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Jüdische Zeitung · 1920-01-09 · 2 (9.1.1920) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
14 (1920)
Issue
2 (9.1.1920)
Date
1920-01-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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XIV. Jahrgang Nr. 2 Naiional-jfidifches Organ Eedaktioa und Administration: . Wi»b II., TaberstraSe I ••.Fernxpr* cher-Nf. 44033 a. 43319 Mit der bei age: „Der jOdische Nationalionds* Freitag, 4a* 9. Jänner 3920 lazagsprala: Vierteljährig 13 S ganzj. 50 X, Ein**laummrr 1 K Poataparkasaeakoato 133.404 Unsere geehrten Abonnenten Werden ersucht, zwecks Einzahlung der Aöonnementgebiihr sich der, der vorwöchentlichen Nummer beigelegten Erlagscheine zu bedienen, damit in der Zusendung unseres Blattes , keine Unterbrechung eintrete. Ab 1. Jänner gelten folgende Abonnementpreise: Jährlich K 50.— Halbjährlich K 25.— Vierteljährlich K 13.— Einzelexemplar K 1.— Zur Wieöereröffnung öer Friedenskonferenz In diesen Tagen soll die Friedenskonferenz von neuem zusammentreten, um die unterbrochene Arbeit an der Zurückführung der Welt in geordnete und. friedliche Verhältnisse wiederaufzunehmen, aus denen sie der Erobererdrang der Mächtigen,'die Verblendung und Verhetzung der Völker, der heidnische Geist der europäischen Christenheit so gewaltsam gestürzt hatten. Die Hoffnungen, die man auf .däe Tätigkeit dier .Friedenskonferenz vor Jahresfrist setzen mochte, sind .bisher nur zu geringem Teile im, Erfüllung gegangen uhd die Besten unter den Völkern, deneiK^"'dor—Fhdäs.tinafmge. :--jjfschJüss?-: ^^fhen, die es die Ereignisse mit ihren blutigen Zeichen in »" *«***«>«• Stell* veröfWiV.'.rien timt sr.Mfe die Seele gebramit haben,-daß nur der Geist völliger Umkehr, die Absage an alle Gewalt und der Wille zur Menschenversöhnung, der Brücken schlägt von Freund zu Feind, die zerstörte Welt zu erneuern vermag, kämpfen immer schwächer gegen die Enttäuschung am, die sich ihrer bemächtigen will. Trotz allem und allem jedoch wäre es verfehlt und verhängnisvoll, tatenlos die Hände in den Schoß sinken zu lassen, weil nicht alle Blütenträume gereift sind und so manchen der Rauh-reif der brutalen Wirklichkeit noch in der Knospe erstickt hat. In Zeiten, wie die jüngst verflossenen, da eine große seelische Erschütterung von den Menschen Besitz nahm und man plötzlich auf den gigantischen Trümmern einer lange morsch gewesenen Welt stand-, will sich der Geist hinwegsetzen über die Schiranken der Realität und die Gesetze der Beharrung mißachten, die im Leben der Völker nicht minder herrschen als in der geistigen W'elt des Individuums. So ist die Erneuerung der Welt ausgeblieben, der vor Jahresfrist der Menschheit zukunftsträchtiger Teil enfgegenfieberte und die Beziehungen zwischen den Völkern und Volksgruppen innerhalb der neugezogenen Staatengrenzen haben sich nicht parallel mit der politischen Geographie geändert. Wieder einmal erkennt man ernüchtert, daß alle Revolutionstecken bleiben muß, wenn der unreife Sinn d'er Menschen. bei den Aeußerlichkeiten Halt macht und unfähig bleibt, das wahre Sein des Menschentums zu ergreifen und die innersten Beziehungen umzugestalten. Sang- und klanglos ist die Friedenskonferenz auseinander gegangen. Seit einiger Zeit ist es den Einsichtigeren klar geworden, daß die Tätigkeit der verschiedenen Kommissionen in Paris vor einer Mauer stehe, welche die Unstimmigkeit zwischen den wider-streitenden Interessen der alliierten Mächte und die allgemeine Verfahrenheit der Verhältnisse geradezu unübersieigbar gestaltete. Wilsons Plan des Völkerbundes, zuerst durch allerlei Kompromisse entstellt, scheint durch die amerikanische Opposition vorderhand ad acta gelegt worden zu sein, die Frage der Mandatsübernahme durch Amerika wird infolgedessen aller Wahrscheinlichkeit nach aus den Berechnungen ausscheiden müssen und; die Lösung des türkischen Problems, welches nicht nur den Rräedensschluß mit der Türkei bedeutet, sondern vielmehr'die Auseinandersetzung zwischen Frankreich und England, daneben aber auch die mit Italien und Griechenland über Grenzen und Interessensphären. -mußte hinansgeschaffen werden, solange man in Paris bezüglich Rußlands^ welches ja an der Lösung der türkischen Frage in hohem Grade interessiert sein muß. zu keiner Entscheidung gekommen ist. Nun aber hat man sich unter dem Drucke der Verhältnisse entschlossen, das unterbrochene Friedenswerk fortzuführen und nach dem Verhandlungen mit Ungarn, die in diesen Tagen beginnen, soll die türkische Frage aufs Tapet kommen. Es werden vielleicht noch Wochen und Monate vergehen, bis man soweit ist, aber jedenfalls ist es sicher, daß wir nicht allzulage mehr werden warten müssen Seit der historischen Erklärung B a 1 f o u r s daß Palästina durch Englands Mithilfe ein jüdischnationales Heim werden soll, sind bereits über zwei Jahre verstrichen und! das jüdische Volk wartet mit steigender Ungeduld daß dem Versprechen endlich die Tat folge. Es scheint nun, daß sich langsam der Bann lösen will, der bisher die Inangriffnahme einer umfangreicheren Tätigkeit in Palästina gehindert hat. Unser Führer Weitzraann ist vor wenigen Tagen nach einem Aufenthalt von drei Monaten aus Palästina zurückgekehrt Er hat durchaus befriedigende Eindrücke mitgebracht und ist voll guter Hoffnungen. Dr. Ruppin hat in einem engeren Kreise der Wiener zionistischen Vertrauensmänner über seine Zusammenkunft mit Weitzmänn berichtet und1 ihnen über dien Stand wir an anderer Stelle veröffentlichen. Und schließlich tritt die zionistische Leitung aus ihrer lange — für viele allzulange — geübten Reserve heraus ünd versendet einen Arbeitsplan andie zionistischen Föderationen, der bereits däe Grundzüge unserer nächsten Arbeiten -erkennen läßt. Wir müssen hiebei eines festhalten: Noch ist Palästina Okkupationsland, die Zivilverwaltung ist noch nicht durchgeführt und die allgemeinen Weltverhältnisse werden die Inangriffnahme einer großzügigen Arbeit beträchtlich erschweren. Wir werden gegen Widerstände zu kämpfen haben, für die wir nicht verantwortlich, sind und mit denen wir,rechnen müssen. Für die Inangriffnahme umfassender Arbeit werden ungeheure Kapitalien nötig sein und die Absicht 4er Leitung, durch eine nationale Anleihe einen ganz großen Betrag aufzubringen, konnte angesichts der Unmöglichkeit, bei den zerstörten Verkehrs- und Kommunikationsverhälüiissen einen engen Kontakt zwischen dem Judentum der einzelnen Länder zu erlangen. nicht verwirklicht werden. Des weiteren ist zu bedenken, daß in Palästina die hochwertige englische Währung herrscht und die Teilnahme der europäischen Ostländer, däe von den jüdischen Massen bewohnt werden, zufolge ihrer völlig 'entwertetem Valuta inj sehr verringertem Maße in Betracht kommt So sieht sich die Leitung genötigt, die Privatinitiative zu fördern und muß vorläufig in hohem Maße mit der Beteiligung jüdischer Kapitalien aus England und Amerika rechnen. Selbstverständlich soll alles geschehen, um spekulative Ausschreitungen zu verhindern und die nationaiiüdischen Gesichtspunkte zu wahren. Es wird Sache der Zionisten sein, durch eine bedeutende Stärkung der nationalen Institutionen, besonders des Nationalfonds, die Inangriffnahme einer Tätigkeit in Palästina zu ermöglichen, die einen unmittelbar kollektivistischen Charakter trägt. Daß es bereits jetzt möglich w'— ~ leute, Unternehmer und produktive Ari wandern zu lassen, muß angesichts der als ein sehr bedeutender Fortschritt . Wir glauben nicht, <üaß auch nach erfolgtem Friedensschluß mit der Türkei jene Masseneinwandenmg. größten Stils nach Palästina -wird'- einsetzen können, von der manche Utopisten schwärmen. Dem widerstreiten niclit nur materielle und national-ökonomische Gesichtspunkte, sondern a-ucn die Idee des Zionismus, der m Palästina die jüdische Heimstätte schaffen, nicht aber drüben ein neues, eventuell hebräisiextes Ghetto etablieren will. Nur schrittweise, allerdings in einem immer wachsenden Tempo wird der organische Aufbau des Landes möglich sein. Wir müssen lernen, mit den Wirklichkeiten zu rechnen, wir müssen beginnen, uns mit den Arabern auseinanderzusetzen, eine Aufgabe, die bisher viel zu sehr vernachlässigt und deren Wichtigkeit bei uns viel zu sehr übersehen wurde. Wir müssen uns vor Augen halten, daß Palästina nicht imsen ist, solange es im Lande keine jüdische Mehrheit gibt. Die aber kann nur werden, durch organischen Aufbau und nicht, indem man wahllos Menschenmassen hiuüberwirft. Keine Macht der Welt ist imstande, uns Palästina zu „schenken“. Die Schwierigkeiten sind groß und der Umweg über manche reale Widerstände wird uns kaum erspart bleiben-. Die reinen Ideologen, an denen es bei uns nicht mangelt, werden vielleicht manche Enttäuschung erfahren müssen. Wir werden auch in Palästina dem Kampfe zwischen dem Privatinteresse und den Kollekt-vinteressen kaum ausweichen können, däe ersehnte Nationalisierung des Bodens wird sich wohl kaum von allem Anfang an als ausnahmsloser Grundsatz durchführen lassen. Aber die Unterordnung jeglicher künftiger Arbeit unter den einheitßchen Gesamtplan, unter den Gesichtspunkt des nationalen Heims für das jüdische Volk wird etwa auitauclienden Gegensätzen vieles von ihrer Schärfe nehmen und die gröbsten Monstrositäten einer ungerechten europäischen Wirt- - schal tkcfrdntntg von allem Anfänge bannen; Dar Ideal einer gerechten und dem jüdischen Geiste angemessenen Ordnung wird kaum mit einemmale zu erreichen sein und das Reich Gottes aut Erden wird sicherlich über Nacht erscheinen wie eine reife Frucht, die einem in den Schoß fällt Unverrückbar aber bleibt unser Ziel, das Zion heißt und zu dem Palästina nur ein Weg ist. Wir werden ihn zu gehen haben, auch wenn er nicht überall eben ist und manche Krümmen aufweist. __ A. F. Die Leitung über den palästinensischen Arbeitsplan Das Zionistische Aktionskomitee in London versendet an alle zionistischen Föderationen ein Rundsehrieben, dem wir das Folgende entnehmen: Nach einer Reihe von Beratungen sind wir jetzt in der Lage, über den gegenwärtigem Stand unserer Palas tmaanbeit und] däe Aufgaben, däe unser harren, einen Ueberblick zu geben. Einleitend muß betont werden, daß Palästina noch immer ein militärisch besetztes Land ist, und dieser abnormalen Lage haben wir Rechnung zu tragen. Vor allem müssen wir trachten, jetzt die Grundlage für unsere künftige Niederlassungsarbeit zu legen. Die Erhaltung und Entwicklung der vorhandenen Aktivität und der Schutz aller Interessen des J i s c h u b ist eine Aufgabe von solcher Bedeutung, daß beschlossen wurde, die Zion. Kommission in Palästina zu reorganisieren, sie durch Beiordnung einiger unserer besten Kräfte zu stärken und durch eine entsprechende Vertretung des Jischub sie in engeren Kontakt mit der Bevölkerung zu bringen. Was die N Eeder 1 assutigs be w illjc gung betrifft, wurde diese für den Großteil derjenigen erreicht, die schon früher in Palästina ansässig waren, sodann für fast alle zur Vorbereitungsarbeit erforderlichen Kräfte. für Berufsleute, die bereits im Lande gebraucht werden. und' für Personen die imstande sind, jüd. Arbeitern den Lebensunterhalt zu verschaffen. Diese Erlaubnis kann jedoch vorläufig nur ach einer Prüfung jedes Einzelfailes envirkt H'- ist unser unablässiges Bemühen. e - v Einwanderer mehr und mehr srsdP“'4--"" wir die Etablierung ^..Lcrnenrmingen der Privatinitiative fördern, die schon unter den gegenwärtigen Verhältnissen geeignet sind, breitere Arbeitsgelegenheit zu schaffen Es sei nicht unterlassen, hier hinzuzufügen, daß wir grundsätzlich die Förderung der Privatinitiative in jedem Falle abhängig machen von ihrer Einordnung in unsere mationalkoioriis a-to/riisqd en Interessent irfc-

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