Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 14 (1920)
- Issue
- 9 (5.3.1920)
- Date
- 1920-03-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Aleppo 1× ep/1047811
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Ml* 6 daß auch die vom alten Rat Sbriggebüebenen fünf Mitglieder deamssücmjerten. Wir stehen hier also vor dem Versuche der ersten zionistischen Administration in Italien, der — ie nach seinen Resultaten — eine bestimmende Wirkung auf die weitere Entwicklung. des jüdischen Lebens in Italien haben wind. Ein gewisses Bedenken könnte nur der Umstand hervorrufen. daß auch in Florenz die Gemeinde selbst ziemlich angeschnitten von dem florentinischen Judentum ist, da auch hier mir ein kleiner Bruchteil der jüdischen Bevölkerung an den Wahlen teiteenommen hat. Der neue Rat wird das Wahlrecht erweitern müssen. Mau muß aber bemerken, daß in Italien die Frage sich mit der Erweiterung des Wahlrechts nicht erschöpft. Mehr als das plutokratiiscbe Gesetz ist es die Gleichgültigkeit dem jüdischen Leben gegenüber, die die Juden von der Gemeinde fennhält. Diese zu bekämpfen. wird eine der Hauptaufgaben des neuen Rates sein müssen. Frankreich und Syrien Gustav Herlt schreibt Im ..Oesterreichisclien Volkswirt“ vom 14. Februar: ' 'Aut dem europäischen Festlände ist Frankreich zwar gegenwärtig die stärkste Macht aber außerhalb Europa hat es an Macht und Ansehen wenig gewonnen. Das sieht man klar und deutlich in der Levante.. Die Franzosen sehen wohl ihren sehnlichen Wunsch. Herren von Syrien zu werden, endlich erfüllt aber ungetrübt ist ihre Freude -über diesen Erfolg nicht dafür haben schon die Engländer gesorgt Die- Franzosen sollen. nur das nördliche Syrien erhalten, während ihr Streben doch auf ganz Syrien. einschließlich Palästina, gerichtet war. Dieses sowie die Gebiete östlich vom Libanon sollen zu einem eigenen arabischen Staate vereinigt werden, in dem natürlich die Engländer das große Wort führen werden. Damaskus, der Schlüssel zu ganz Vorderasien, wird auch zu diesem neuen Staate gehören. Das französische ELnflußgebiet in Syrien soll sich zwar bis an den Eufrat erstrecken, aber ohne Damaskus, und vielleicht gar ohne Bei- Tut hat der Besitz von Nordsyrien keinen großen Wert für die Franzosen. Sie sehen sich von allen Seiten eingekreist in die englischaroerikanischeu Interessengebiete, wenn man dengeplanten, armenischen, Staat -zu letzterem rechnet Die Ausgangspunkte der Ueberiandwege vom Mittelländischen Meere zum Persischen' Golf be-. finden sich mit Ausnahme von.Alexandrette in den Händen oder unter der Oberaufsicht der Engländer. So Kaifa. von wo die zukunftsreiche Bahn nach Damaskus ansgeht Tripolis, von wo die Bahn nach Horns dem natürlichen Mittelpunkt des syrischen Bahhnetzes geht, den aber die Franzosen zu spät würdigen gelernt haben (erst nach den Plänen des deutschen Ingenieurs' Presse!), dann- Beirut, von wo die wenig leistungsfähige Schmalspurbahn nach Damaskus ausgelit. Von Alexandrette geht eine Seitenlinie hinauf nach der Häuotiinie der Bagdadbähn. die diese mit dem Golf von Alexandretfe verbindet. Diese Seitenlinie hat eigentlich nur den Zweck, für Aleppo eine zweite Verbindung mit dem Mittelländischen Meere zu schaffen» als Konkurrenzunternehmen gegen die französische Bahn Aleppo — Rajak—Beirut. Es wird von den Tarifen abhängen. welche von beiden Linien der Handel bevorzugen wird. Als Ueberlandweg nach Indien hat die von Alexandrette ausgehende Eisenbahn keine große Bedeutung, und da die Hauptstrecke der Bagdadbahn von den Engländern beherrscht' (wird, haben die Franzosen nicht viel daran, daß das Anfangsstück in ihrer- Gewalt ist Der französische Einfluß in Syrien, wie überhaupt in der ganzen Levante vor dem Kriege, beruht vor allem auf ihrem entwickelten Schulwesen: Träger dieses Schulwesens aber waren die französischen O r d e n.Die französischen! Klosterschulen waren allen andern fremden überlegen: sie brauchten nämlich keine Aufwendung für Lehrergehalte. Die Ordensgeistlicben mußten Schule halten, wie sie Messe lesen and predigen mußten, das gehörte zu ihren Dienstobliegenheiten. Vom Orden bekommen sie bekanntlich keinen Gehalt und nur. je nach dem Reichtum des Ordens und der Gegend, wo sich die Niederlassung befand, verschieden, freie Station. Die weltlichen, fremden1 Schulen mußten ihre Lehrer teuer bezahlen und kostspielige Schuir bauten aufführen. während sich die Klosterschulen mit den notdürftigsten Räumlichkeiten begnügten, die französischen Klosterschulen konnten also den Unterricht viel billiger erteilen vielfach ganz unentgeltlich, als die fremden.! weltlichen Schulen and hatten daher , auch den größten Zulauf. Aber schon vor dem Kriege beklagten ach dieJ'ranzosen darüber, daß sich ihr Schulsystem nicht' mehr aufrechterhalten lasse, weil der Nachwuchs für die Ordensgeistlichkeit fehle. Daß es damit seit dem Kriege besser geworden ist. kann bezweifelt werden, wahrscheinlich werden die Franzosen in Zukunft auch mehr zu weltlichen Lehrkräften greifen müssen. Die Franzosenbrüsteten sich immer -mit den Sympathien, die die Syrer für sie haben sollten, damit scheint es aber nicht mehr gar zu glänzend bestellt zu sein. Die Syrer schwärmten für die Franzosen, weil sie mit ihrer Hilfe vom türkischen Joche erlöst sein wollten, um politisch selbständig zu werden. Jetzt aber, wo sie unter französische Herrschaft kämmen sollen, deren Schattenseiten die Araber ia von Algerien und Tunis kennen, läßt ähre Liebe für Frankreich nach. , „ Der Emir Eaissal. den die Franzosen früher immer umscteneichelt hatten und den sie \ jüdische ngrowa eigens nach Paris hatten kommen lassen, ist ihr größtes Sorgenland geworden. Er besteht auf der Unteilbarkeit Syriens und vereitelt dadurch das englisch-französische Abkommen vom Jahre 1916. Die französische und englische Regiertmg sind in großer Verlegenheit geraten» und wissen nicht wie sie aus dieser Sackgasse herauskommen sollen. Sie hatten das Bärenfell verteilt noch ehe der Bär erlegt war» Die Familie des Emir Faässal ist eine der einflußreichsten in ganz Syrien, sein Bruder ist das Oberhaupt der vorläufigen Regierung in Damaskus. Was den Emir am meisten erbittert und was er auch -einem Vertreter des ..Matin“ offen gesagt hat ist daß das französische Syrien das geschlossene arabische Gebiet zerreißt. Wahrscheinlich sollte durch diese Geometrie . einer allzu großen Erstarkung des arabischen Einflusses ein Riegel vorgeschoben werden, Man kann wirklich gespannt darauf sein, wie im kommenden Friedensvertrage die syrische Frage gelöst werden wird und was die Franzosen tatsächlich erhalten werden. Für sie dürfte Syrien ein zweites Algerien werden. Zionistische Bewegung Das Prolekt einer universalen zionistischen Studentenorganisation. Die Organisation der holländischen zionistischen Studenten hat auf einer seiner letzten Tagungen beschlossen, die Initiative zur Schaffung einer allgemeinen Organisation der jüdischen Studenten und Exstudenten zu ergreifen. Diese soll das Band festigen, welches die zionistischen Studenten der verschiedenen Länder und die verschiedenen Vereinigungen mit einander verknüpft. Die allgemeine Organisation zionistischer Studenten soll 1. die Beziehungen unter den zionistischen Akademikern festigen. 2. die Uebersiedlting nadh Palästina erleichtern. 3. die Arbeit ähnlicher Organisationen wie die der Vereinigung zionistischer, Mediziner und der zionistischen Techniker Hollands, deren Zweck es ist. Material für den Aufbau Palästinas zu sammeln und Pläne auszuarbeiten, zu. zentralisieren. 4. die Beziehungen zwischen.den zionistischen Studenten und Absolventen einerseits und der Londoner Zentrale sowie Palästina anderseits zu vermitteln, 5. an der Lösung der Galuthfragen. wie Auswanderung und Autonomie mitzuarbeiten: Jene, die sich in Palästina niederlassert und spezialisieren wollen: sollen durch Zusammenarbeit der Techniker aller Zweige, durch Behandlung juristischer Probleme.- durch Sammlung der Daten und Studienergebnisse in einer besonderen Zeitschrift und durch Veranstaltung von Exkursionen und Studienreisen, nach Palästina gefördert werden. Die nähere Berührung unter der Studentenschaft soll den Besuch ausländischer Hochschulen für osteüropäisöheoHoehschüler /erieicib? tern. Ein gemeinsames Büro soll die Fragen studieren. die sich auf die nationale Autonomie beziehen. . ’ " Die Vereinigung soll, dem. Plane gemäß^ in zahlreiche Fachsektionen zerfallen und von einem Zentralbüro mit einem Sekretariat geleitet werden. Dieses soll mit allen Gruppen: mit der Leitung in London und in Palästina in Kontakt stehen, die Studien jener Banken»- die sich in Palästina niederlassen wollen» Daten sammeln und Studienreisen nach Palästina veranstalten. Vorläufig soll das Büro der Vereinigung zionistischer Studenten-in Holland als provisorische Zentrale angesehen werden. Geplant ist die Abhaltung eines allgemeinen Kongresses zionistischer Studenten, der gleichzeitig mit dem nächsten Zionisten-Kongreß stattfinden soll. Freie Stälen für Geometer ln Palästina. Palästinaamt Wien. Laut Mitteilung der technischen Abteilung des Waad Hazirim in Jerusalem werden in der nächsten Zeit Geometer (Landvermesser) sowie Hilfskräfte für die Bodenvermessung zwecks Anlage eines genauen Katasters benötigt werden. Voraussetzung zur Erlangung einer -derartigen Stelle ist nebst der fachlichen Ausbildung auch die Kenntnis der hebräischen und englischen Sprache. Bewerber wollen sichbeim Palästinaamt. Technisches Referat. Wien IL. Zipkusgasse 33. täglich mit Ausnahme von Samstag in der Zeit von 10 bis 12 Uhr persönlich oder schriftlich unter Anführung sämtlicher in Betracht kommenden Personaldaten anmelden. Palästina Die Tätigkeit der Kommission für Wasserwirtschaft in Jaffa* Die voreinem Jahre in Palästina begründete maritime Kommission versendet ' «an Rundschreiben, dem wir das Folgende entnehmen: Palästina ist nicht nur ein kontinentales, sondern auch ein maritimes Land und! unsere Renaissance muß auch von jener unserer Wässer begleitet sein, welche vernachlässigt; blieben» sät wir aufhörten ein freies Volk zu sein. Während wir unsere Grenzen weder naeji Nord! noch nach Ost und Süd auszudehnen vermögen, können wir dies nach Westen gegen das Meer hin tun. Es ist der Moment gekommen, um hiefür die Grundlagen zu legen. Aus diesem Gesichtspunkte wurde vor einem Jahre die Kommission begründet In Bälde so!1 ein Buch über die Tätigkeit und das Programm der- Kommission erscheinen. Inzwischen ist' es nötig, daß sich alle Interessenten und alle: welche -für die Wiederbelebung unserer Wässer sind, sich mit uns zu einem gemeinsamen Werk vereinen. Die Tätigkeit soll in eine px i- . Hr. 9 v a t e und! korporative und eine allgemeine natro-nale geschieden werden. a) Die private Initiative. Mit unserer Hilfe’und auf unsere Anregung wurde in diesem Jahre gegründet: Eiine Station in Atlith; ein Fischerdorf das auf Grund unserer Einladung an mehrere Fischer von Saloniki» für welche, wir auf Ratenzahlungen Boden für Häuserbau erhielten, entstehen soll; die Schaffung einer Rschergruppe aus entlassenen amerikanischen Legionären; eine Dampfschiff-, fahrtsgesellscbaft „Hechaluz“ fürs Mittelmeer; eine AktiengeseHschlaft für den Ankauf und Betrieb großer Schiffe;. „Erez Isnaele Line“. Außerdem wurde eingerichtet: eine Fischergesellschaft in Tiberi’as und eine Schiffahrtsgesellschaft in Kinneretb. b) Die nationale Initiative. Baron James Rothschil d hat uns Terrain und Gebäude in Tan wer a h zur Verfügung gestellt für die Schaffung einer Seestation. welche den Sitz und; den Mittelpunkt für die Entwicklung aller maritimen Tätigkeit bilden soll, wie zum Beispiel: Fischfang, Schiffahrt. Konservenerzeügung -usw» Es arbeiten bereits 60 junge Leute dort, aus welchen Fischer. Barkenführer usw. ausgebildet werden sollen. Das Werk ist durch die Unterstützung verschiedener Faktoren, wie der ICA, des Misrachi. der Achduth Ha’awodah, gesichert und di© amerikanische Regierung hat ihre weitgehende Unterstützung zugesagt . ' Wir haben eine maritime Bibliothek exrichtet, welche sich gut entwickelt Wir sammeln Material und Mitarbeiter für die Herausgabe einer technischen Zeitschrift „H a j a m“ (Das Meer). Ferner soll eine Sanimlung von Seeprodukten angelegt werden, ebenso ist die Gründung einer maritimen Schule und einer hydrographischen und! biologischen S tation für Seeforscbung geplant An diesen Bericht schließt die Konmnssfon einen Appell an die jüdischen Organisationen der Welt und fordert sie auf, zuvörderst Zweiergruppen in den einzelnen Ländern zu gründen, die .Jugend zum Seesport zu erziehen, Technliker und Handwerker für die verschiedenen maritimen Berufe . vorzubereiten, für die Einwanderung von S e e a r b ei te rn-r.Propaganda zu machen und zur Errichtung der maritimen Bibliothek sowie der sonstigen geplanten Unternehmungen beizutragen. Die Einweihung def jüdischen Flagge Iii der „Neuen Züricher Zeitung“ schildert Dr-» A. B. die Elivw eiihumg d erdüdisc Iren-' Handelsflagge zu-Jaffa: 1 »»Am 15. Dezember, am Vorabend1-des Makkabäerfestes, wurde ,die jüdische Handelsflagge im Jaffaer Hafen eingeweiht. Am 12. Dezember morgens erschien in der Richtung von; Haifa am Horizonte unserer Stadt, ein .mittelgroßer Motorsegler und fuhr langsam in den Hafen ein. Es war der erste Jüdisch-palästinensische Handelsschoner, über dessen Bäu ich in einer früheren- Notiz berichtet hätte. Während der nächsten Tage pügerte die ganze Stadt hinaus nach dem Standort des blau-weiß . angestrichenen Seglers, die Wandervogelorganisationen der Schüler besuchten ihn-in wohlgeordneten Gruppen: kein Jaffaer, welcher Konfession oder; Nationalität er auch sei» ließ es sich trotz dem strömenden Regen und dem wütenden Sturme nehmen, das erste Jüdische Schiff zu besichtigen: Am 15. Dezember, als sich -das Wetter besserte und der wolkenlose Himmel Meer und Land lächelnd umspannte» fand die feierliche Einweihung statt In Anwesenheit 'eines zahlreichen Publikums aller Bevölkerungsschichten hißte die Patronin, Frau Major June (die Frau des Küstenkommandanten). die Flagge. Diese besteht. aus einem weißen Felde, in dessen oberer Ecke ein Viertel für die Farben der „Union Jack“ reserviert ist: in der Mitte, zwischen zwei breiten, hellblauen Streifen äst ein ebenfalls blauer Davidstern .angebracht, in dessen sechseckigem Felde das Wort „Zion“ prangt Auf den blauen Streifen ist der Name des Seglers „Hechaluz“ (Pionier) sowie der Stadt Jaffa als Ausgangshafen und die Jahreszahl. nach hebräischer Zeitrechnung angegeben. Die Frau Major June hatte Tränen der Rührung in den Augen, als sie im Augenblick,, wo die neue Flagge über dem Schiff zu flattern begann. den Wunsch aussprach. dieser Tag möge den Anfang einer Aera von Frieden und glücklicher Entwicklung des Volkes Zions bilden. Mit wehender Flagge unternahm dann das Schiff, unter der persönlichen Führung des Küstenkommandanten. eine Rundfahrt in der Bucht Und. während bei Champagner und Süßigkeiten die Glückwünsche an die Schiffseigentümer toastiert wurden. machte die junge Flagge die erste Bekanntschaft mit dem Seewind, den blauen Wellen und der herrlichen Sonne des Südens und wurde vom zufälig im Hafen anwesenden Lloyddampfer „Gastem“ begrüßt Unter dem Beifall der am Ufer versammelten Menge kehrte der „Piohier" wieder in den Hafen zurück, während am Horizont die blutroten Vorhänge der Abenddämmerung die in die dunkelblauen Fluten hinabsinkende Sonne immer mehr verhüllten.“ Einwandereriürsorge. In Jaffa und Haifa sind.! Ausschüsse eingesetzt wordfen, die dTe Einwanderer zu empfangen und ihnen in iedter Hinsicht zur Seite zu stehen haben. Die Ausschüsse sorgen für die erste Unterkunft der Neuangekommenen, erteilen allerhand Auskünfte über Geldwechsel, Arbeite-