Der jüdiscne Natiooalfonds“ sazagaoraia: vierteljährig I3AT _ ganzj. 50 K, Einzelnummer t S. Wien, Freitag, 14. Mai IS2D Postaparkaaaenkonto 133.404 l An das jüdische Volk! Durch die Entschließung der Großmächte ist das jüdische nationale Heim in Palästina fortan ein Teil der neuen Weltordnung. Das Mandat für Palästina und die Sachwalterschalt für den Wiederaufbau des jüdischen Palästina sind Großbritannien anvertraut worden, der Macht, die zuerst die unlösbare Verbundenheit zwischen jüdischem Volk und jüdischem Heimland öffentlich proklamiert hat. Es war die Zionistische Organisation, als die Vertreterin und Vorkämpferin des jüdischen Volkes, die zuerst die Last der gewaltigen Aufgabe auf sich genommen hat, die sich nun glücklich erfüllt. Die ganze Judenheit eint sich in dieser Stunde in Freude, Stolz und Dankbarkeit. Den großen Staatsmännern und den Nationen, in deren Namen sie gehandelt haben, als sie ein uraltes Unrecht wieder gut machten, fühlt sich das jüdische Volk in tiefster Dankbarkeit verpflichtet. Nicht Worte allein werden sein Dank sein. Das jüdische Volk ist entschlossen, in Palästina seinen Anteil beizusteuern zu dem erhabenen Werk der Menschlichkeit, einen Beitrag zu leisten, der würdig ist seiner Vergangenheit. Es wird alles daran setzen, im jüdischen Palästina eine Gesellschaft aufzubauen, die sich gründet auf Gerechtigkeit für den Einzelnen und für die soziale Gemeinschaft und die ein Zentrum sein wird für die Wiederversphnung und die Brüderlichkeit aller Nationen. Der jüdische Genius, zurückgeführt zum jüdischen Boden, wird auf diesem Grunde die große Ueberlieferung der jüdischen Propheten erneuern. Ueberall in der Welt hat das jüdische Volk der begeisterten Freude über seine endliche Emanzipation schnellsten und spontansten Ausdruck gegeben. Die Zionistische Organisation will zu geeigneter Zeit Anregungen geben für fernere Feiern, wie dieser Tag, einer der größten unserer nationalen Geschichte, sie verlangt. Aber für alle Juden ist diese Zeit der Freude zugleich eine Zeit hingebungsvoller Bereitschaft. Jeder von uns ist dem ruhmreichen Werke des Wiederaufbaues des jüdischen Palästina geweiht. Keine Anstrengung wird zu schwer, kein Opfer zu groß sein. In diesem Geiste feiern wir ‘diesen Tag glücklicher Befreiung. In diesem Geiste wenden wir uns dem edlen Werke, der gebieterischen Arbeit zu, die unser harren. * Die Exekutive der Zionistischen Organisation. . Das jüdische Palästina Durch die Entscheidung von San Remo, welche den Anspruch des indischen Volkes auf Palästina erfüllt, tritt der Zionismus: in eine völlig neue Epoche ein. Was früher politische Grundfordanins der zionistischen Bewegung war, ist nunmehr ein .integrierender Bestandteil eines durch die Weltmächte garantierten Vertrages geworden. Die jüdischnationale Heimstätte in Palästina ist dem jüdischen Volke gesichert. Damit tritt eine geradezu beängstigende; Fülle von Problemen und Aufgaben an uns heran, denen wir uns gewachsen zeigen müssen. Noch steht nicht fest, wann der Friedensvertrag von der Türkei unterzeichnet sein wird Doch ist immerhin zu erwarten, daß es bis zur Unterzeichnung des Vertrages nicht lange mehr dauern wird. Die Vertreter der Zionistischen Organisation müßten schon heute von Englands Regierung fordern, daß die Ablösung der Militärverwaltung Palästinas durch eine regelrechte Zivilverwaltung ehestens erfolge. Es ist heute nicht das geringste Geheimnis mehr, daß die militärische Verwaltung von Palästina vollständig versagt hat; sie hat sich wedter der legislativen, noch der administrativen Seiten ihrer Aufgaben recht gewachsen gezeigt, hat das Land, unter einer überaus strengen Absperrung gehalten, die jede Einreise nahezu unmöglich machte und hat so den Aufschwung dies durch den Krieg 'so schwer heimgesuchten Landes empfindlich gehemmt. Aber sie hat sich auch dter zionistischen Arbeit gegenüber von einer kleinlichen Gehässigkeit erwiesen, weiche den Absichten der Regierung in London durchaus widersprach und jede Anerkennung der jüdischen Wünsche, jede Durchsetzung unserer berechtigten Forderungen konnte nur auf dem Umweg über in London erhobene Proteste erreicht werden. Hingegen verstanden es die militätischen Verwaltungsbehörden, allen gegen die national-jüdischen Interessen gerichteten Bestrebungen der arabischen Wühler auf mehr oder minder geheime Weise Ihne Förderung angedeihen zu lassen. Die beklagenswerten .Exzesse in Jerusalem, bei denen die Behörden völlig versagt haben, waren geeignet, die völlige Unmöglichkeit der Fortdauer dieses schädlichen Provisoriums vor aller Welt kundzutmi und die Art und Weise, wie di'e Schaffung eines jüdischen Selbstschutzes, der notwendig geworden war, nachdem auch dse rem militärische Gewalt nicht funktionierte, geradezu verhindert wurde und die Parteilichkeit, mit welcher dessen Organisatoren zu überaus harten Strafen verurteilt wurden, eriaharn geradezu an die Zustände im zaristischen Rußland. Der Anfang erscheint gemacht Herbert Samuel ist zum Generalgouvemeur von Palästina bestimmt worden und die amtliche Ernennung soll schon in diesen Tagen erfolgen. Die Nachricht wird in der zionistischen Welt mit lebhafter Genugtuung begrüßt werden. England bekundet damit neuerdings seinen unzweideutigen Willen, mit der Schaffung eines jüdischen Gemeinwesens Ernst zu machen, indem es einen Staatsmann an die Spitze der Verwaltung stellt-, dessen rühmliche Wirksamkeit von allen Seiten anerkannt wird und der über seinem englischen Patriotismus niemals vergessen hat, daß er Jude ist. Herbert Samuel blickt nicht bloß auf eine erfolgreiche Tätigkeit in der englischen Regierung zurück, in welcher eimehrfach Mindsterposten bekleidet hat, er hat auch entschlossen den Weg zur jüdischen Moderne gefunden und ein guter Teil des politischen Erfolges der zionistischen Idee muß auf sein Konto gesetzt werden. So erscheint Herbert Samuel, der erst vor kurzer Zeit aus Palästina zurückgekehrt ist, wohin er als offizieller Berater des Oberkommandterenden von der englischen Regierung entsandt war und von wo er durchaus optimistische Eindrücke davongetragen hat, geradezu als prädestiniert, Englands Interesse mit dem jüdischen in harmonischen Einklang zu bringen und sein viel gerühmtes organisatorisches und Verwialtungstalent für den jüdischen Ambau fruchtbar-zu machen. •Die hoffnungsvolle Stimmung, welche die jüdischen Massen seit dem Beschluß von San Remo erfüllt, kann durch die Nachricht von Samuels Berufung nur verstärkt werden. Selten wird über festliche Veranstaltung und enthusiastische Kundgebungen berichtet, und auch jene Kreise, die bisher dem Zionismus fremd oder gegnerisch gegenüberstanden, so z. B das „Joint Foreign Committee“ und die „Liga der britischen Juden“ in London beginnen allmählich zu begreifen, daß es keinen Sinn mehr hat, der zionistischen Lösung der Palästinafrage Widerstand zu leisten, nachdem diese zur Tatsache geworden und deren Notwendigkeit von den Weltmächten selbst anerkannt worden ist. Es gilt nunmehr, die gehobene Festes Stimmung der jüdischen Massen für unsere Idee auszunützen und sie zu einer produktiven Kraft für unsere Sache auszugestalten. Wir werden der größten Mittel und ungeheurer Summen bedürfen, um die Arbeit in Eiez Israel in die Wege zu leiten. Nicht mit Spenden und milden Gaben ist das We>rk zu tun, sondern nur so, daß jeder einzelne sich mit seiner ganzen Persönlichkeit der jüdischen Sache verbunden und verpflichtet fühle, und in dein Bewußtsein liiittut. daß es um die Zukunit unseres ganzen VoLkes geht. Mehr denn je muß sich jeder von uns eingebettet fühlen in den Strom unseres nationalen Wollens und empfinden, dlaß er selbst ein Glied in deir Kette bildet, deren Ganzes das jüdische Volk heißt Wir haben keine Zeit zu verlieren. Tausende harren voll Ungeduld, um hinüberzugehen unddie Arbeit des Aufbaues des jüdischen Landes zu beginnen Das Land schreit nach produktiven jüdischen Kräften und unseren künftigen Pionieren, die sich in der Galuth aui ihre Aufgaben vorbereiten, bTennt bereits der Boden unter den Füßen. Die Stunde ist gekommen, da wir das jüdische Volk aufrufen müssen. Es gilt allen Kleinmut abzu.tun und mit der Großzügigkeit ans Werk zu gehen, die seine Größe angemessen ist In wenigen Wochen soll die zionistische Jahreskonferenz in Karlsbad stattfinden, sie muß in die Lage versetzt werden, bereis Beschlüsse von definitivem Charakter zu fassen, die hlnüberleiten zur unmittelbaren Tat. Wir müssen uns beeilen, mit eiflqm fertigen Ptogramm vor das j'üdfsche Volk zu treten. Alles was bisher auf diesem Gebiete vorliegt kann lediglich als Vorarbeit von provisorischem Charakter betrachtet werden. Und. wir müssen uns beeilen, cfie großen Mittel auizubringen, welche für allen Anfang nötig sind. Die zionistische Leitung in London, hat angeordnet, daß die Größe des Augenblicks durch sogenannte Geullahieieni entsprechend gewürdigt werde und die österreichisch-zionistische Partei hat beschlossen, die zweite Hälfte des Monats Juni für diesen Zweck zu bestimmen Aber es handelt sich hierbei nicht um leere Manifestationen. Schön klingende Reden haben wir zur Genüge gehört und sie sind uns nichts Neues mehr. Es gilt, die jüdische Masse aufzurufen irnd ihr begreiflich zu machen, daß wir an ebnem Wendepunkt des jüdischen Schicksals stehen. Es gilt, den Opfermut eines jeden Einzelnen zu beseelen, damit wir uns des großen Augenblicks würdig erweisen. Wir müssen uns und allen anderen bewußt machen, daß Zion nur durch Opfer erbaut werden kann- und' nunmehr die Zukunft der jüdischen Heimat in unseren eigenen Händen -ruht Niemand darf Zurückbleiben, wenn ihn das jüdische Volk an seine heiligsten Pflichten mahnt A F. Die Entscheidung von San Remo Der Beschluß der Friedenskonferenz von San Remo, Palästina dem jüdischen Volke als nationale Heimstätte zurückzugeben, hat die Juden der ganzen Weit mit unsäglicher Freude und liefgetühhe- Dankbarke't erfüllt Das ganze jüdische Volk grüßte den Ta:: der Befreiung des jüdischen Volkes und des indischen Landes. In allen jüdischen Zentren Europas und Arrerikas wurden Massendemonstrationen veranstaltet, um den historischen Moment mit Freude und Dankbarkeit zu begehen. In Wien hat der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde in einer Plenarsitzung vom 28. April 1920 die nachstehende Kundmachung beschlossen: „Eine offiziöse Meldung aus San Remo. dem Sitze der. Beratungen der Friedenskonferenz, brachte die Mitteilung, daß die alliierten Mächte beschlossen haben, die noch während des Krieges namens der englischen Regierung abgegeben, ais die Balfour-Deklaration bekannte Erklärung, wonach Palästina als nationale Heimstätte tür die Juden, eingerichtet werden solle, dem Friedensvertrage mit der Türkei zu inkorporieren und das Mandat über Palästina an Großbritannien zu übertragen. Noch sind die Einzelheiten dieser Neuordnung in Palästina nicht bekannt, der schon die Tatsache allein, daß die Großmächte, in deren Händen heute das Schicksal Europas liegt, dem in der Zerstreuung lebenden jüdischen Volke Gerechtigkeit wideriahren lassen und den tausenden 1 t K

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