Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 13 (1919)
- Issue
- 47 (28.11.1919)
- Date
- 1919-11-28
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- Arnold Zweig 1× ep/1009291
- Felix Salten 1× ep/1026698
- Gustav Landauer 1× ep/1025282
- Heinrich Loewe 1× ep/1024049
- Ludwig August von Frankl 1× ep/1023644
- Max Brod 1× ep/1024844
- Sholem Asch 1× ep/1000021
- Theodor Herzl 1× ep/1007316
- Ukraine 1× ep/1001131
- Uriel Birnbaum 1× ep/1027395
- Yechiel Tschlenow 1× ep/1020245
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Ur. 47 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 zerstreuten Quellen durchzuringen,' und den noch völlig unbearbeiteten Stoff in irgend eine zulängliche Form zu bringen. Wenn dies nicht außerordentlich schwierig wäre, so müßten wir nicht dien vollkommenen Mangel an systematisch orientierender Literatur so schmerzlich fühlent Deshalb muß man schon von vornherein eine Arbeit begrüßen, deren Zustandekommen eine so große Mühe erheischte und die ein Versuch ist, dem gekennzeichneten Mangel abzuhelfen. Der vorliegenden Arbeit darf man, als einererstmaligen, allerdings nicht mit dem Anspruch gegenübertreten, den ihr vielleicht nicht glücklich gewählter. Titel erweckt „Die theoretischere Grundlagen des Zionismus“ in ihrer ganzen Vielfältigkeit nachzuweisen, dafür bedüufte es einer jahrelangen kritischen Arbeit die sich auf die Methoden der Soziologie stützte. Diie Verfasser haben nichts andres geben wollen, als eine Anleitung zur Abhaltung von Kursen über dieses Thema. Sie haben sich bemüht ein Bild der ver. scliiedenen Richtungen im zionistischen Denken zu geben, indem, sie die Ansichten der hauptsächlichsten Theoretiker kurz skizzierten und überall die Quellen zur Enmögliclnmg. selbständigen Studiums angaben. So bietet das Büchlein tatsächlich das, was es anstrebt: Eine Orientierung, wie auch einen Leitfaden und wird in diesem Sinne gute Dienste leisten. Die Frage, ob die Art in der die Verfasser ihren Stoff behandeln, die richtige ist läßt sich nicht eindeutig, beantworten. Der Stoff läßt verschiedene Arten der Bearbeitung zu, immer aber müssen historisch-pragmatische und kritische Behandlung sich dabei innig durchdringen.. Die Autoren haben vielleicht zu sehr die theoretisch-kritische Seite isoliert und zu wenig die Entwicklung betont Dagegen scheint die Zweiteilung, die sie in der Behandlung der Theorie anwenden — zuerst gehört sie die Anschauungen der einzelnen Theoretiker und Systematiker wieder, sodann behandeln siie gesondert die verschiedenen Probleme, — als eine notwendige und daher glückliche. Jedenfalls soll die äußerst schwierige Frage nach der richtigen Methode uns nicht hindern, dasjenige, was die Autoren an Positivem geben, dajikbar anzuerkenneit Da sie. meist nur referieren und mit der eigenen Kritik sehr zurückhalten,. so erfährt man aus ihrem Büchlein sehr vieles überdie Art wie die Probleme von den in der Bewegung geistig Tätigen aufgefaßt werden. Immerhin sei bemerkt daß diese Behandlungsart' doch nicht so objektiv ist, als sie aussehen mag. Dies nicht nur wegen der selbstverständlichen Subjektivität in der Auswahl, sondern auch wegen der Intensität der Durchdringung der Probleme selbst. So ist z; B. der Abschnitt: „Die Grundlagen de$,v!iüdischen,:Nationalbegriffs“ -.äußeret;.dürftig inbezug auf die. Begründung der jüdischen ltfationalpolitik, deren wesentliche Bestimmtheit dabei nicht zum Ausdruck kommt und anderes mehr. Die Behandlung der Probleme ist überhaupt zu gedrängt, denn Knappheit darf nicht so weit gehen, daß wichtige Aspekte überhaupt wegbleibea Daß manche Urteile der Autoren anderen Beurteilem der Materie anfechtbar erscheinen werden, ist natürlich unvermeidlich, eine absolute Objektivität gibt es eben nicht Hie und da sind aber Behauptungen aufgestellt die auch objektiv, wenn nicht unrichtig, so doch nicht prägnant und eindeutig genug sind. Dies gilt besonders für viele Stellen im Abschnitt: „Sozialismus“. So wird das Wort Sozialismus ohne nähere Abgrenzung zwischen marxistischem und nichtmarxistischem Sozialismus gebraucht welch* letzterer allerdings in der Praxis keine Rolle spielt Wenn es. aber dann heißt: „Der historische Materialismus ist seit Bernsteins Buch: („Die Voraussetzungen! des Sozialismus“) nicht mehr die allein herrschende Anschauung“, so trifft das für die marxistische Sozialdemokratie nicht zu. Nur dte Art ihrer Aus- Soeben erschienen: j Das zionistische Mrbucii jüdischer «** NATIONALKALENDER m Almanach auffdas Jahr 5G80 ,[“* 5. Jahrgang. Heransgegeben von Otto A b e I e s und Ludwig B a t o. Inhalt: I] Ludwig Bato: Das Jahr 5679. — Hebt- ]| rieh Margulies: Politik und Sendung. —; Leon Reich: Die jüdische Delegation in * Paris. — Emil Stein: Palästina. — Robert | Weltscb: Die Revolution und die jüdischen ] Nationalräte. — H. P. Chaies: Das Amt — ■ Max Brod: Vom Wesen der Demokratie.— Ernst Müller: Zur Charakteristik des religiösen Judentums. — Hermann Kadisch: Die Gefahr einer neuen Assimilation. — Abra- ham Schwadron: Von den zwei Polen der j Judenfeindschaft — Arnold Zweig: Aus 1 einem Ostjudenbuch. — Otto Abeies: Die j Erscheinung (Gedicht). — Ludwig Bato: An . beiden Ufern. — Schalom Asch: Das Gej heimnis des Knaben. — Eugen Hoeilich: j Zwei Gedichte. — David Pinskl: Das Mädi chen an der Thoralade. — Cb. N. Blalik: An die Stillen (Gedicht). — Otto. Abeies: Ans besseren Tagen. — Uriel Birnbaum: Vier , Sonette — Bernhard Tag: Quellen, die ewig | sprudeln. — Marek Scherlag: Wage des Wunsches (Gedicht — Aus der Jüdischen j Sagenwelt: Der Tod Moses, Im Geheimnis der Mitternacht (Sohar). Der Todesengel (Gottlieb v. Leon). Jerusaleinitanische Lej genden (L. A. Frankl). Zwei böhmische [ Judenmärchen (L Kompert). — Artur Freud: Von Büchern des Jahres. — Jüdi- I scher Kalender für das Jahr 5680. ' Kernworte zur Judenfrage, v. Theodor Bebr, Hugo Bergmann. Theodor Herzl, Gustav Landauer. Heinrich Loewe, Max Norl dau. Felix Salten, Adolf Stand, Robert I Stricker, Jechiel Tschlenow. Umschlagszeichnung and Buchschmuck | von Jakob Löw, Illustrationen von Josef i Budko. Elchanan Frank. Jakob Löw. Moriz 1 Oppenheimer und Wilhelm WachteL Preis einschließlich Buchhändletrzuschlag K 11.—. Zu beziehen durch den V e r- I‘ lag Jüdische Zeitung: Wien. 2. Bezirk, Taborstraße 1. auiiassung, die besser die ökonomische genannt [wird, ist kein Materialismus im philosophischen Sinne, deren che ökonomischen Beziehungen sind für Marx „Beziehungen zwischen Menschen“. Auch stimmt es nicht daß die sozialistischen Geil dankengänge „im Anfang“ beeinflußt werden uswu! sondern das Gedankengebäude von Marx und Engels, vom Kommunistischen Manifest angefangen, ist ein durchaus einheitliches und heute noch die unerschütterte Basis für die sozialistischen Theoretiker, im Anfang sind die beiden; wie schon erwähnt durchaus nicht von materialistischen Anschauungen beeinflußt worden, sondern sie haben vielmehr den Hegelschen Entwickiungsbegriif imd seine dialektische Methode „vom Kopf auf die Füße gestellt“, wie sie sich selbst ausdrückten, sie haben also in origineller Weise vorhandene Anschauungen umgewälzt So ergibt es sich, daß bei allzu starker Zusammenziehung einer Gedankenreihe ihr eigentlicher Sinn gänzlich verloren geht- Damit ist die Hauptschwierigkeit einer solchen Darstellung gekennzeichnet: daß man all diese Probleme nicht in ein paar. Seiten abhandeln kann, — was ihren Verfassern selbst klar bewußt war, wie die Vorrede beweist Sie warnen darin mit gutem Recht vor einer mechanischen Uebernakme der von ihnen aufgestellten Sätze durch die Benutzer. Sie betonen die Notwendigkeit daß die Kursleiiier, für die ihr Buch bestimmt ist an Hand der gegebenen Uebersicht sich die Materien selbst aneignen. Es ist sehr wichtig, dies dreimal zu unterstreichen und vor dem Leichtsinn zu warnen, mit dem sehr häufig jene Probleme vorgetragen werden. Sehr treffend sagen die Ver«. fasser. und damit stimmen sie völlig mit der Auf- . fassung überein, die der Schreiber dieser Zeilen i in seinen eigenen Kursen betätigt daß es m diesen weniger darauf ankommt Wissen zu über« mittein, als. Verständnis zu erwecken, und daß nur der Kursierter darin Eriolg haben kann, der den Stoff individuell behandelt. Dies ist der einzig richtige Standpunkt Trotzdem wäre zu wünschen, daß ft» einet zweiten Auflage über die Probleme mehr gegeben würde, als in der ersten. Die Darstellung der A». sichten der Führer müßte nicht erweitert werden, denn jeder Kursleiter muß sie selbst gelesen, haben, woid aber der zweite Teil, der von den sachlichen Problemen handelt Dies gilt vor allem für den Poale-Zionismus und für den Galuthnationafismus. Im dritten Teil, der eine Uebersicht über die Institutionen usw. darstellt könnten beä den zionistischen hie und da (z. B. bei Bank und Nationaifond) etwas ausführlichere Daten gegeben werden. Jedesfaßs ist mit dieser erstmaligen Erscheinung ein Anfang gemacht auf dem die Verfasser weiter bauen können. Adolf Böhm. leguhg ist strittig, die materialistische Geschichtsauffassung selbst ist unangefochten, was ja anders nicht möglich ist, will sich die sozialdemokratische Theorie nicht selbst aufheben. Es ist eben schwer, in der konzentriertesten Knappheit selbst dort noch exakt zu sein, wo es sich um verwickelte Probleme handelt So steht in demselben Abschnitt kurz vorher der Satz: „Die sozialistischen Gedankengänge werden im Anfang von dem materiali. stischen System der Entwicklungslehre beeinflußt sind also durchaus abhängig von den phüosophischen Anschauungen ihrer Zeit“. Was ist in diesem Satze alles komprimiert: Daß Marx und Engels Schüler von Hegel waren, daß sie von ihm den Entwicklungsgedanken übernommen haben, daß sie diesem, im Gegensatz zu RegeL eine porm gegeben haben, die eine gewisse Aehnlichkeit mit dem philosophischen Materialismus besitzt. Nimmt man aber den Satz so wie er ist so ist er durchaus unrichtig. Die Entwicklungslehre ist an und für sich keine materialistische Geschichts- Das jüdische Handwerk in Polen Emen überaus instruktiven Vortra^ über dfe Lage und Organisation des jüdischen Handwerks in Kongreßpofen hielt vor kurzem in Posen Herr Leo Lipschütz aus Lodz, der bisherige zweite Vorsitzende dos jüdischen Handwerkerklubs in Lodz und gegenwärtiger Leiter des Zentralvereins jüdischer Handwerker in Warschau. Leszno 42. Die Zahl der jüdischen Handwerker Kongreße o lens wird auf 60 bis 70.000 geschätzt’: die Vertreter derselben waren Anfang Juli zu einer Tagung nach Warschau berufen und haben dort die Gründung eines Handwerker- Zentralrates beschlossen. Eine zentrale Organisation des jüdischen Handwerks war schon deswegen nötig, weil jüdische Handwerker in den Zünften, die häufig an kirchlichen Prozessionen sich beteiligten und auch sonst in christlich-religiösem Geiste geiührt werden, nicht ohne weiteres ausgenommen werden. Dies führte wirtschaftlich zu schweren Schädigungen der jüdischen Handwerker, welche Judenpolitik der Polen ,4m Widerspruch zu ihrer geschichtlichen Ueberlieferung steht“. Es folgt der Abschnitt „Die jüdische Autonomie in der Ukraine“, der die Dokumente aus der in nationalpolitischer Hinsicht bahnbrechenden Gesetzgebung der ukrainischen Volksrepublik über die nationalen Minderheiten enthält. Der Abschnitt „Die Juden in Rumänien“ gibt die einschlägigen Dokumente seit der Pariser Konvention von 1856 wieder. Es folgt das Gesetz über die „Emanzipation“ der Juden in Finnland. Dieser dritte Teil schließt mit den Dokumenten aus den Pariser Friedensverträgen, bzw. der Juden. Wo es nötig erschien, wurden die Dokumente mit kurzen, einleitenden Bemerkungen versehen, die Aufschluß über die geschichtlichen Umstände geben, unter welchen sie entstanden sind. Diese Bemerkungen stellen ein wertvolles, geschichtliches Material dar und erleichtern die Orientierung ungemein. Diese Sammlung enthält zahlreiche Dokumente, die nur mit großer Mühe beschafft werden konnten und ist in ihrer Vollständigkeit und in ihrer systematischen Anlage ein unentbehrliches jüdisches politisches Handbuch. Auch die Ausstattung der Schrift befriedigt alle Ansprüche. Das Werk erscheint auch in französischer und englischer Sprache. Jahrbuch der Vereinigung Jüdischer Exportakademiker Wien. — Dies« äußerst rührige Studeutenvereinigung ist in vorbildlicher Weise bemüht, ihren Mitgliedern gediegene Kenntnisse iber zionistische Probleme zu vermitteln. Dazu dienen Vorträge* Kurse, S emiuar ieu-Bibliothek Unddas soeben erschienene Jahrbuch, das ihr rühriger Obmann W. Erdtracht redigiert hat Die Paiästinafragen nehmen darin den breitesten Raum ein- Außer schon bekannten Arbeiten von Ruppire, Oettingar, Ballod sind einige kleinere Aufsätze von Dr. Emil Stein. Dr. Sternberg und Prof. Doktor Wetzler enthalten, die zwar nichts Neues bringen, aber zusammen mit den genannten Arbeiten ein ziemlich vollständiges Bildi über die Entwicklungsmöglichkeiten des Landes geben. Dadurch ist das Heft außerordentlich instruktiv, namentlich für all jene, welche das. mühevolle und zeitraubende Quellenstudium nicht betreiben können. Besonders hervorzuheben ist eine gediegene Origmalarbeit von Dr. Wilhelm Stein über den Handel bei den Juden im Altertum. Dr. Stein; der das gesamte Material beherrscht, versucht es, ans den spärlichen überlieferten Angaben ein, Büd der Berufsschichtung der Juden im Altertum zu geben, das man mit gespanntem Interesse verfolgt Er bemüht sich nachzuweisen, daß auch in der römischen Diaspora noch die Juden nicht vorwiegend Händler waren, und daß sie solche nur durch historischen Zwang geworden sind. Der Aufsatz ist ein Muster dafür, wie aus den Daten der allgemeinen Geschichte und durch Erfassung des ökonomischen Gesamtcharakters der verschiedenen Epochen die wenigen uns überlieferten Angaben über die Erwerbszweige der Juden rieht® gedeutet werden können. Es wäre zu wünschen daß der Autor die Arbeit erweitern und als selbständige» herausgeben würde. — Dr. Nossig schreibt über „Kollektivismus oder Kornmirmsrous“. So dankenswert es ist den terroristischen Anwandlungen der heutigen Kommunisten die wahre Meinung von Marx und Engels gegenüberzustellen so sind diese Fragen doch viel zu verwickelt um in einigen Seiten abgehandelt werden zu können. Die Gefahr. daß wieder nur Schlagworte gegen Schlagwarte aufgestellt werden, liegt nahe* Man lese das vorzügliche Buch von Kautzky: „Terrorismus und Kommunismus“, um zu sehen, welcher tiefgesonderter Analyse es bedarf, um nur einigermaßen das Problem zu klären. — Der Heraus-' geber D. Erdtracht erstattet den Bericht über die Tätigkeit des Vereins, die eine nach allen Richtungen hin intensive und erfolgreiche war. In sehr eindrucksvoller und .richtiger Weise präzisiert er die Ziele des Vereins, aus welchem sicherlich, wie er sagt „Pioniere eines neuen wirtschaftlichen Organismus, ganze Menschen und ganze Juden“ hervorgehen werden. Moriah, jüdische Monatsschrift in polnischer Sprache. Das soeben erschienene Novemberheft enthält folgende Arbeiten: Wilhelm Berkelhammer: Auf der Schwelle des neuen Morgens, Dr. Gisela Landau: Orthodoxie; Assimilation und Zionismus, B. Zimmerülann: Zwei Gemeinplätze. Dr. N. M. Gelber: Allgemeines Bild* der sozial-wirtschaftlichen Verhältnisse im polnischen Judentum am Ausgang des XVIII. Jahrhundert, Achad-Haam: Die Herrschaft des Verstandes (Maimonides). Dr. Ignaz Schwarzbart: Der nationale Wille tmd das nationale Sein. Rundschau: W. B.: Das nationale Moment in der Politik, Jakob Freund: Vor der Zusammentuhr der zionistischen akademischen Jagend in Galizien. Dr. Jeremias Frenkel: Stiebls Ausgaben, Jechiel Halpern: Aus der jüngsten jiddischen Literatur. Bibliographie. Redaktion und Verlag: Krakau, Stradom 15. Abonnement vierteljährlich K 12.— (Mk. 9.—), Einzelheft K 450 (Mk. 3.—).