Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 14 (16.4.1920)
- Date
- 1920-04-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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är. 14 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 die jüdischen. Dabei ist zu bemerken, daß in den jüdischen Betrieben weit weniger die mechanische Antriebskraft Elektromotoren u. dergl.) benützt wird als in den nichtjüdischen. Ueberhaupt ist in den technisch höherstehenden Formen des Gewerbes, wie im Metallwarengewerbe, das Uebergewächt bei den hichtjüdischen Handwerkern; das hängt mit der geringen technischen Vorbildung der jüdischen Handwerker zusammen. Im einzelnen ergibt die Statistik, daß in den Betrieben der Textilbranche das Uebergewicht der Juden am stärksten ist (2262 jüdische handwerkliche Betriebe gegen 1493 nichtjüdische); in der Papi erbranche ist das Verhältnis 211 jüdische Werkstätten gegen 228 nichtjüdische, wobei als jüdischer Spezialzweig das Kartonnagegewerbe hervorgehoben sei, in welchem es 86 jüdische, jedoch nur 11 nichtjüdische Gewerbebetriebe gibt. Dagegen sind die gewerblichen Betriebe in der Holzbranche 674 nichtjüische gegenüber 401 jüdischen, St einb earb eitung. und Keramik 60 nichtjüdische gegenüber 19 jüdischen, Z fintn er m a 1 e r e i 60 nichtjüdische gegenüber 36 jüdischen Betrieben zumeist in nichtjüdischen Händen In der. Werkstätten (ür Leder- und Metallbearbeitung, für chemische und Nahrungsmittelindustrie halten sich jüdische und nichtjüdische Betriebe (mit einem ganz kleinen Plus der nichtjüdischen) fast die Wage. In vielen Handwerksfächern sind fast ausschließlich Juden tätig, so zum Beispiel als Knopfdrechsler, Nadler, Krawattenmacher, Goldschmiede, Hutmacher, Gamaschenmacher (344 Juden gegen 16 Nichtjuden). In der Uhrmacherei stellen die Juden die große Mehrzahl der handwerklich Tätigen. Dagegen ist ihre Zahl unter den Messerschmieden, Maschinenbauern. Schlossern, Korbilechtern, Wäschern, Ofensetzern, Seifensiedern klein. Wiederaufbauarbeit in Litauen. Aus Kowno wird uns von der Presse- Abteilung des Ministeriums für jüdische Angelegenheiten in Litauen geschrieben: Die ökonomische Abteilung des Ministeriums für jüdische Angelegenheiten hat gemeinschaftlich mit dem Jüdischen Nationalrat in den letzten zwei Monaten eine Reihe von Arbeiten dürchgeführt, die dem Wiederaufbauplan und derReorganisation des jüdischen Lebens in Litauen zugute kommen. Zunächst wurde'über die wirtschaftliche Lage des litauischen Judentums eine Enquete veranstaltet, auf Grund deren Ergebnisse ein einheitlicher Wiederaufbau ausgearbeitet werden wird. Bis jetzt liegen von mehr als neunzig Orten ausgefüllte Fragebogen vor, die ausführliche Mitteilungöl über die allgemeine wirtschaftliche Lage, über Handel, Handwerk, Landwirtschaft und Fabrikation enthalten. Die Wirtschaftsabteilung hat auch schon eine Reihe von praktischen Arbeiten geleistet. So wurden in letzter Zeit 42 Volksbanken gegründet; in mehreren kleineren und mittleren Städten ist die Gründung ähnlicher Banken in Aussicht genommen. Ferner sind 700 jüdische Familien registriert worden, die sich der Landarbeit widmen wollen. Es wurde ein jüdischer Verein für Landwirtschaft gegründet, der ein Areal von 500 Desiatiueu auf fünfzehn Jahre gepachtet hat Der Verein investierte Ln dieses Unternehmen 400.000 Mark, von denen ihm 200.000 Mark vom Jüdischen Nationalrat als Darlehen gewährt wurde. Gegenwärtig werden mit der Regierung Unterhandlungen geführt, um Rohstoffe zu billigen Preisen zu erhalten, damit das Werk des Wiederaufbaues rasch vor sich gehen kann. Das jüdische Leben in Sibirien. Soeben ist die erste Nummer der russischjüdischen Zeitung „Naschy Slowo“ erschienen, welche in Charbin von der jüdischen Demokratie herausgegeben wird. Die Nummer trägt das Datum vom 15. Dezember 1919, bringt also Einblicke in dffe letzte Zeit. An der Sm'tze des Blattes steht eine Erklärung der Redaktion, welche die widersprechende Tatsache, daß eine Zeitung, die die Interessen der jüdischen Demokratie vertritt, nicht in der jiddischen Volkssprache, sondern in russischer Sprache erscheint, dahin aufklärt, daß es in Charbin keine jüdischen Lettern für den Druck gibt. Die Lage der jüdischen Bevölkerung in Charbin und in ganz Westsibirien ist im allgemeinen nicht schlecht. Infolge des niedrigen Kurses des Zarenrubels hat die große Masse stark unter der Lebensmittelteuerung zu leiden. Die Geschäftsleute jedoch und die Besitzer unbeweglichen Eigentums sind dagegen zu großem Reichtum gelangt, allerdings ist der breiten Masse damit wenig gedient. Die Nachrichten über die schlimme Lage der jüdischen Flüchtlinge in Sibirien sind, wie aus der Zeitung hervorgeht, stark übertrieben. Der größte Teil der Flüchtlinge hat sich bereits in das Wirtschaftsleben eingefügt oder ist abgewandert. Wirklich traurig istnur die Lage der jüdischen Kriegsgefangenen, welohe über verschiedene Lager in Sibirien verstreut sind. Diese wahren Kriegsopfer sterben oft Hungers. In letzter Zeit wird ihr Los etwas ge- ' bessert, da in Westsibirien Vertreter der verschiedenen jüdischen Hilfskomitees aus Amerika eingetroffen sind, welche große Summen für die Hilfstätigkeit zur Verfügung gestellt haben. Die demokratischen Elemente der jüdischen Bevölkerung in Sibirien sind kulturell sehr lebhaft tätig. Vor acht Monaten wurde in Sibirien eine jüdische „Kulturliga“ begründet, welche Ortsgruppen in Omsk, Tomsk, Atschinsk, Krasnojarsk, Irkutsk, Charbin, Wladiwostok usw. hat. Sie veranstaltet Literaturdiskussionen, Vorlesungen, Theateraufführungen, Kunstabende, hat ferner eine GeneFalvsrsammiung 20. April 1920 präzise 6 Uhr abends, II., Untere Augartenstraße 8 im Saale zum »König David“ Hieran anschließend Vortrag des rühm* liehst bekannten Herrn Dr- Samuel Rappaport über Ziel und Zweck des „Misrachi“ Oäste bestens willkommen, Wahllegitionen unbedingt mitbringenansehnliche «Summe für die Herausgabe von jüdischer Kmderliteratur gesammelt. Im Frühling wird in Charbin eine Ausstellung der jüdischen Presse und der jüdischen Druckkunst eröffnet werden. Mit Amerika besteht in letzter Zeit lebhafte Verbindung; viele sibirische Juden beabsichtigen auch .dorthin auszuwandem. Mit Europa ist fast gar keine Verbindung vorhanden. Der ..notleidende“ Schnitzler. Der J üdischen Preßzentrale in Zürich wird aus N e w-Y or k geschrieben: Auf dem Purimabend des Perez-Journalistenvereins wurde eine Sammlung für Arthur Schnitzler veranstaltet, der nach eingelaufenen Nachrichten sich in großer Not befinden soll. Zur Aufbringung größerer Mittel bildete sich ein besonderes Komitee. In den letzten Monaten hat der Perezverein je 500 Dollars an die jüdische Schriftsteller in Wien. Warschau und Wilna überwiesen. — Wir wissen nicht, aus welcher Ouelle der Perez-Journalistenverein in New-York seine Informationen bezieht: diesmal ist er das Opfer eines schlechten Scherzes geworden. Zu seiner Beruhigung können wir dem genannten Vereine mitteilen. daß der Dichter Arthur Schnitzler in seiner Währinger Villa lebt und schafft und keinen Mangel leidet: nicht einmal, trotz der schlechten Zeiten. Mangel an literarischem Erfolg. Jedenfalls zeigt die obige Meldung, welcher Wertschätzung sich der Dichter des Anatol auch in amerikanischjüdischen Kreisen erfreut._ Aus den Gemeinden Ueberreichung eines Ehrendiploms an Rabbiner Dr. AI. Rosenmann. * Dienstag, den 6. d. M. erschien eine vielgliedrige Deputation des Verbandes d'er israelitischen Religions-Professoren an den österreichischen Mittelschulen unter Führung des Obmannes Rabbiner Dr. M. B a u'e r in der Wohnung des Rabbiners Dr. M. Rosenmann und überreichte ihm in Anerkennung seiner Verdienste um den Stand der Religions-Proiessoren ein künstlerisch ansgeführtes Diplom über seine Ernennung zum Ehrenmitgliede des Verbandes. Schulrat Weiss. Professor Dr. Heinrich P o 11 a k und Dr. Brenner schlossen sich den Ausführungen des Obmannes an, auf welcher der Gefeierte mit Dankesworten erwiderte und den Wunsch daran knüpfte, daß das geistige jüdische Leben und seine Träger in Wien wieder zum Ansehen und Einfluß gelangen mögen. Wien. (Landeschulrat Dr. Markus Spitzer gestorben.) Am 14. d. M. ist.hier nach längerem Leiden im siebzigsten Lebensjahre Landesschulrat Dr. phil. et jnr. Markus Spitzer gestorben. Der Verstorbene, der aus Waag-Neustadtl stammte und ursprünglich die Rabbinerlaufbahn gewählt hatte, verfügte über ein ansehnliches hebräisches Wissen. Im Jahre 1896 wurde er in den Vorstand der Wiener Kultusgemeinde gewählt, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Er gehörte lange Jahre dem Bezirksschulrat und seit dem Tode des Landesschulrates Dr. Gustav Kohn ■als Vertreter der Judenschait dem Landesschulrat an, wo er sich stets für die gerechte Behandlung jüdischer Angelegenheiten energisch einsetzte. Dr. Spitzer war seit zehn Jahren Mitglied des Vertreterkollegiums, seit drei Jahren Präsident der Chewra Kadischa und des Kuratoriums des Königsberger Instituts. Sowohl im Kultusvorstand als auch im Bethausvorstand, dessen Präsident der Verstorbene war, hat er stets die konservative Richtung in Kultusangelegenheiten vertreten. Das konziliante Wesen und die Hilfsbereitschaft Dr. Spitzers haben ihm in den weitesten Kreisen Freunde erworben. Wien. (Tempei verein des VIII. Bezirkes.) Am 2S. März fand die diesjährige ordentliche Generalversammlung statt. Der Obmann des Vereines. Herr Adolf Beck, eröffnete die Sitzung und schilderte die Ereignisse des abgelaufenen Jahres. Er gedachte der hingeschiedenen Mitglieder Adolf Getreuer und Hermann. Stern. Der Vorsitzende begrüßte sodann den Vertreter der Kultusgemeinde Herrn Baurat W. Kempler. sowie die Delegierten der Tempelvereine. Den Rechenschaftsbericht erstattete der Schriftführer Herr Dr. Siegmund Goldberger, worauf dem Vorstande von der Versammlung das Absolutorium einstimmig erteilt wurde. Herr Baurat W. Kempler ergriff sodann das Wort, um namens der Wiener Kultusgemeinde zu erklären, daß sie den Tempelvereinen, die sie als ebenbürtig anerkennt, die notwendige Hilie widmen will. Bei der vorgenommenen Wahl der Funktionäre des Vereines wurden die bisherigen Herren einstimmig durch . Akklamation bestätigt Wien (Versammlung jüdischer Religionslehrer). Die Sektion der Religionslehrer an Volks¬ und Bürgerschulen des Verbandes der Beamten der Ktiitusgemeinde hielten am 28. März unter Vorsitz ihres Obmannes Markus Stengel eine zahlreich besuchte Versammlung ab, in der folgende Resolution einstimmig angenommen wurde: „Die am 28. März im Amtshause in der Seitenstettengasse im Lehrzimmer für den Religionsunterricht tagende Versammlung der israelitischen Religionslehrer an Volks- und Bürgerschulen lehnt die vom Vorstande beabsichtigte fünfzigprozentige Erhöhung der Gehalte mit aller Entschiedenheit ab und ist entschlossen, die schon seit langem angestrebte Gleichstellung ihrer Bezüge mit denen der städtischen Lehrer an Volks- und Bürgerschulen mit allen ihr zu Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln durchzusetzen.“ Palästina Die jüdische Einwanderung nach Palästina. Das englische Militärkommando für Palästina erläßt die folgende Kundmachung: 1. Alle Juden, die vor dem Kriege in Palästina gewohnt haben und zurückkehren wollen, müssen ein entsprechendes Zeugnis der zionistischen Kommission ,n Palästina erbringen, welches in jedem einzelnen Falle das Siegel des Mihtärbevollmächtigten in Palästina tragen muß. 2. Zur Erlangung der Einreisebewilligung für Personen, die vor dem Kriege nicht in Palästina gewohnt haben, muß man sich an die oberste Militärbehörde! R Ae?, ypten wenden, welche das Einvernehmen nut der palästinensischen Militärbehörde pflegen wird. Zu dieser Kundmachung teilt die Zentrale der zionistischen Organisation in London mit: Da die Einreichung der Einzelgesuche an die Militärbehörde in Palästina eine zu große Verzögerung zur Folge hat, müssen aile Zionisten, die nach Palästina einreisen wollen, ihr Gesuch an den Palästinarat in Jerusalem oder an die zionistische Lokalbehörde ihres Aufenthaltsortes (Paiästinaamt u. dgl.) richten. Vor der Entscheidung über das Gesuch soll keine Liquidierung des Eigentums eriolgen und keine Verbindlichkeit übernommen werden. Eine Million Mark für eine Kolonie in Erez Israel. Das Londoner Korrespondenzbüro meldet: Das Palästinaamt in Deutschland hat von der „Agudas-Jisroel“ von einem unbekannten Philantropen eine Million Mark für Errichtung einer Kolonie erhalten. Staaiskanzler Dr. Renner: Losanleihe und Friedenswirtschaft Die Republik hat ihre erste große Anleihe aufgelegt. Sie soll uns aus der Kriegs- und Uebergangswirtschaft, mit ihrem ungeregelten Finanzdienst, hinüberführen m eine geordnete Friedenswirtschaft. Die ^Erlöse dieser Anleihe sollen den Staat in die Lage setzen, seine KassenwLrtschaft aufrechtzuerhalten trotz der neuen Aufwendungen für die Staatsangestellten, die menschenwürdig bezahlt werden müssen, und trotz dei Ueberweisungen, welche den Ländern und Städten 2mm gleichen Zwecke zu leisten sind und dies alles ohne Inanspruchnahme der Notenpresse. Die An!- leihe soll uns weiters helfen, die Bahnen zu elektrifizieren. den Bau der großen Wasserkraftwerke zu beginnen und andere volkswirtschaftliche Investitionen zu machen. Vor allem aber ist sie dazu bestimmt, die Mittel für unsere Volksemährung bereitzustellen. Es ist also Jedermanns Interesse, durch Zeichnung dieser wirklichen Friedensanleihe an der endlichen Herstellung dies Friedenszustandes unserer Wirtschaft miteuarbeiten; jeder, der Ersparnisse besitzt, soll im Interesse seines Volkes und seines Landes diese Pflicht bereitwilligst und raschest erfüllen. Vereinsnadirlditen Jüdisch-akademischer Juristenverein. Generalversammlung im Vereinslokale. Alserstraße 28, am Sonntag, den 25. April d J., um halb 10 Uhr vormittags. Tagesordnung: Bericht; Debatte. Wahl des neuen Ausschusses. Wahl der Verbandsausschußmitglieder, Eventualia. Jüdisch-akademischer Kulturverband „Jabne“. Sonntag, den 18. d. M.. findet um 9 Uhr vormittags die Aussch uß s i tz ung. um 10 Uhr vormittags die Mitgliederversammlung statt. Referent Koli. S t a r e r. J. A. C. Jordania. Stockerau. bittet, eventuelle Zuschriften an den derzeitigen Schriftführer Herrn Fritz Pulgram. stud. med.. Stockerau. Brodschildstraße 3. zu richten. Jüdisch - akademischer Philosophen - Verein. Samstag, den 17. April 1920. 3 Uhr nachmittags, findet in unserem Festsaaie, IX., Alserstraße 28 (Judaea-Verband), die ordentliche Plenarversammlung für das Sommersemester 1920 statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Ausschusses; 2. Diskussion über Punkt 1; 3. Neuwahl; 4. Eventualia. Sollte die erforderliche «Mitgliederzahl nicht rechtzeitig erscheinen, findet eine zweite Versammlung ohne Rücksicht auf die Teilnehmerzahl um halb 4 Uhr nachmittags statt. Palästina-Sektion des akademischen Vereines jüdischer Mediziner in Wien. Samstag, den 17. Aoril. halb 4 Uhr nachmittags. Zusammenkunft. Tagesordnung: 1. Palästina-Seminar: Kolonisationsprobleme Palästinas (Landarbeiterfrage). Referent Dr Leo Goldhammer. Anschließend