Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 12 (26.3.1920)
- Date
- 1920-03-26
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 CD © « o s tu A CJ u c *5 CO . , e O— JJ W N »i ■= £! w c o" ssiis* * 83 83 84 CO CO rf* 00 83 Gesamtzahl der Leichenbegängnisse 2501 2709 3392 3401 © CM TT 4035 A « o CO © in © —M CO s in © o WM tm O CO WM © © CM o CM s s CO © CM vO CO cs © iO tfr- © WM CO CO OS > WM ri e o co ■ © © O) X CO in © lO XJ 3 CO CO 03 CO o o eo \0 CM Q> o © CO CO A © CO WM m ' ~ c bfi 2 CD WM M o tos CM so CO (C bü Ci A C CO A CD t*- 00 V A © 05 © © © © g WM WM €1 U Man ersieht aus dieser Tabelle, daß die ungemein große Zahl der untersten zwei Gruppen stets konstant bleibt, und daß sich der Anteil an der Gesamtzahl mit dem Anteil der kleinen und kleinsten Wohnungen deckt. Die Inhaber der kleinen und kleinsten Wohnungen sind natürlich auch die Anwärter für die billigst oder gar nicht berechneten Leichenbegängnisse. Es erscheint also aus diesem Parallelismus der Schluß berechtigt, daß innerhalb der Judenschaft die gleiche soziale Schichtung herrscht, wie in der Gesamtbevölkerung. Was aber leidenschaftlich geleugnet wird. Von Ost unö West Masaryk über das nationale Judentum. Die Prager „Selbstwehr“ berichtet: Am 8. März 1920 wurde der Stadtrat Gödlings vom Präsidenten Masaryk empfangen, um ihm dlie Glückwünsche seiner Heimatstadt zu 'seinem 70. Geburtstage zu überbringen. Im Verlaufe der Audienz, die zirka drei Viertelstunden währte, erkundigte sich der Präsident über das Verhältnis zu den Minoritäten in Göding. Bei Erwähnung des Bürgermeisters Dr. Krajicek, daß . die Minoritäten in Göding aus Deutschen und1 Nationaljuden bestehen, nahm Präsident Masaryk spontan die Gelegenheit wahr, sich äußerst schmeichelhaft über das Nationaljudentum und den Zionismus zu äußern. Auf die Anfrage des Präsidenten nach der Zahl der Juden respektive Nationaljuden berichtete der jüdischnationale Stadtrat Ing. Steinitz, daß von den 1000 Juden Gödings zirka 900 national organisiert seien. Anschließend daran führte Präsident Masaryk aus. daß ihm die jüdischnationale Idee sehr sympathisch sei daß er eine Gesundung der Verhältnisse von ihr erhoffe, sowohl im Judentume selbst als auch nach außen. Er erw'ähnte, daß er die im Verfassungsgesetze durchgeführte Anerkennung der jüdischen Nationalität begrüße und betonte, daß man jedem Juden die Möglichkeit geben müsse, seine Nationa’ität wahr und offen anzugeben, wobei er hervorhob, daß Sprache allein kein Merkmal einer Nationalität sei und daß publizierten Aktenstücke sind dem Wiener Staatsarchiv entnommen und sind bisher unserer Historiographie unbekannt geblieben. Am Wiener Kongreß wurde die Judenfrage, wenn auch nicht ln ihrer Totalität, so doch zum erstenmal vor einem breitem europäischen Forum behandelt. Es wurde allerdings nur die Frage der Gleichberechtigung der Juden in einigen Judengemeinden, so zum Beispiel Frankfurt a. M., Lübeck, Hamburg, Bremen, berührt, trotzdem aber ist es das historische Verdienst jener Juden, die damals die Sache ihrer Gemeinden vertraten, trotz ihres engen, politischen Gesichtskreises, die Juden- ,eananz:pation zu einer europäischen Angelegenheit gemacht zu haben. In der vorliegenden Schrift werden einige Aktenstücke veröffentlicht, die auf die Judenfrage am Wiener Kongresse bezug haben. Die interessante und geschmackvoll ausgestattete Broschüre ist zum Preise von K 10.— durch den Verlag „Esra", IX., Alserstraße 28, wie auch durch jede Buchhandlung zu beziehen. Jüdisches Theater in Moskau. Laut Warschauer Zeitungen spielen jetzt sowohl das hebräische als auch das jüdische Theater in Moskau bei stets ausverkauftem Hause. Letztens fand ein Ma e ter linck- Ab en d, mit „Die Blinden“ und „Interieur“ statt, sowie ein Schalom Asch-Abend. Für die Theater werden auch eigene Musikstücke komponiert. Das soeben erschienene Heft V der hebr. Zweiwochenschrift „Haawoda“ weist folgenden Inhalt auf: 1. Unsere Aufgabe auf der Weltkonferenz, von Josef Aronowitsch; 2. Die Relativitätstheorie, von Prof. Einstein von Dr. H. Horowitz; 3. Die Bedeutung des „Hechaluz“ Im gegenwärtigen Moment, von Sawlan; 4. Die Verwirklichung des Zionismus, von Meier Henisch; 5. Das Mäuschen, von Josefine Robinsohn, und 6. „Hapoel-Hazair“ und die Programmfrage, von Elieser Joffe. Preis dieses Heftes 6 Kronen. der Jude, der deutsch, tschechisch oder polnisch spreche, sich mit Recht zu seiner — jüdischen Nationalität zählen könne. Er sprach dann von dem großen Eindrücke, den die mächtige zionistische Bewegung in Amerika auf ihn gemacht habe und daß er dem zionistischen Gedanken einen hohen ethischen Wert beimesse. Dies sei wenigstens seine persönliche Meinung.. Bürgermeister Dr, Krajicek machte den Präsidenten noch aufmerksam, daß Professor Masaryk vor dem Kriege einmal als Gast der zionistischen Studentenverbindung „Gamala“ in Göding ain'äßlich einer Versammlung für die nationale Autonomie hätte sprechen sollen. Auf Anfrage des Präsidenten berichtete Dr. Ing. Steinitz. daß das im Jahre 1911 war. Präsident Masaryk erinnerte sich nach einigem Nachdenken und' betonte, wie auch tatsächlich aus den Protokollen der „Gamala“ ersichtlich, daß er damals im letzten Augenblicke infolge plötzlicher Erkrankung abtelegraphieren mußte. — Masaryks Aeoißerungen. die sowohl für das jüdische Mitglied' des Stadtirates als auch für die übrigen Anwesenden — als spontan —'überraschend kamen, übten auf alle Zuhörer einen nachhaltigen Eindruck aus. „Konfirmation“ getaufter Juden in Budapest. Kardinal-Fürstprimas Johann Csernocn hat kürzlxh in der Universitätskirche wieder ungefähr hundertfünfzig getaufte Juden konfirmiert. Am Schlüsse der Messe hielt der Kirchenfürst eine Rede und nahm sodann die Kommunion vor. Der Dcminikanerpater Ladislaus Vörös sagte über die Getauften folgendes: Im September vorigen Jahres erhielten alle neugetauften Erwachsenen die Einladung, an dem für sie veranstalteten Unterrichtskurs teilzunehmen. Es haben sich sehr viele gemeldet, jedoch nur 150 bis zum Schluß ausgehalten. Die Männer habe ich im Zentral-Priesterseminar fünf Monate hindurch unterrichtet, während die Frauen Lm Sion-Instrtut dem Unterricht anwohnten. Der Prozeß der Bekehrung hält noch an. Die Absolventen des Lehrkurses erhalten vom Fürstprimas ein amtliches Attest, laut welchem sie vor Gott und den Menschen würdig sind, den geborenen Katholiken gleich behandelt zu werden. — D esen geistigen Pogrom haben die „auserlesenen Hundertfünfzig“ zum Teil doch nur aus banger Furcht vor den Pogromen der Horthy- Banden an sich selbst verübt. Bund gesetzestreuer, jüdischer Gemeinden in Deutschland. Von kurzem fand inHalberstadr die konstituierende Vertreterversammlung eines „Bundes gesetzestreuer jüdischer Gemeinden Deutschlands“ unter Führung der Synagogengemeinde Halberstadt und der hochdeutschen Israelitengemeinde Altona statt. DeT Bund, der im Sinne von Artikel 137 der deutschen Reichsverfassung eine öffentlich-rechtliche Körperschaft ist, bezweckt die Zusammenfassung, Stärkung und Vertrefung aller jüdischen Gemeinden, deren Verfassung und Institutionen den überlieferten Religionsgesetzen entsprechen. Er behält sich vor, mit anderen Organisationen, soweit es die Wahrung der eigenen Grundsätze zuläßt, zusammenzuarbeiten. Antisemitische Demonstrationen in Bayern. Aus München wird geschrieben: In einer von der Deutschvölkischen Arbeitsgemeinschaft einberufenen V ersammlung „Gegen die Ostjuden“ war die Losung ausgegeben worden, sich am Sonntag gegen die Mittagsstunde am Lembachplatze einzutinden, um eine antisemdische Demonstration großen Stils zu veranstalten. Nach 11 Uhr versammelten sich dann auch wirklich auf dem Lembachplatze einige hundert Personen. Die Referenten der Versammlung. Rektor und Schulrat Rohmeder und Justizrat v. Z ezsc h w i t z, sprachen und wandten sieh gegen die Einwanderung und Duldung der Ostiuden. Dann erhoben sie Verwahrung und Protest gegen die Zuteilung von Mazzos an die Juden. Diese bekämen dadurch mehr und helleres Mehl als die übrige Bevölkerung, die ein ungenießbares Brot essen müsse. Ein Reichswehrsoldat verte Ite Zettel antisemitischen Inhalts. Er wurde von Schutzleuten verhaltet und entwaffnet. Die Demonstranten gingen .daraufhin gegen die Schutzleute los. entrissen ihnen den Verhafteten und diese mußten, wollten sie sich weiteren Angriffen entziehen, verschwinden. Die Menge, die inzwischen aui viele Tausende angewachsen war. nahm sodann aui der Feldherrnhalle Aufstellung. Dort wurden vor und während! der Pausen der Parademusik die übiiehen antisemitischen Hetzreden unter dem Beiiallsgeiohle der Menge gehalten, diie Regierung wegen der obenerwähnten Tatsachen angegrifien und deren sofortige Rückgängigmachung gefordert. Jüdisch aussehende Herren waren Tätlichkeiten ausgeselzt. ln einer Ansprache wurde zu euer Demonstration vor dem in der Nähe befindlichen Ministerium aufgeiordert und das Polizeiaufgebot konnte erst nach Aufstellung eines Maschinengewehres diese verhindern. Inzwischen trugen als Vertreter der demonstrierenden Menge die Vorstandsmitglieder des Schutz- und Trutzbundes dem Minister Endres ihre Forderungen vor. Ein für Montag einberufener Miinisterrat sollte über die Forderungen beschließen, die lauteten: Unbedingtes Einreiseverbot für alle Ausländer. Ausweisung aller Ostjuden, die nach dem Juli 1918 (die Demonstranten förderten stürmisch 1914) eingewandert sind. Ke Abordnung hatte sich ferner das Recht Vorbehalten, «eme Forderungen aufzustelien; diese werden folgendermaßen formuliert: Die bayrische Regierung habe bei der Reichsregierung gegen den Ostjudenerlaß der preußischen Regierung einzutreten; sofanttge Nachprüfung der Unterlagen für die Teilnahme aller Juden am Hochschulstudium: Vorstellung bei der Reiclisgetreicles te Ile gegen die Zuteilung von Mehl und Mazzos. — So weit ist es also im schonen Bayernlande gekommen. Ein Aufrechter. Infolge der Nichtbestätigung Professors Askcnasys durch den Warschauer Universitätssenat hat der weltbekannte Professor der Soziologie an der Warschauer Universität L. P c t r a z y c k i, seine Denr ssion eingereicht und verläßt die Warschauer Universität. Die jüdische Bevölkerung von Lodz. Aus Lodz wird gemeldet: Im Zusammenhang mit der Mazzothversorgung ließ der jüdische Gemeinderat J. J. Bermann in Lodz be m dortigen statistischen Amt der Gemeinde die jüdische Bevölkerungszahl ermitteln und erhielt den Bescheid, daß zurzeit 185.000 jüdische Seelen in Lodz ansässig sind. (Damit ist Lodz nächst Wien und Warschau die größte jüdische Gemeinde in Europa.) Französischer Antisemitismus ln Polen. Seit e nigen Wochen erscheint hier unter dem Namen „Journal de Po 1 ogn e“ eine Zeitung, deren Aufgabe es laut ihrem Programm wäre, in Polen und Frankreich die gegenseibge Kenntnis der beiden Länder zu fördern und freundschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Staaten zu schaffen. „Journal de Pologne“ hat nun eine merkwürdige Art, diesem an sich einwandfreien Programm gerecht zu werden. Es scheint in Polen Erbitterung gegen die Friedenskonferenz und! den Friedensvertrag zu herrschen und dies nicht etwa deshalb, weil sich Polen territorial und wirtschaftlich verkürzt fühlt, sondern ausschließlich deshalb, weil auch Polem sich dazu bequemen soll, vertragsmäßig die Rechte der nationalen Minoritäten anzuerkennen. Das genannte Blatt läßt auch keinen Zweifel darüber, daß es sich ihm ausschließlich um einen Rechtsraub an den Juden Polens handelt, denn es übertrifft an Haß gegen die Juden selbst die berüchtigte „D w a Grosz e“. Es erscheint keine Nummer des „Journal de Pologne“. in der nicht das polnische Volk förmlich zu Pogromen gegen Juden verhetzt und das französische Volk durch falsche und entstellte Berichte über das Leben und Treiben der Juden in Polen irregeführt würde. Man weiß nicht, ob das französischer Export nach Polen oder polnischer Export nach Frankreich ist! Jüdische Emigration. Wie aus Zürich gemeldet wird, ist dort dieser Tage eine siebenköpfige jüdische Emigrantenfamilie auf der Durchreise nach Palästina angekommen und hilflos durch die Straßen gewandert, wo sie von einem nichtiüdischen Arbeiter aufgenommen wurde, der sie bewirtete und ihnen zur Weiterreise verhalt. Solche Fälle düriten sich in der nächsten Zeit häufig ereignen, da unsere Brüder im Osten sehnsüchtig darauf harren, aus der gift- und pogromgeschwängerten Luft herauszukominen. Wie das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz“ berichtet, hat sich in Basel ein Emigrationsbüro konstituiert, das die Aufgabe hat, den Emigranten beizustehen, für vorübergehenden Aufenthalt zu sorgen und ihnen bei der We;terre:se behilflich zu sein Zürich dürfte aber ebenso wie Basel ein Durchgangspunkt sein, und es drängt sich die Notwendigkeit auf, hier ein gleiches Büro ins Leben zu rufen. Auch in R o m soll demnächst ein Hilfskomitee für die Auswanderer nach Palästina mit Filialen in Tr:est. Genua und Ravenna errichtet werden. Clemenceaus J udentreundlichkeit. In einem Artikel der „Jewish Times“ erklärt Dr. D. Pasmanik den Durchfall Clemenceaus bei der Präsidentenwahl mit dessen allzugroßer JudenireundlichkeiL Die Deputierten Verziehen es ihm nicht, daß er so viele Juden zu seinen engeren Mitarbeitern und Vertrauten zählte. Der Fall Clemenceaus sei vom jüdischen Standpunkte aus zu bedauern, da Clemenceau energisch für das Recht der jüdischen Gleichberechtigung in Polen und Rumänien eingetreten sei. Zum Schluß spricht Pasmanik die Befürchtung aus. daß die neue französische Diplomatie bezüglich der Wahrung der jüdischen Rechte nachgiebiger werden könnte. „Hebromaniaken.“ In seiner letzten Rede zur türkischen Frage bat Lloyd George von der Sucht gewisser Leute gesprochen, überall jüdischen Einfluß zu wittern, insbesondere den der Hochfinanz. Es gebe eben „Hebromaniaken“, denen auch die Legende zuzuschreiben sei, die jüdischen Bankiers verhinderten die Annexion Konstanrinopels. — Diese Rubrizierung gewisser Jmdenschnünler unter eine in der Psychiatrie vollbekannte Kategorie von Geisteskranken, ist nicht übel und dürite auch in anderen Ländern vielfach am Platze sein. Lansing als Antizionist. Der Ln New-York erscheinende „Haint" bringt eine Zuschrift seines Washingtoner Korrespondenten R. Fink anläßlich der Demission des Staatssekretärs Lansing. Der Korrespondent schreibt: Jetzt, nachdem Präsident Wilson Herrn Lansing entlassen hat, kann ich gewisse sensationelle Tatsachen berichten, die bisher nicht enthüllt werden durften. Ich bin in der Lage zu erklären, daß in den Archiveu des Weißen Hauses und des Staatsdepartements das Original und die